Prantls Blick:Denkmäler für den Widerstand

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Die Widerständler von 1848/49, die diese Kraft hatten, sind kaum mehr bekannt. Es ist dies ein deutsches Defizit. Es gibt kaum Denkmäler für Demokratie und Widerstand in Deutschland, es gibt kaum Denkmäler für die deutschen Widerstandskämpfer und Revolutionäre. Nicht für die von 1848/49, nicht für die von 1918, nicht für die von 1953, nicht für die von 1989. Denkmäler müssen nicht unbedingt aus Stein und Bronze sein. Denken, Gedenken und Feiern kann man auch ohne Denkmal - zum Beispiel mit einem Feiertag am 17. Juni; und damit, dass man das Gedenken an die Revolutionäre und Widerstandskämpfer der deutschen Geschichte hochhält.

Damit möchte ich heute, mit diesem Newsletter beginnen - mit der Erinnerung an Hermann Louis Brill. Er war keiner der Aufständischen vom 17. Juni 1953, er war ein Widerstandskämpfer gegen Hitler. Brill, geboren 1895, Sohn eines Schneidermeisters im thüringischen Gräfenroda, Volksschullehrer, Kriegsteilnehmer von 1914 bis 1918, Mitglied der USPD, seit 1922 der SPD, mit 28 Jahren Ministerialdirektor im thüringischen Innenministerium.

Brills Leitung unterstand die Landespolizei, als die Reichswehr 1923 Thüringen unter Ausnahmerecht stellte. Brill war entschiedener Gegner dieser Aktion und von da an ein vehementer Gegner jeglicher Notstandsgesetzgebung. Mit Verve widersprach er beim Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee den Versuchen, ein Notstandsrecht ins Grundgesetz zu schreiben - wie es später, 1968, doch noch kam.

Brills Vita ist eindrucksvoll, unglaublich eindrucksvoll. 1924, nach einem Re­gierungswechsel in Thüringen, ging er zurück an die Uni, studierte Jura, politische Philosophie und Soziologie, blieb dabei weiter Landtagsabgeordneter und vernahm am 14. März 1932 Adolf Hitler. Das kam so: Im Januar 1930 hatte eine bürgerlich-nationalsozialistische Koalition die Regierungsgeschäfte in Thü­ringen übernommen. Innenminister Wilhelm Frick von der NSDAP hatte versucht, Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen - indem er ihn zum Gendarmeriekommissar von Hildburghausen ernannte. Nach dem Ausscheiden der Nazis aus der Regie­rung untersuchte ein Landtagsausschuss diesen Vor­gang, Hermann Louis Brill war der Vorsitzende.

Der Demokrat und der Brutalist: Als der Abgeordnete Brill 1932 Adolf Hitler vernahm

Brill lud Hitler vor und erinnerte sich später so: "Für mich war der 14. März 1932 einer der entscheidendsten Tage meines Lebens. Ich hatte Hitler gehört und gesehen, länger als 30 Mi­nuten hatte er mir gegenübergestanden. Ich besaß ein aus eigener Anschauung geschöpftes, wohlbegründetes Urteil über ihn. Er erschien mir als hysterischer Brutalist, ungebildet, zynisch, durch und durch unwahrhaftig, arrogant, unbeherrscht, bereit, jeden anderen physisch oder moralisch niederzuschlagen. Am 14. März 1932 fasste ich den Entschluss, mich diesem Mann zu widersetzen, zu jeder Zeit, überall, unter allen Umständen und mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln."

Vom NS-Volksgerichtshof wurde Brill 1938 wegen Hochverrats zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, von US-Truppen wurde er am 27. April 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit. Die Amerikaner ernannten ihn zum ersten Regierungschef von Thüringen, die Sowjets warfen ihn alsbald wieder aus dem Amt, danach wurde er in Hessen Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei. Schon 1947 plädierte Brill dafür, die Länder der westlichen Besatzungszonen zu einem Staat zusammenzufassen.

Was es auf Herrenchiemsee noch braucht

Der jungen Bundesrepublik hätte es gutgetan, wenn Leute wie Brill mehr Einfluss auf die Nachkriegspolitik gehabt hätten. Aber er war krank, gezeichnet von den Jahren der Haft. Er starb 1959 mit 64 Jahren. Schon bei den Beratungen von Herrenchiemsee hatte er des Öfteren wegen schwerer Krämpfe mitten im Gespräch den Raum verlassen müssen. Er versuchte bei den Beratungen, zwischen der extrem föderalistischen Position Bayerns und den extrem zentralistischen Vorstellungen seines SPD-Parteichefs Kurt Schumacher zu vermitteln. Hätten die Deutschen einen französischen Sinn für Geschichte, dann stünde auf Herrenchiemsee - und nicht nur dort - ein Denkmal für diesen grandiosen Hermann Louis Brill. Setzen wir diesen Leuten ein Denkmal.

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