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Populismus:Das Volk braucht Berufspolitiker

Das war schon immer so, doch die überdrussempfindlichste Staatsform bleibt die Demokratie mit ihrem Versprechen der politischen Teilhabe. Es genügt nicht, darauf hinzuweisen, dass das "Volk" der Volkssouveränität keine Willensperson mit einheitlichen Interessen ist, sondern zunächst eine Fiktion zu legitimatorischen Zwecken. Auch wenn alle etwas anderes wollen, kann sich die allen gemeinsame Wahrnehmung durchsetzen, dass man nicht mehr gehört werde, dass Wahlen wenig ändern, dass immer dieselben Phrasen wiederholt werden. Das ist die Stunde der Neuen.

Sie haben, was immer sie im Einzelnen sagen, einen naturwüchsigen Vorteil: frische Gesichter, anderes Sprechen. Je mehr Demokratie auf Darstellung vor einem Massenpublikum angewiesen ist, umso stärker wiegt dieser Vorteil.

Das Volk, das es als Einheit nicht gibt, sondern nur als Gesellschaft mit widerstreitenden Interessen, braucht aber Berufspolitiker, daran wird kein Populismus auf Dauer etwas ändern können. Auch jede Basisbewegung und Neupartei bringt Profis und Strippenzieher, Kassenwarte, Pöstchenjäger und Sprecher hervor. Max Weber hat das kühl "Führerauslese" genannt. Heute sagt man "Rekrutierung des politischen Personals" dazu.

Diese Rekrutierung bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der politischen Parteien, denn erst die Schulung im Parteikampf, die Ochsentour durch kleinere Ämter und in den Parlamenten bringt den modernen, kompromissfähigen und zugleich machtbewussten Politiker hervor.

Die Gegenprobe der Putins (Geheimdienst) oder Berlusconis und Trumps (Unternehmer) ist jedenfalls für Demokratien unverlockend, ja dysfunktional. Parteien müssen aber auch den Überdruss managen, zuhören, vor allem: durchlässig bleiben für neue Leute. Eine Mutti reicht auf Dauer nicht.

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