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Gipfeltreffen:USA und Russland vereinbaren Rückkehr ihrer Botschafter

Wladimir Putin (links) und Joe Biden begrüßen sich vor der Villa La Grange in Genf.

(Foto: AFP)

Das sagt Russlands Präsident Putin nach seinem ersten Treffen mit US-Präsident Biden in Genf. Die Gespräche der beiden enden nach gut drei Stunden.

Von Paul-Anton Krüger, Genf

Fünf Monate nach dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden ist er zu seinem ersten Gipfelgespräch mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin zusammengetroffen. Bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen verkündete Putin erste Ergebnisse: die Rückkehr der Botschafter nach Moskau und Washington. Die Diplomaten waren im Frühjahr im Zuge wachsender Spannungen zwischen beiden Ländern jeweils in ihre Heimat zurückgekehrt. Nach Angaben aus amerikanischen Delegationskreisen dauerte das Treffen insgesamt drei Stunden und 21 Minuten - weniger, als beide Seiten vorher in Aussicht gestellt hatten. Die russische Delegation hatte sich auf Gespräche von mindestens vier bis fünf Stunden Dauer eingestellt.

Sie fanden am frühen Nachmittag in Genf in der Villa La Grange statt. Biden sprach von einem Treffen zweier "Großmächte". Putin sagte, in den Beziehungen der beiden Länder hätten sich "viele Fragen angestaut".

Die russische Präsidentenmaschine, eine umgebaute Iljuschin Il-96, landete gegen 12.30 Uhr auf dem Flughafen Genf. Zehn Minuten später stieg Putin die Gangway hinunter in eine der beiden schwarzen Limousinen vom Typ Aurus, die ebenso eingeflogen worden waren wie Bidens Auto, genannt "The Beast", das Biest. Der Konvoi setzte sich in Bewegung in Richtung der Villa La Grange.

Mit vier Minuten Verspätung traf Putin an der Villa ein, wo ihn der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin empfing. Nach einem kurzen Händeschütteln für die Fotografen gingen die beiden ins Gebäude. Auf den Brücken über die Rhône versammelten sich Schaulustige, um zumindest aus der Ferne einen Blick auf die Fahrt von US-Präsident Joe Biden zum Gipfelort zu erhaschen.

Um 13.09 Uhr setzte sich auch dessen Konvoi in Bewegung, wie begleitende Journalisten meldeten. Biden war bereits am Dienstagnachmittag nach dem EU-USA-Gipfel von Brüssel in die Schweiz geflogen. Menschen in der Innenstadt von Genf jubelten der vorbeirauschenden Kolonne zu. Wie zuvor schon Putin begrüßte Parmelin auch Biden auf dem roten Teppich vor der Villa, Händeschütteln, Biden winkte kurz und lächelte. Dann führte ihn der Schweizer Bundespräsident ins Gebäude.

Kurz danach traten Parmelin, Biden und Putin noch einmal kurz für die offizielle Begrüßung und ein erstes Gipfelfoto vor die Tür der Villa. Auf Französisch sagte Parmelin, es sei der Schweiz eine Ehre und ein Vergnügen, die beiden Präsidenten in Genf zu begrüßen - der "Stadt des Friedens", wie er sagte. Genf ist neben New York das zweite Hauptquartier der Vereinten Nationen und beherbergte schon deren Vorläufer, den Völkerbund. Er stellte den Gipfel in die Tradition der neutralen Schweiz, "Dialog und gegenseitiges Verständnis" zu fördern und wünschte den Präsidenten "fruchtbare Gespräche". Er schloss mit "besten Wünschen und auf Wiedersehen", was er auf Englisch und Russisch wiederholte. Es folgten Übersetzungen seiner Begrüßung, bevor sich die Präsidenten die Hand gaben und sich in die Villa zurückzogen.

Für wenige Minuten wurden noch Fotografen und Kamerateams in die Bibliothek gelassen, wo die Präsidenten und ihre Außenminister bereits Platz genommen hatten. Putin dankte Biden für seine Initiative für das Treffen; der US-Präsident hatte den Gipfel im April vorgeschlagen, als große russische Truppenverbände an der Grenze zur Ukraine aufmarschiert waren. In russischen Medien wurde bereits die Tatsache, dass es zu der Zusammenkunft kommt, als Erfolg gewertet - das Treffen komme einer Anerkennung von Russlands Status als Großmacht auf Augenhöhe mit den USA gleich.

"Es ist immer besser, sich von Angesicht zu Angesicht zu treffen", sagte Biden, um "zu versuchen festzustellen, wo wir gemeinsame Interessen haben und kooperieren können und wo nicht". Er wolle versuchen, einen "vorhersehbaren und rationalen Weg" für die Zukunft der Beziehungen der "zwei Großmächte" zu finden, fügte er hinzu. Putin sagte, er hoffe, dass die Gespräche produktiv würden: "Ich weiß, Sie hatten eine weite Reise. Viel Arbeit. Nichtsdestotrotz haben sich in den russisch-amerikanischen Beziehungen viele Fragen angestaut."

Ein offizielles Essen der Staatschefs oder der Delegationen ist nicht vorgesehen. Beide Präsidenten planten, noch am Abend Genf wieder zu verlassen und in ihre Hauptstädte zurückzufliegen.

© SZ/vd/kast/ghe
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