Psychologie Was sind Amokläufer?

Die Definition von Amok ist auf den ersten Blick relativ klar. Nach heutigem Wissensstand sind die Täter, die als Amokläufer bezeichnet werden, in der Regel psychisch schwer gestört, manchmal geisteskrank. Da die Täter meist getötet werden, sind entsprechende Untersuchungen nicht häufig, die Datenlage ist dünn. Es gibt aber Hinweise darauf, dass viele Amokläufer unter Störungen wie Narzissmus, Paranoia oder Borderline gelitten haben.

Mit einer zunehmenden psychosozialen Entwurzelung mit realen oder wahrgenommenen sozialen Spannungen und Demütigungen entwickeln sie das aus ihrer Sicht gerechtfertigte Bedürfnis, sich gegen bestimmte Menschen oder auch die Gesellschaft insgesamt zu wehren oder sich zu rächen. Die Taten können längerfristig geplant oder spontan sein, je nach Persönlichkeit und Auslösern. Amokläufe beginnen deshalb häufig im engen sozialen Umfeld oder finden am (ehemaligen) Arbeitsplatz statt.

Eine besondere Form des Amoklaufs sind Massenmorde an Schulen (School Shootings), wie es sie in Deutschland, den USA und anderen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten relativ häufig gab. Bei den Tätern handelt es sich in der Regel um Schüler oder ehemalige Schüler, auf die die Beschreibung von Amokläufern passt. Ungewöhnlich ist hier natürlich, dass es sich bei den Tätern und bei vielen Opfern um Jugendliche oder sehr junge Erwachsene handelt.

Feuilleton Ein großes schwarzes Loch
Persönlichkeitsstörung

Ein großes schwarzes Loch

Im Zimmer von David S. fand die Polizei das Buch "Amok im Kopf". Was trieb den Täter? Ein Interview mit dem Jugendforscher Klaus Hurrelmann, von dem das Vorwort zum Buch stammt.   Interview von Alex Rühle

Experten können kein klares Profil für Amokläufer erstellen. Die größte Übereinstimmung besteht darin, dass die Täter sich in der Regel von ihrem Umfeld oder der Gesellschaft ausgeschlossen, schikaniert, erniedrigt gefühlt hatten - unabhängig davon, ob dies tatsächlich der Fall war oder nicht. Solche Gefühle führen aber gemeinhin noch nicht zu Gewaltausbrüchen, so dass individuell weitere wichtige Faktoren wie geistige Störungen oder Krankheiten hinzukommen müssen.

Nach allem was derzeit bekannt ist, erfüllt David S., der in München neun Menschen und dann sich selbst erschossen hat, klar die Kriterien eines Amokläufers.

Polizisten bergen eines der Opfer des Amoklaufs an der Albertville-Realschule in Winnenden am 11. März 2009. Ein 17-Jähriger hatte hier und in der Umgebung 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst tötete.

(Foto: Reuters)