Chronologie:2018

Am 3. Januar berichten Hilfsorganisationen, ein Luftangriff habe ein Krankenhaus in Maarat an-Numan in der Region Idlib zerstört. Sie werfen Syrien vor, in der Provinz gezielt Krankenhäuser anzugreifen. Russische Kampfflugzeuge gehen intensiv gegen Aufständische in der Enklave Ost-Ghouta vor.

Türkei geht weiter gegen Kurden in Syrien vor

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigt am 9. Januar an, Soldaten würden bei Manbidsch und Afrin gegen die Kämpfer der SDF und der YPG vorgehen. Damit verstößt die Türkei gegen das Völkerrecht, da die Soldaten in syrisches Hoheitsgebiet vordringen. Offenbar israelische Kampfflugzeuge greifen Munitionslager der syrischen Armee und der Hisbollah bei Damaskus an. Angeblich wird eines der Flugzeuge beschädigt.

Die Kämpfe um Ortschaften in Idlib gehen weiter. Nach Angaben der UN fliehen zehntausende Menschen aus der Region zur Grenze zur Türkei.

Am 14. Januar beschießt türkische Artillerie Dörfer um die von Kurden kontrollierte Stadt Afrin. Die Türkei will verhindern, dass die Kurden sich dort etablieren und kurdische Rebellen in der Türkei unterstützen. Am 20. Januar folgen massive Angriffe türkischer Kampfflugzeuge auf Afrin selbst. Türkische Soldaten dringen erneut auf syrisches Gebiet vor, es kommt zu Kämpfen mit kurdischen Milizen. Die türkische Militäroffensive "Operation Olivenzweig" hat begonnen - trotz der Beziehungen zwischen der kurdischen YPG und den USA. Russland kündigt an, sich in die Kämpfe dort nicht einzumischen. Syrische Truppen und ihre Verbündeten bekämpfen auch in den "Deeskalationszonen" weiter Gruppen, die sie als Terroristen bezeichnen.

Türkische Offensive in Syrien

Türkische Artillerie feuert bei Afrin auf kurdische Kämpfer.

(Foto: dpa)

Ein russisches Kampfflugzeug stürzt am 3. Februar bei Sarakeb im Nordwesten Syriens ab, der Pilot rettet sich, wird aber von Aufständischen getötet - angeblich, weil er auf sie geschossen hat. Weißhelme in der Stadt geben an, die syrischen Truppen hätten Chlorgas eingesetzt. Beweise gibt es nicht.

Im Osten Syriens beginnen syrische Truppen und verbündete Milizen mit einem Angriff auf Positionen der SDF. Die US-Luftwaffe reagiert mit einem Angriff auf die syrischen Soldaten, es gibt etwa 100 Tote.

Syrer schießen israelisches Kampfflugzeug ab

Am 10. Februar greift ein israelisches Kampfflugzeug eine Drohnenkontrollstation in Syrien an - und wird von einer Flugabwehrrakete getroffen. Die Maschine stürzt über israelischem Gebiet ab, die Piloten überleben. Anschließend greift Israel mehrere Ziele in Syrien an, darunter Flugabwehrstellungen. Die SDF schießt am selben Tag einen türkischen Kampfhubschrauber ab, beide Piloten sterben dabei.

Einige Tage später erreicht ein Hilfskonvoi der UN die von syrischen Truppen belagerte Region Ost-Ghouta, eigentlich eine Deeskalationszone. Eine Feuerpause, um Verwundete abzutransportieren, lehnt die syrische Regierung ab.

Der Kampf um Ost-Ghouta eskaliert

Ab dem 19. Februar kommt es zu massiven Angriffen auf Ost-Ghouta, auch Krankenhäuser werden getroffen. UN-Generalsekretär António Guterres fordert den UN-Sicherheitsrat auf, die Lage dort zu untersuchen. Unterdessen beginnen schiitische Milizen die Kurden um Afrin gegen die türkischen Soldaten zu unterstützen.

Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet am 24. Februar eine Resolution, die für Ost-Ghouta eine Waffenruhe für 30 Tage fordert. Die Angriffe gehen trotzdem weiter. Erst am 26. Februar beginnt Russland, den Einwohnern einige Stunden pro Tag Zeit zu lassen, um die Stadt zu verlassen.

Am 18. März beginnt eine Bodenoffensive syrischer Truppen auf Ost-Ghouta, innerhalb der kommenden Tage dringen syrische Soldaten und ihre Verbündeten immer weiter in das Gebiet ein. UN-Generalsekretär António Guterres fordert sicheren Zugang für humanitäre Hilfe. Ein erster Versuch, Hilfslieferungen in die Stadt zu bringen, musste abgebrochen werden.

Unterdessen bereitet die Türkei mit Artillerie und Luftangriffen die Eroberung Afrins durch Bodentruppen vor. Am 13. März ist die Stadt vollständig eingekesselt. Es gibt Berichte über den Beschuss des einzigen Krankenhauses mit etlichen Toten. Zehntausende Menschen fliehen aus der Stadt. Am 18. März verkündet Präsident Erdoğan die Einnahme der Stadt.

Nach erneuten Angriffen von Regierungstruppen und mit ihnen verbündete, von Iran kontrollierte Milizen nach intensiven Luftangriffen auf die Rebellen in Ost-Ghouta fliehen Mitte März fliehen Tausende Menschen in Richtung Damaskus. Am 24. März beginnen die Rebellen mit dem Abzug aus der Stadt, nachdem es zu einer Vereinbarung zwischen ihnen und der syrischen Armee gekommen ist. Die Armee kontrolliert nun 90 Prozent der Region.

Das zerstörte Zentrum von Afrin

Zentrum von Afrin am 24. März 2018

(Foto: REUTERS)

In den kommenden Tagen verlassen auch Tausende Zivilisten die Region vor allem in Richtung der noch überwiegend von Rebellen beherrschten Provinz Idlib. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass in den vergangenen Wochen mehr als 2000 Zivilisten getötet wurden, mehr als 8500 wurden verletzt. Russischen Angaben zufolge haben mehr als 100 000 Zivilisten das Gebiet verlassen.

Eskalation nach Giftgasangriff in Ost-Ghouta

Chronologie: Ein syrischer Soldat spricht mit einer Einwohnerin in einem der weitgehend zerstörten Orte in Ost-Ghouta.

Ein syrischer Soldat spricht mit einer Einwohnerin in einem der weitgehend zerstörten Orte in Ost-Ghouta.

(Foto: AFP)

Am 8. April melden Weißhelme aus der Stadt Duma in Ost-Ghouta, es habe in der Nacht einen Chemiewaffenangriff gegeben. Duma ist der letzte Ort in der Region, in dem Aufständische noch gegen Regierungstruppen kämpfen. Hilfsorganisationen sprechen von mehr als 150 Toten und mehr als 1000 Verletzten. Die USA kündigen an, den Bericht zu überprüfen. US-Präsident Trump twittert: "Präsident Putin, Russland und Iran sind verantwortlich für die Unterstützung des Tiers Assad. Großer Preis zu zahlen." Frankreich und Deutschland verurteilen den Angriff. Syrien und Russland weisen die Vorwürfe zurück. Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen will Experten nach Duma schicken. Ein entsprechender Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat aus den USA wird von Russland blockiert, gegen zwei russische Entwürfe legen die Amerikaner ihr Veto ein.

Am 10. April wird bekannt, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron es für möglich hält, die "chemischen Kapazitäten" Syriens anzugreifen. Verbündete Syriens sollen aber kein Ziel sein. Eine Entscheidung soll nach Beratungen mit den USA und Großbritannien in den nächsten Tagen fallen. Russlands Botschafter im Libanon erklärt, Russland könnte jede US-Rakete auf syrischem Hoheitsgebiet abfangen.

