Rechtsruck in Deutschland:Im Gespräch mit AfD-Sympathisanten

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Rechtsruck in Deutschland: Andreas Widmann, 59, aus Hannover hat Sozialpädagogik studiert und später in Jugendzentren und Asylbewerberheimen gearbeitet.

Andreas Widmann, 59, aus Hannover hat Sozialpädagogik studiert und später in Jugendzentren und Asylbewerberheimen gearbeitet.

(Foto: Natalie Neomi Isser)

Wer steht hinter dem Erfolg der Rechten? SZ-Reporter sind quer durch die Republik gefahren, nach Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen - und haben zugehört.

Von Jan Heidtmann, Bernd Kastner, Gianna Niewel, Ulrike Nimz. Fotos von Natalie Neomi Isser

Deutschland lebt im Zeitalter des Pauschalurteils: Die Muslime. Die Flüchtlinge. Die Parteien. Die Rechten. In Wahrheit ist die Welt differenzierter und widersprüchlicher, auch die Welt der Rechten. Die SZ hat Menschen besucht, die politisch rechts stehen. Deren Ansichten beflügeln die AfD, die inzwischen in zehn Landtagen vertreten ist und den politischen Diskurs stark mitprägt.

Was ihre Spitzenfunktionäre sagen, über Schusswaffengebrauch an der Grenze, über Farbige als Nachbarn oder das vermeintliche Fortpflanzungsverhalten von Europäern und Afrikanern, ist bekannt. Was aber denkt die Basis?

SZ-Reporter sind quer durch die Republik gefahren, nach Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und haben zugehört. Es war schwierig, Gesprächspartner zu finden, die bereit sind, mit Namen und Foto für ihre Überzeugung einzustehen. Und nicht immer funktioniert es. Manch stundenlanges Gespräch konnte letztendlich nicht Teil der Reportage werden, weil der Interviewpartner seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen wollte - aus Sorge davor, Kunden zu verlieren oder weil die Freunde davor warnen, mit der Süddeutschen zu sprechen: "Die drehen dir das Wort im Mund herum", hieß es in einer SMS.

Auch einige derjenigen, die sich letztendlich bereit erklärten, offen zu sprechen, fürchten negative Konsequenzen. "Ich habe auch Angst vor der Reaktion meiner Mitmenschen, wenn sie erfahren, dass ich AfD wähle", sagt Andreas Widmann, 59 und Sozialpädagoge aus Hannover. "Diese Angst muss man nur deshalb haben, weil die AfD von allen Qualitätsmedien als der absolute Buhmann dargestellt wird."

Die Menschen, die in der Buch Zwei-Reportage zu Wort kommen, orientieren sich in Richtung AfD, fühlen sich aber als Rechtspopulisten oder "Nazis" diffamiert.

Menschen wie die 38jährige Gitarrenlehrerin Yasmine Arnold aus Steinach im Schwarzwald. Sie hat Flüchtlingen geholfen, am Ende aber sagte sie: "Dann geht halt zurück, wo ihr herkommt". Oder Christian Schumacher, 21, Philosophie-Student aus München, der meint, es gebe eine "links-grüne Hegemonie: Die glaubt bestimmen zu dürfen, was sagbar und was gesellschaftlich geächtet ist".

Zu Beginn des Jahres 2017, in dem die Landtage im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen sowie im Herbst der Bundestag gewählt werden, entsteht so ein Bild gesellschaftlicher Wirklichkeiten.

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