Simone Peter:Allein unter Grünen

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Bundesparteitag Grüne

Da wurde sie als neue Parteichefin beklatscht: Simone Peter auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen 2013

(Foto: dpa)

Schon wieder hat die Partei eine Chefin, die leider nicht dem Bundestag angehört. Leider interpretiert Simone Peter ihren Job auch noch so, dass sie alles noch schlimmer macht.

Von Stefan Braun, Berlin

Als zum ersten Mal der Name Jürgen Trittin fällt, würde Simone Peter am liebsten aus der Haut fahren. Sie sitzt in ihrem Berliner Büro, sie hat da einen einfachen, aber massiven Holztisch, an dem sie ihre Gäste mit Tee und Sprudel bewirtet. Sie lächelt freundlich und will unbedingt zufrieden wirken. Doch dann kommt da dieses Wörtchen Trittin geflogen - und Peters Gesicht verfinstert sich derart, dass man plötzlich fürchten muss, sie könnte gleich ihr Glas an die Wand werfen.

Es ist Herbst geworden. In Berlin jagt der Wind braune Blätter um die Ecken. Und um die Parteizentrale der Grünen ist dieser Tage nicht nur der Himmel ziemlich grau geworden. In der Hauptstadt spukt ein sehr lebendiger Geist namens Jürgen Trittin durch die Straßen, der Cem Özdemir aus langjähriger Abneigung in Wallung bringt, aber auch Simone Peter alles andere als guttut.

Es ist der Ex-Fraktionschef, Ex-Spitzenkandidat, Ex-Anführer der Partei, der für die derzeitige Ko-Vorsitzende zu einem Problem wird. Nicht, weil die beiden unentwegt streiten würden. Im Gegenteil. Es hat sich nach einem Jahr Amtszeit eher der Eindruck verfestigt, dass die beiden politisch womöglich viel zu eng Seit an Seit kämpfen. Jedenfalls zu eng, als dass das Peter irgendwie nutzen würde. Denn immer mehr grüne Abgeordnete und sonstige Parteikollegen erzählen sich mittlerweile Geschichten, in denen Peter mal als Sprachrohr (noch wohlwollend) oder als Marionette (richtig bösartig) des alten Oberbosses beschrieben wird.

Das Gift entfaltet längst seine Wirkung

Derlei Geschichten sind natürlich gemein und unfair. Und Peter kämpft seither sehr verständlich darum, ihre Identität als eigenständige Politikerin zu retten. Aber das Gift, das derzeit unablässig verstreut wird, entfaltet längst seine Wirkung, auch, weil der Boden, auf den es fällt, gefährlich fruchtbar ist für derartige Bosheiten. Denn Trittin spielt nach wie vor mit allen möglichen Ambitionen.

Und die Parteispitze sitzt in einer Situation fest, in der die Umfragen zwar okay sind, aber die Zweifel an der Führung wachsen. Mal ist es die Fraktionsführung, von der es heißt, sie solle bald abgelöst werden (was ziemlich falsch ist); mal ist es die Doppelspitze in der Partei, über die immer mehr Leute abfällig reden, weil sie nach außen kaum Wirkung entfaltet (was eher der Wahrheit entspricht).

Die Folge ist, dass "wir in einer Phase der persönlichen Profilierung stecken", wie es ein führender Grüner ausdrückt. Mit anderen Worten: Nach einem Jahr, in dem die Grünen-Spitze vor allem bemüht war, Ruhe in den Laden zu bringen, ist nun eine Zeit angebrochen, in der ganz oben jeder vor allem für sich selbst kämpft.

Mit dem Trittin-Etikett wird sie keine eigene Statur entwickeln

So gesehen hätte die 48-jährige Peter Anlass genug, wegen der Trittin-Giftereien mal auf die Tischplatte zu hauen; ihrem Zorn darüber Raum zu geben. Denn wenn das Trittin-Etikett an ihr haften bleibt, dürfte es ihr schwerfallen, jemals eine wirklich eigene Statur zu entwickeln. Doch erstens wäre das Auf-den-Tisch-Hauen gar nicht so einfach, weil Peter und Trittin viele Fragen doch sehr ähnlich bewerten. Und zweitens könnte Peter derzeit eines ganz sicher nicht gebrauchen: sich auch noch von einem ihrer wichtigsten Verbündeten zu distanzieren.

So zornig also, wie sie gerade noch aussah, so kontrolliert sucht sie jetzt nach den richtigen, den unangreifbaren Sätzen. Dann sagt sie: "Mit Jürgen Trittin tausche ich mich regelmäßig aus, wie mit anderen grünen Parteifreundinnen und -freunden auch." Und sie fügt hinzu: "Ich schätze seine politischen Fähigkeiten und teile auch so manche Position." Na dann, denkt man sich da. Dann ist ja alles in bester Ordnung - und alles wahnsinnig langweilig.

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