US-Präsident Trump twittert darauf hin am 11. April, Russland solle sich für Raketen bereit machen, "denn sie werden kommen". Moskau dürfe sich nicht mit einem Tier - gemeint ist Assad - verbünden. Macron weist darauf hin, man hätte den Beweis für die Verantwortung Syriens zumindeset für den Einsatz von Chlorgas.

Raketenangriff gegen Chemieanlagen in Syrien

Am 12. April erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie sehe eine syrische Verantwortung für den Giftgasangriff. Deutschland werde alle Maßnahmen unterstützen, die der UN-Sicherheitsrat beschließe. Aber eine Beteiligung an einem Militärschlag in Syrien schließt sie aus. Die Regierung in Damaskus erklärt, ihre Truppen würden Ost-Ghouta nun vollständig kontrollieren.

In der Nacht zum 14. April greifen die USA, Frankreich und Großbritannien mehrere Anlagen in Syrien mit Raketen an, die mit einem geheimen Chemiewaffenprogramm in Verbindung stehen sollen. Todesopfer gibt es offenbar nicht. Russland gibt an, die syrische Luftabwehr habe einen großen Teil der Raketen abgefangen. Russlands UN-Botschafter bezeichnet die USA und ihre Verbündeten im Sicherheitsrat als "Hooligans". Merkel bezeichnet den Angriff als angemessen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags allerdings stuft den Angriff einige Tage später als völkerrechtswidrig ein

Am 16. April wird das Team der OPCW, das in Duma den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff untersuchen soll, in Damaskus aufgehalten. Erst am 18. April versuchen die Experten, die Arbeit aufzunehmen, brechen jedoch ab, nachdem ihr Konvoi beschossen wurde. Am 21. April nehmen sie endlich ihre Arbeit auf.

Am 19. Juni beginnen syrische Regierungstruppen zusammen mit iranischen Milizen und russischen Kampfflugzeugen eine Offensive auf die Rebellengebiete im Südwesten des Landes bei Daraa. Am 6. Juli einigen sich Syriens Regierungstruppen und Rebellen, die heftigen Kämpfe in der Region Daraa zu beenden. Die Aufständischen verpflichten sich zur Abgabe ihrer Waffen. Zuvor hatte die russische Luftwaffe mit massiven Angriffen den Druck auf die Rebellen erhöht. Am 12. Juli geben die letzten Rebelln in Daraa auf und die syrische Armee marschiert ein. 330 000 Menschen sind Schätzungen zufolge während der Offensive in der Region geflohen. Idlib ist die letzte Hochburg der Rebellen in Syrien.

Am 17. September verständigen sich Russland und die Türkei darauf, in Idlib eine demilitarisierte Pufferzone einzurichten. Bis zum 15. Oktober soll die zwischen 15 und 20 Kilometer tiefe Zone eingerichtet werden, fünf Tage zuvor schwere Waffen wie Panzer, Artillerie-Raketen, Mörsergranaten und Panzerabwehrraketen aus dem Gebiet abgezogen werden. Doch die Vereinbarung wirft viele Fragen auf und der 15. Oktober verstreicht, ohne dass die Pufferzone errichtet wird. Bei einem Gipfeltreffen einigen sich Merkel, Erdoğan, Macron und Putin am 27. Oktober darauf, den festgefahrenen Friedensprozess bis Ende des Jahres wieder in Ganz zu bringen. Sie rufen außerdem wieder zu einer Waffenruhe in Idlib auf, um die demilitarisierte Zone errichten zu können.

Am 18. Dezember gelingt es den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), wichtiger Partner der US-Streitkräfte im Kampf gegen den IS, die letzte IS-Bastion Hadschin in Ostsyrien einzunehmen. Doch immer noch kontrolliert der IS Dörfer wie al-Susah und al-Schaafa an der irakischen Grenze sowie Teile der weitläufigen Badija-Wüste. Heftige

Überraschung kurz vor Jahresende: Am 19. Januar verkündet US-Präsident Trump, die US-Truppen aus Syrien abziehen zu wollen. Selbst die engsten Verbündeten der USA werden davon vollkommen überrascht. US-Verteidigungsminister James Mattis zurück.

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