"Sandy" und die Folgen Sturm über Amerikas Politik

Der Wirbelsturm "Sandy" hat auf bittere Weise das Thema Klimawandel zurück auf die Tagesordnung gebracht. Er mag keine "Jahrhundertflut" mit sich gebracht haben. Doch solche Hurrikane werden zur neuen Normalität gehören. Der Schutz vor den Folgen der Erderwärmung muss jetzt beginnen - und wird den nächsten US-Präsidenten vor Entscheidungen stellen.

Ein Kommentar von Nikolaus Piper

New York hat in der Nacht zum Dienstag Geschichte erlebt und durchlebt. Hurrikan Sandy war, was die materiellen Schäden betrifft, die zweitschlimmste Sturmkatastrophe der USA. Übertroffen wurde er nur von Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans verwüstet hatte. Weil aber diesmal New York betroffen war - für viele Menschen auf der Welt immer noch die Stadt der Städte -, dürften die politischen Folgen viel größer sein.

Zunächst einmal verdient die Stadt Bewunderung. Deren Bürger sind dem Desaster mit viel Gemeinsinn und gesundem Menschenverstand begegnet. Das Krisenmanagement hat, bei allen Versäumnissen, im Großen und Ganzen gut funktioniert. Nach jetzigem Wissen haben in New York 41 Menschen ihr Leben verloren. Das sind 41 menschliche Katastrophen, gleichwohl ist die Zahl der Opfer angesichts der Verwüstungen erstaunlich niedrig.

Sandy hat auf bittere Weise das Thema Klimawandel zurück auf die Tagesordnung der Politik gebracht. Selbst die größten Klimazweifler kommen nicht um eine Tatsache herum: Der Hurrikan hat auch deshalb so viel zerstört, weil der Meeresspiegel in hundert Jahren um 30 Zentimeter gestiegen ist. Dabei wird es nicht bleiben. Es sei falsch, von einer "Jahrhundertflut" zu sprechen, sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Stürme wie Sandy werden zur neuen Normalität gehören.

"Sandy" von oben

Unter Wasser

Reicht das, um Zweifler davon zu überzeugen, dass es die Menschen sind, die den Globus aufheizen? Vermutlich nicht. Niemand sollte jedenfalls darauf bauen, dass Präsident Obama, sollte er denn am Dienstag gewinnen, Klimapolitik nach deutschen Wünschen betreiben wird. In den riesigen USA werden die Kosten eines Verzichts auf fossile Energiequellen spürbarer als anderswo. Paradoxerweise hat Sandy auch das gezeigt. Millionen New Yorker haben erfahren, was es bedeutet, tagelang ohne Energie zu sein, in dunklen, ungeheizten Wohnungen auszuharren, ohne Aufzüge, ohne U-Bahn, ohne Benzin. Die im Wahlkampf so beliebte Parole von der "Energiesicherheit" ist plötzlich sehr anschaulich geworden. Jeder Politiker muss und wird dies in Rechnung stellen.

Schließlich hat der Hurrikan deutlich gemacht, dass der Schutz vor den Folgen des bereits eingetretenen Klimawandels jetzt beginnen muss. In New York diskutieren die Experten über aufwendige Flutschleusen, künstliche Sumpfgebiete vor der Küste und die Entvölkerung gefährdeter Gebiete. Die nötigen Milliarden müssen von einer Region aufgebracht werden, die heute schon zu den am höchsten besteuerten der USA zählt - und die auch in bessere Schulen, Straßen und Stromleitungen investieren müsste. Das lässt ahnen, welch harte Entscheidungen hier bevorstehen.

Ähnlich wie Gerhard Schröder bei der Oderflut 2002 dürfte Obama am Dienstag von seiner Rolle als abwägender Krisenmanager profitieren. Ob ihm Sandy tatsächlich den Wahlsieg sichern wird, ist Spekulation. Auf jeden Fall wird der nächste Präsident, egal wie er heißt, noch lange mit den Folgen des Hurrikans zu tun haben.

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Schneise der Zerstörung