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Sozialdemokraten:Scholz wird SPD-Kanzlerkandidat

SPD-Spitze schlägt Scholz als Kanzlerkandidat vor

Olaf Scholz auf dem SPD Bundesparteitag 2019.

(Foto: Kay Niefeld/dpa)

Die Bundestagsfraktion sichert dem Vizekanzler und Finanzminister ihre Unterstützung zu. Doch nicht alle in der Partei erfreut die Wahl.

Von Mike Szymanski, Berlin

Die SPD zieht mit Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten in die nächste Bundestagswahl. Vorstand und Präsidium hätten ihn am Montag einstimmig nominiert, teilte die Parteispitze überraschend mit. "Jetzt ist es raus", twitterte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. "Wir freuen uns auf einen großartigen und erfolgreichen Wahlkampf", schrieb sie weiter. Scholz habe den "Kanzler-Wumms".

Auch Scholz reagierte umgehend: "Auf Vorschlag unserer Vorsitzenden Esken Saskia und Norbert Walter-Borjans haben mich Präsidium und Vorstand der SPD gerade einstimmig als Kanzlerkandidaten nominiert." Er freue sich auf einen "tollen, fairen und erfolgreichen Wahlkampf in einem starken Team".

Die Bundestagsfraktion sicherte ihm Unterstützung zu. Fraktionschef Rolf Mützenich, zwischenzeitlich ebenfalls als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt, erklärte: "Olaf Scholz hat mit seinen großen politischen Erfahrungen in Regierung und Parlament sowie als Länderregierungschef bewiesen, dass er unser Land auch in schwierigen Zeiten führen kann." Es sei "deshalb unser Kanzlerkandidat".

Es war erwartet worden, dass die Kanzlerkandidatur auf Scholz hinausläuft. In den vergangenen Wochen und Monaten hatten sich immer mehr führende Genossen aus der Regierung, aus der Fraktion und aus den Ländern mehr oder weniger klar für Scholz als Kanzlerkandidaten der SPD ausgesprochen.

Der 62-jährige Politiker steht nun vor einem nahezu sagenhaftem Comeback. Erst im Dezember war er mit seiner damaligen Teampartnerin Klara Geywitz im Wettstreit um den Parteivorsitz Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterlegen. Das Ende seiner politischen Karriere schien absehbar. Das Verhältnis zwischen den neuen Chefs und Scholz gilt als distanziert.

Im Wettstreit um den Parteivorsitz hatten sich Esken und Walter-Borjans klar gegen Scholz und seine damalige Teampartnerin Klara Geywitz positioniert und unter anderem dessen Politik als Ursache für die Probleme der SPD benannt.

Esken ging am Montag darauf ein, dass sie ihre Meinung geändert haben. "Wir wissen, dass diese Entscheidung für einige eine unerwartete Wendung darstellt. Wir bitten um Vertrauen in unseren Weg. Wir sind entschieden, diesen Weg gemeinsam zu gehen", erklärte sie.

Nach wie vor, besonders unter Parteilinken und beim Nachwuchs, den Jusos, gibt es starke Vorbehalte gegen Scholz. Kaum ein anderer Politiker stehe so sehr für die Arbeit in der großen Koalition, die Teile der SPD beendet sehen wollen.

© SZ.de/hij
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