Parteitag der Grünen Auf dem Gipfel

"2011 wird spitze!": Mit erstaunlichen Umfragewerten im Rücken treffen sich die Grünen in Freiburg - und rätseln über die Konsequenzen des Erfolgs.

Von Michael Bauchmüller

Ob sich Erfolg beschließen lässt? Scheinbar schon. Wenn die Grünen am Sonntag ihren Parteitag überstanden haben, wenn sie ohne Blessuren übers Personal abgestimmt, sich über Energie, Gesundheit, kommunale Finanzen nicht zerstritten haben, dann bleibt nur noch Tagesordnungspunkt 13: "2011 wird spitze!" Nacheinander sollen dann die Spitzenkandidaten für die sechs Landtagswahlen im kommenden Jahr auflaufen. "Wir wollen uns nach einem intensiven Parteitag noch einmal ein gutes Gefühl gönnen, ehe wir nach Hause aufbrechen", sagt Steffi Lemke, die politische Geschäftsführerin der Partei. Man kann das auch anders sagen: 2011 soll endlich das Jahr der Ernte werden für die Grünen. Schon deshalb darf am Wochenende in Freiburg nichts schiefgehen.

An der Spitze der aufstrebenden grünen Partei (v.li.): Cem Özdemir, Claudia Roth, Renate Künast, Claudia Roth und der frühere Parteichef Reinhard Bütikofer

(Foto: AP)

Geschlossenheit, Kontinuität, Seriosität sollen die Botschaften der Bundesdelegiertenkonferenz sein, wie ein Parteitag bei den Grünen offiziell heißt. Dabei hat schon das Motto der Zusammenkunft durchaus appellativen Charakter: "Auftrag: Grün". Andere in der Parteispitze hatten - in Anspielung auf den Slogan im Streit um Stuttgarts Tiefbahnhof - ursprünglich noch eine andere Idee: "Oben bleiben".

Auch das hätte als Motto durchaus gepasst. Denn Demoskopen bescheinigen den Grünen nach wie vor einen ungeahnten Zuspruch: In Baden-Württemberg liegen sie vier Monate vor der Landtagswahl knapp hinter der CDU und weit vor der SPD, in Berlin könnten sie sogar stärkste Partei werden - allerdings erst in einem Jahr. Gäbe es Wahlen im Bund, könnten die Grünen wahlweise mit 20 bis 23 Prozent rechnen, je nach Umfrage. Auf solche Sympathien trafen sie noch nie.

Auch die Mitgliederzahlen könnten in Kürze den bisherigen Rekord von 51.813 knacken. So viele grüne Parteibücher gab es in Deutschland zuletzt 1998, was allerdings zugleich ein Menetekel ist: Damals übernahm Rot-Grün die Macht im Bund - und viele Mitglieder traten aus.

Längst beschäftigen sich die Grünen mit ihrem Erfolg mindestens so sehr wie mit politischen Inhalten. Einerseits weiß niemand so richtig, woher der Zuspruch genau kommt und, wichtiger noch, wie lange er bleibt. Andererseits rätseln viele Grüne, welche Schlüsse sie denn ziehen sollen aus dem Erfolg. Weitere Öffnung? Oder knallhartes Profil? Die Kurssuche füllt in diesen Tagen viele Seiten Papier.

"Wir müssen keine Angst haben vor dem Anspruch, den man an eine Volkspartei stellt: politische Konzepte in allen wichtigen Politikfeldern vorzulegen und für alle Schichten der Gesellschaft wählbar zu sein", schrieb jüngst ein Grüppchen von Grünen-Parlamentariern aus dem Reformer-Flügel. Und eine Gruppe von Landespolitikern tritt dafür ein, "ehemals konservative Begrifflichkeiten wie Heimat, Wirtschaft oder Sicherheit zu besetzen und im Sinne eines neuen, modernen Mainstreams grün zu definieren". Dies solle helfen, ein "eigenständiges grünes Lager" herauszubilden.

30 Jahre Grüne

Die Anti-Parteien-Partei