Sacharow-Preis für Ilham Tohti:Deutschland ignoriert das Verbrechen an den Uiguren

Sacharow-Preis für Ilham Tohti: Regierungskritiker Ilham Tohti (hier auf einem Foto von 2013) ist seit Jahren inhaftiert.

Regierungskritiker Ilham Tohti (hier auf einem Foto von 2013) ist seit Jahren inhaftiert.

(Foto: AP)

Der Sacharow-Preisträger Ilham Tohti glaubte an eine Chance auf Versöhnung zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen. Seine Auszeichnung sollte für Berlin eine Erinnerung sein - an das eigene Versagen.

Kommentar von Lea Deuber, Peking

Regierungskritiker Ilham Tohti wird vom Europaparlament mit dem Sacharow-Preis geehrt. Die Würdigung seines Engagement ist richtig. Der inhaftierte uigurische Professor war kein Hardliner. Er glaubte an eine Chance auf Versöhnung zwischen der muslimischen Minderheit der Uiguren und den Han-Chinesen. Er ist ein Symbol der Hoffnung im Angesicht des Verbrechens, das China an der lokalen Bevölkerung in Xinjiang verübt. Mindestens eine Million Menschen halten die Behörden dort ohne Gerichtsurteil in Umerziehungslagern fest.

Im Angesicht dieses unerträglichen Unrechts herrscht in Deutschland immer noch eine beschämende Ignoranz. Während die USA zuletzt 28 chinesische Unternehmen aufgrund ihrer Aktivitäten in Xinjiang auf eine schwarze Liste setzten, gibt es hierzulande nicht mal eine Debatte über mögliche Sanktionierungen. Deutsche Firmen sind weiter in der Provinz aktiv. Volkswagen betreibt dort ein Werk, und Vorstandschef Herbert Diess tat in einem Interview einfach so, als wisse er von nichts. Er ist damit in guter Gesellschaft.

Auch in Berlin schaut man lieber weg. Wie Tibet ist Xinjiang zu einem von Peking verordneten Tabuthema geworden. Für Ilham Tohti ist der Preis deshalb eine Ehrung. Hierzulande ist die Auszeichnung eine Erinnerung - an das eigene Versagen.

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