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Strategie von IS und al-Qaida:Foley wurde schlechter behandelt als andere europäische Geiseln

Wie viele Amerikaner und Europäer sich nun in den Händen der selbsternannten Gotteskrieger befinden, ist unklar. Nach Angaben von Menschenrechtlern hat IS mindestens 4000 Gefangene in Syrien in ihrer Gewalt. Darunter seien auch "einige Dutzend Ausländer", sagte ein Sprecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Etwa 20 Gefangene seien Amerikaner und Europäer. Die IS-Extremisten hielten sie an verschiedenen Orten in Ostsyrien gefangen, vor allem in Rakka, aber auch in Dair as-Saur oder Aleppo.

James Foley US-Spezialkräfte versuchten, Foley zu befreien

Getöteter Journalist

US-Spezialkräfte versuchten, Foley zu befreien

Fehlgeschlagene Rettung: Noch im Juli startete das US-Militär in Syrien eine geheime Kommandoaktion, um den entführten Journalisten James Foley und weitere Geiseln aus den Händen der Islamisten zu befreien. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Foleys Mörder Brite ist.   Von Johannes Kuhn

Der New York Times zufolge sind mindestens drei Amerikaner und mehrere Briten in der Gewalt der Extremisten. Der Guardian geht von etwa 20 Geiseln aus, darunter ein Däne und zwei Italienerinnen. Beide Zeitungen stützen ihre Recherchen auf Aussagen von ehemaligen IS-Gefangenen und Angehörigen von Inhaftierten. Zwei der freigelassenen französischen Journalisten sagten dem Magazin Express, sie gingen davon aus, dass Foley im Gegensatz zu anderen Geiseln nicht wie sonst üblich von einer Terrorgruppe zur anderen verkauft wurde.

Und während die Al-Qaida-Terroristen ihre Gefangenen ausreichend mit Essen und Medikamenten versorgen ("Es war uns klar, dass wir für sie lebendig wertvoller waren als tot", sagte ein entführter Finne), scheint der Umgang der IS-Kämpfer mit ihren Gefangenen ziemlich rau zu sein.

"Er wurde besonders schlecht behandelt, weil er ein Amerikaner war. Er war der Prügelknabe für alle Wärter, aber James blieb unerbittlich", sagte der Franzose Nicolas Henin dem Magazin. Nachdem die Geiselnehmer entdeckt hätten, dass Foleys Bruder in der US-Luftwaffe arbeitet, sei er noch brutaler behandelt worden. Didier Francois, der sich mit James Foley eine Zelle in Gefangenschaft teilte, sagte zu Express, er habe nach seiner Freilassung nichts über den Amerikaner erzählt, da die IS-Kämpfer ihm für diesen Fall mit dem Tod gedroht hätten.

Schwierige Position für Medien

Solche Entführungsfälle sind enorm belastend für die Angehörigen und setzen die Regierungen unter Handlungsdruck. Auch für Journalisten ist es enorm schwierig, mehr über den Aufenthaltsort der Geiseln zu erfahren. Im Mai hatte zuletzt ein Reporter der Vanity Fair versucht, mehr über das Schicksal von Foley und Austin Tice, einem weiteren entführten Amerikaner, herauszufinden (nachzulesen hier).

Die Medien stecken in solchen Fällen in einer Zwickmühle: Sie haben die Pflicht zu berichten - können aber nicht immer ausschließen, dass so das Leben der Geiseln oder die Verhandlungen über deren Freilassung gefährdet werden. Das Auswärtige Amt hat in vergangenen Entführungsfällen selten mehr als die karge Losung ausgegeben, dass ein Krisenstab eingerichtet worden sei - personenbezogene Daten wurden nicht veröffentlicht.

Zudem führen die Terroristen inzwischen einen regelrechten Medienkrieg: Wie der renommierte deutsche Politikwissenschaftler Herfried Münkler in einem Aufsatz über Kriegsberichterstattung schreibt, zielen die verbreiteten Schreckensbilder direkt auf die "labile psychische Verfassung postheroischer Bevölkerungen". Die Medien würden so zum "Schlagkraftverstärker" der Terroristen - ein Phänomen, das sich im Zeitalter asymmetrischer Kriege verstärkt hat. Von Nachrichtensperren hält Münkler allerdings wenig - in Zeiten des Internets würden diese ohnehin umgangen, außerdem werde die Gerüchteküche so erst recht befeuert.

Nachrichtensperre in der Türkei

Das hat die Türkei nicht davon abgehalten, im Fall von 80 entführten Staatsbürgern eine komplette Nachrichtensperre zu erlassen. Bei der Eroberung der nordirakischen Stadt Mossul hatten IS-Milizen zunächst am 9. Juni 31 türkische Lastwagenfahrer entführt, bevor sie zwei Tage später 49 Mitarbeiter des türkischen Konsulats in ihre Gewalt brachten. Die Lastwagenfahrer wurden Anfang Juli freigelassen, doch die Konsulatsmitarbeiter, darunter auch der Konsul selbst, Öztürk Yilmaz, befinden sich weiter in der Gewalt der Terroristen.

Am 16. Juni verbot ein Gericht in Ankara allen türkischen Medien, über den Fall zu berichten. Bei Verstößen drohten Bußgelder oder ein temporärer Lizenzentzug für Radio und Fernsehsender. Was offiziell mit dem Schutz der Geiseln begründet wurde, wird von türkischen Journalisten-Organisationen als Zensurmaßnahme kritisiert. Damit wolle die Regierung von Noch-Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan verhindern, dass über ihr Versagen im Krisenmanagement berichtet wird. Ein Vorwurf lautet, sie hätte die Mitarbeiter des Konsulats im Irak früher von ihrem gefährlichen Posten abziehen müssen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen bezeichnet das Verbot als "eklatanten Akt der Zensur, das gegen das Recht der türkischen Öffentlichkeit verstoße, über eine Angelegenheit von allgemeinem Interesse informiert zu werden".

© SZ.de/mati/segi
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