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Europaparlament:Sacharow-Preis geht an inhaftierten Uiguren Ilham Tohti

Professor Ilham Tohti steht 2010 vor einer Vorlesung an einem Fenster in Peking.

(Foto: AFP)
  • Der Sacharow-Preis geht an den Uiguren Ilhan Tohti.
  • Tohti habe viel für das Verständnis zwischen Uiguren und Han-Chinesen getan, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.
  • Der chinesisch-uigurische Wirtschaftswissenschaftler und Regierungskritiker Tohti war vor fünf Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der inhaftierte Uigure Ilham Tohti erhält den renommierten Sacharow-Preis des Europaparlaments, auch EU-Menschenrechtspreis genannt. Tohti habe viel für das Verständnis zwischen Uiguren und Han-Chinesen getan, sagte Parlamentspräsident David Sassoli in Straßburg. Tohti ist Hochschullehrer, Publizist und einer der bekanntesten Vertreter der muslimischen Minderheit in China. Vor fünf Jahren wurde er zu lebenslangen Haft verurteilt und sitzt seitdem im Gefängnis.

Vor seiner Inhaftierung hatte sich Tohti für die Rechte der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang eingesetzt. Die Volksgruppe ist regelmäßig schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, die unter anderem Amnesty International anprangert. Im vergangenen Jahr hat China rückwirkend sogenannte Umerziehungslager für Muslime legalisiert und damit die Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren erlaubt. Etwa eine Million Muslime sollen in solchen Lagern interniert sein.

Bereits vor zwei Jahren erhielt Tohti den Weimarer Menschenrechtspreis. Die Stadt begründete ihre Entscheidung damit, dass Tohti sich für eine friedliche Koexistenz zwischen den Uiguren und den Han-Chinesen, die im restlichen Land die Bevölkerungsmehrheit bilden, stark gemacht hat. Die chinesische Regierung forderte damals, dass Weimar den Preis zurücknimmt.

Der Sacharow-Preis wird seit 1988 vom Europäischen Parlament an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit einsetzen. Mit dem Sacharow-Preis erinnert die EU an den sowjetischen Physiker und Dissidenten Andrej Sacharow. Die Auszeichnung ist mit 50 000 Euro dotiert.

Auf der am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Nominierten-Liste fanden sich neben Tohti die ermordete brasilianische Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco sowie die brasilianische Umweltaktivistin Claudelice Silva dos Santos und der Häuptling des brasilianischen Kayapo-Volkes, Raoni Metuktire, der sich gegen die Abholzung des Amazonas-Gebietes einsetzt.

Ebenfalls in der engeren Auswahl war das Projekt "The Restorers" aus Kenia, das für bessere Aufklärung über das Thema Genitalverstümmelung bei Frauen und schnelleren Zugang zu Hilfe für Betroffene kämpft. Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny, der in einer ersten Auswahlrunde ebenfalls nominiert war, stand nicht mehr auf der Liste. Verliehen wird er bei einer Zeremonie am 18. Dezember in Straßburg.

© SZ.de/cck/dpa/jsa

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