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Politiker und Gesundheit:"Die Kandidaten werden zu Getriebenen"

Hillary Clinton

Für Hillary Clinton könnte es wichtig werden, Informationen über ihre Gesundheit öffentlich zu machen

(Foto: AFP)

In den USA und Österreich wird diskutiert, ob die Präsidentschaftskandidaten gesund genug sind. Die Frage ist wichtig - aber Gesundheit Privatsache. Lässt sich das Dilemma lösen?

Der gläserne Politiker - wäre das nicht eine gute Idee? Schließlich wollen die Wähler wissen, ob jene, die durch sie an die Schalthebel der Macht gekommen sind, tatsächlich daran arbeiten, die versprochenen Ziele zu erreichen. Oder ob sie sich etwa von Lobbyisten beeinflussen lassen. Bundestagsabgeordnete, die ihre Nebeneinkünfte offenlegen oder eine transparentere Lobbyarbeit, das hilft. Ein weiterer, allerdings sehr weitgehender Schritt wäre es, wenn die Wähler sich auch ein Bild davon machen könnten, ob Kandidaten körperlich, seelisch und geistig überhaupt in der Lage sind, weitreichende Entscheidungen zu fällen. Und zwar schon vor den Wahlen, damit ungeeignete Kandidaten erst gar nicht ins Amt kommen. Schließlich sind die Anforderungen an Politiker und der Druck, unter dem sie stehen, extrem hoch.

Begründetes Interesse der Öffentlichkeit

Es gibt also ein begründetes Interesse der Öffentlichkeit an der Gesundheit von Politikern, weshalb sie immer wieder heiß diskutiert wird. So wie gerade jetzt in Österreich und den USA: Nachdem Gerüchte über eine Krebserkrankung bei dem österreichischen Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen kursierten, hat dieser einen Krebsspezialisten öffentlich darlegen lassen, er sei völlig fit. Van der Bellen befürchtete offenbar, die Wählerinnen und Wähler könnten die Gerüchte als Hinweis interpretieren, er sei der Aufgabe körperlich nicht gewachsen oder würde nicht mehr lange leben.

Und in den Vereinigten Staaten kursiert ein Video von Hillary Clinton, auf dem die US-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten offensichtlich geschwächt eine Veranstaltung vorzeitig verlässt - wegen "Überhitzung", wie es erst hieß. Dann wurde bekannt, dass sie an einer Lungenentzündung leidet.

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Zum Thema wird die Gesundheit in diesen Wahlkämpfen vor allem deshalb, weil es um wenige Prozente geht, die die Wahl entscheiden. "Dann wird von den Wahlkampfmanagern die Karte Gesundheit gezogen", sagt der Politologe Stephan Bröchler von der Berliner Humboldt-Universität. "Und dann hat ein Kandidat wie Van der Bellen im Medienwahlkampf eigentlich keine andere Chance mehr, als über seine Gesundheit zu informieren. Die Kandidaten werden zu Getriebenen."

Über Clinton behauptet ihr republikanischer Gegner Donald Trump schon seit geraumer Zeit, sie sei schwach. Die Krankheit erhöht nun den Druck auf sie, mehr von sich selbst preiszugeben als bisher, um dem Eindruck entgegenzuwirken, sie hätte etwas zu verbergen. Selbst die Washington Post fordert nun, Clinton und Trump, der schon 70 ist, sollten Ergebnisse von Gesundheitsuntersuchungen veröffentlichen, die nicht erst während der Wahlkampagnen stattfanden: "Das Ziel muss sein, den Wählern die Sicherheit zu geben, dass alles zutage kommt, was sie [die Kandidaten] im Amt einschränken oder daran hindern könnte, eine volle Amtszeit durchzuhalten."

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Tatsächlich sind bislang drei US-Präsidenten im Amt sogar verstorben, so dass ihre nur "mitgewählten" Stellvertreter den Posten übernehmen mussten. William Harrison verstarb 1841 nach nur einem Monat als Präsident an einer Lungenentzündung (es gab damals noch keine Antibiotika), und Zachary Taylor verschied 1850 nach kaum eineinhalb Jahren im Amt. Franklin D. Roosevelt starb 1945 wenige Monate nach seiner vierten Ernennung, so dass Harry Truman an die Macht kam. Solche Fälle können insofern problematisch sein, als die Vize-Präsidenten auch dazu dienen, kleinere, aber relevante Wählergruppen ins Boot zu holen und ihre politischen Überzeugungen oft nicht für die Mehrheit der US-Bürger stehen. (Besonders auffällig war dies etwa bei Sarah Palin, mit der sich der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain 2008 die Anhänger der Tea Party sichern wollte.)

Die Gesundheit der Kandidaten war bereits 2008 ein sehr wichtiges Thema bei den Präsidentschaftswahlen in den USA. So hatte Barack Obamas Arzt David Schreiner die körperliche Fitness des erst 47-Jährigen öffentlich gelobt. Sein Konkurrent John McCain (damals bereits 71) veröffentlichte daraufhin einen dicken Stapel Unterlagen über seine eigene gute Gesundheit.

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Auf der anderen Seite haben prominente US-Präsidenten Gesundheitsprobleme bereits verheimlicht, um Zweifel an ihrer Arbeitsfähigkeit vorzubeugen. John F. Kennedy etwa litt unter anderem wegen einer chronischen Nierenkrankheit an körperlicher Schwäche. Und die Gesundheit von Franklin D. Roosevelt nahm bereits nach seiner Wahl 1941 deutlich ab, trotzdem stellte er sich vier Jahre später erneut zur Wahl.

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