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Österreich-Kolumne:Minister in Turnschuhen

Neuer Gesundheitsminister Mückstein von Österreich

Aus der Praxis in die Hofburg: Der neue Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (rechts) mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

(Foto: Roland Schlager/dpa)

In Berlin der Pallawatsch um die Kanzlerkandidatenfindung, in Wien der neue Gesundheitsminister. Höchste Zeit für einen satirischen Schlagabtausch zwischen Deutschland und Österreich.

Von Martin Zips

Gerade hat sich unverhofft wieder der Leopoldstädter bei mir gemeldet. Er sei in München, hat er am Telefon gesagt, frisch getestet und natürlich rein beruflich. "Wieso beruflich?", habe ich ihn gefragt. "Bayerisch-österreichische Beziehungen pflegen", hat er vieldeutig geantwortet und mir einen gemeinsamen Spaziergang vorgeschlagen. "Treffpunkt: Die alte Marsalek-Villa."

Gut, über Wirecard haben wir schon viel geredet, der Leopoldstädter und ich. Natürlich auch über das Ibiza-Video, geschredderte Festplatten und jüngst den Rücktritt vom Rudi Anschober. "Diesmal aber ist Deutschland dran", hat der Leopoldstädter geheimnisvoll gemeint. "Ich sage nur: Pallawatsch."

Pallawatsch, das hat mir natürlich schon was gesagt, denn am Abend bevor der Leopoldstädter mich anrief, habe ich die "ZIB 2" geschaut. Die "ZIB 2" ist ungefähr das, was das "Heute-Journal" in Deutschland ist, meist nur interessanter. Moderiert wurde sie von einem Nordtiroler (Südtiroler sind eher was fürs deutsche Fernsehen), der sich zunächst von der Berlin-Korrespondentin die Geschichte mit Armin Laschet und Markus Söder hat erklären lassen und dann sagte, das sei ja ein "unglaublicher Pallawatsch", also das in Deutschland mit der Kanzlerkandidatenfindung in der Union aus CDU und CSU. Pallawatsch, das heißt auf Deutsch: Kuddelmuddel.

"Findest du nicht auch, dass das bei euch gerade ein ziemlicher Pallawatsch ist?", hat mich der Leopoldstädter gefragt, da waren wir schon am Friedensengel. "Ein Kanzlerkandidat, der sich durchsetzt, obwohl der andere viel bessere Umfragewerte hat? Oder eine Trampolinspringerin, die als Kanzlerkandidatin bei den Grünen einen Philosophen raushaut, der's doch eigentlich viel besser könnte als sie?"

Ein Mann der Praxis - in doppeltem Wortsinn

Da war er wieder, dieser unterschwellige österreichisch-deutsche Hass. "Ja, mein Lieber", habe ich da geantwortet. "Das ist eben der Unterschied. Ihr habt den Kurz 2017 nur wegen seiner tollen Umfragewerte aufgestellt - und wir schauen halt auf Inhalte, nicht auf populistisches Gerede wie bei eurem Kanzler mit seiner sogenannten neuen Bewegung. Beständigkeit ist wichtig, gerade in Krisenzeiten. Aber natürlich auch ein weiblicher Neuanfang!"

Der Leopoldstädter hat dann geantwortet, Neuanfang, das sei für ihn zum Beispiel sein echt cooler Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, der bekanntlich nicht nur aus der Praxis komme ("im doppelten Wortsinn", hat der Leopoldstädter gesagt), sondern auch in sehr schicken Turnschuhen zu seiner Angelobung in der Hofburg. "Ja, das hatten wir auch schon", habe ich geantwortet. "Nannte sich Joschka Fischer und war im Jahr 1985. Außerdem trug dein Mückstein amerikanische Sneaker von jener Sorte, wie sie auch Trump-Fans an den Sohlen kleben haben."

Der Leopoldstädter sagte, ich redete schon wie der Bürgermeister in der Fernsehserie "Vier Frauen und ein Todesfall". Der sei auch nie an revolutionären Neuerungen interessiert, sondern immer nur daran, dass er es möglichst bequem hat im Leben. Aber dann habe ich dem Leopoldstädter gesagt, er solle mir doch bitte mal erklären, was so revolutionär daran sei, wenn in einem Land bereits junge Politiker einen Postenschacher betreiben, wie woanders sonst nur die alten. Oder wenn sie einen guten, erfahrenen Gesundheitsminister einfach auflaufen lassen und dann noch rätselhafte Medienpreise einheimsen. Da hat mich der Leopoldstädter mit großen Augen angeschaut. "Diese Fragen gehören sich nicht!", hat er gemeint, und ich hatte fast ein bisschen Angst, dass ich - wenn ich doch noch weiterfrage - am Ende als Thema in einem seiner Staatsorgane lande.

Aber da hat mich der Leopoldstädter schon in den Arm genommen. "Ach", hat er gesagt. "Weißt eh, dass du Deutschlands zweitschönste Grillzange bist." Klar, das war eine Anspielung auf den Südtiroler Markus Lanz, der hierzulande jüngst als "Deutschlands schönste Grillzange" (SZ Plus) betitelt wurde, nur weil er den Laschet in seiner Sendung mit Fragen angeblich "gegrillt" hat. (Nordtiroler beim ORF grillen auch ganz gut.) "Am Ende ist eben alles nur ein großer Pallawatsch", hat der Leopoldstädter dann gesagt, da standen wir schon vor dem schönen schiefen Baum im Englischen Garten, gleich beim Monopteros.

Und dann sind der Leopoldstädter und ich ein Bier trinken gegangen.

Diese Kolumne erscheint am 23. April 2021 auch im Österreich-Newsletter, in dem wir die Berichterstattung zu Österreich in der SZ bündeln. Hier kostenlos anmelden.

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