Getöteter Journalist US-Spezialkräfte versuchten, Foley zu befreien

James Foley auf einem Archivbild vom September 2012. Zwei Monate später wurde er in Syrien entführt.

(Foto: AP)

Fehlgeschlagene Rettung: Noch im Juli startete das US-Militär in Syrien eine geheime Kommandoaktion, um den entführten Journalisten James Foley und weitere Geiseln aus den Händen der Islamisten zu befreien. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Foleys Mörder Brite ist.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Der Konjunktiv ist manchmal das Tor zur schmerzhaftesten aller Welten. "Natürlich wünschen wir uns, dass die Operation erfolgreich gewesen wäre", zitiert die New York Times einen ungenannten Vertreter der US-Regierung. Mit der Operation meint er eine geheime Kommandoaktion von Anfang Juli, die das Pentagon nun öffentlich gemacht hat. Ihr Ziel: Die Befreiung amerikanischer Geiseln in Syrien - unter ihnen der nun ermordete Journalist James Foley.

Viele Details sind nicht bekannt, ohnehin gibt die US-Regierung die Informationen nur heraus, weil offenbar einige Medien von der Aktion Wind bekommen haben.

Zum Tod von James Foley

Erzähler schwieriger Geschichten

Die amerikanischen Geheimdienste hatten laut Washington Post mit Hilfe der Aussagen sechs ehemaliger Geiseln einen abgelegenen Ort in Syrien als Gefängnis für Foley und andere verschleppe US-Amerikaner identifiziert. Auf Anweisung von US-Präsident Obama begann eine Befreiungsaktion, an der mehrere Dutzend Spezialkräfte der "Night Stalker" genannten Militäreinheit beteiligt waren. Die Spezialeinheit fliegt per Flugzeug oder Helikopter Spezialkräfte zu solchen Aktionen.*

Geiseln nicht im Versteck aufzufinden

Als Hubschrauber vom Typ Black Hawk die Soldaten absetzten, kam es zu Feuergefechten mit Kämpfern der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), bei denen nach Regierungsangaben mehrere Islamisten starben und ein US-Soldat leicht verletzt wurde. Die Aktion scheiterte jedoch - die Geiseln wurden nicht in dem vermuteten Versteck aufgefunden.

Um wen es sich bei den weiteren Gefangenen handelt, will die amerikanische Regierung aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Am Dienstag hatte IS ein Video veröffentlicht, auf dem sie zeigt, wie sie den Journalisten Foley ermordet. Darin drohen sie auch damit, im Falle weiterer Luftangriffe der USA eine zweite amerikanische Geisel zu töten, den entführten Kriegsberichterstatter Steven Sotloff.

Den IS-Milizen geht es bei ihren Entführungen aber offenbar keineswegs nur darum, die Geiseln als politisches Druckmittel zu nutzen. So soll die IS noch bis vor Kurzem ein Lösegeld in Millionenhöhe für Foley gefordert haben. Das meldet die New York Times unter Berufung auf Familienmitglieder Foleys und einen Mitgefangenen. Die US-Regierung habe eine Zahlung abgelehnt.

US-Präsident Obama hatte am Mittwoch in einer kurzen Stellungnahme sein Entsetzen über die Ermordung Foleys ausgedrückt und angekündigt, die Luftschläge gegen Terroristen im Irak fortzusetzen. Für den Islamischen Staat gebe es "keinen Platz im 21. Jahrhundert". Die Ermordung des Journalisten "schockiert das Bewusstsein der gesamten Welt", erklärte Obama und versprach, "unnachgiebig" zu sein. FBI-Chef James Comey bezeichnete die Mörder als "Wilde" und erklärte, dass seine Behörde die eingeleiteten Mordermittlungen unterstütze.

Täter spricht mit Londoner Akzent

Unterdessen verdichten sich die Hinweise, dass es sich beim Täter um einen Briten handelt. Dies sei aufgrund der vorliegenden Informationen "immer wahrscheinlicher", erklärte der britische Premierminister David Cameron.

Der vermummte Mann spricht in dem Video mit englischen Akzent, Linguisten analysierten im Guardian, dass der Dialekt auf eine Herkunft aus London deute. Eine ehemalige Geisel der IS identifizierte in der Zeitung den unter dem Namen "John" bekannten Mann als einen von drei Briten, mit denen er während seiner Verschleppung zu tun hatte. "John" soll in weiteren Entführungsfällen Verhandlungen über die Zahlung von Lösegeld geführt haben.

In der vergangenen Woche hatte der Chef von Scotland Yard gesagt, dass derzeit etwa 500 britische Staatsbürger im syrischen Bürgerkrieg kämpfen. Insgesamt sind Schätzungen zufolge mehrere Tausend Menschen aus dem Westen dorthin gereist, um im blutigen Bürgerkrieg aktiv zu werden, meist auf Seiten einer der vielen Anti-Assad-Gruppen.

Großbritannien befürchtet wie andere Länder, dass die Kämpfer radikalisiert und gewaltbereit zurückkehren könnten.

*Satz geändert und "Night Stalker" konkretisiert.