Fischsterben in der Oder:Lemke fordert Ausbaustopp für die Oder

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Fischsterben in der Oder: In Massen sind tote Fische der Oder entnommen worden. Die genaue Ursache ist noch unklar, von einem "menschengemachten Eintrag" sei jedoch auszugehen, sagte Umweltministerin Steffi Lemke.

In Massen sind tote Fische der Oder entnommen worden. Die genaue Ursache ist noch unklar, von einem "menschengemachten Eintrag" sei jedoch auszugehen, sagte Umweltministerin Steffi Lemke.

(Foto: Annegret Hilse/Reuters)

Die Bundesumweltministerin will den deutsch-polnischen Grenzfluss künftig besser schützen. Die Ursachen des Fischsterbens werden weiter erforscht.

Von Viktoria Großmann und Paul-Anton Krüger, München

Nach dem massenhaften Fischsterben in der Oder fordert Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) für die Zukunft einen besseren Schutz des deutsch-polnischen Grenzflusses. "Nach allem, was wir wissen, gab es einen menschengemachten Eintrag", teilt die Ministerin in einer Presseaussendung mit. Bekannt ist, dass das Flusswasser deutlich zu viel Salz und Sauerstoff enthält, außerdem wurde eine Algenart festgestellt, die ein für Fische und kleinere Lebewesen tödliches Gift produziert. Satellitendaten bestätigen die Ausbreitung der Pflanze. Die Salzeinleitungen gehen mutmaßlich auf Bergwerke auf polnischer Seite zurück, die Einleitungen sind genehmigt. Zudem wurden bei Laboruntersuchungen von Wasserproben auch deutlich erhöhte Pestizidwerte festgestellt.

Auch die Hitze, die Trockenheit und der niedrige Wasserstand sowie Ausbauarbeiten an der Oder könnten ihren Anteil an der Umweltkatastrophe gehabt haben. Außer Fischen starben offenbar auch massenhaft kleinere Lebewesen wie Muscheln. Es "wird drastisch deutlich, dass ohnehin stark belastete Gewässer besonders geschützt werden müssen", teilt Lemke mit und fordert: "Der Ausbau der Oder muss nun gestoppt werden. Er belastet dieses wertvolle Ökosystem zusätzlich."

Auch auf polnischer Seite wurde die Gift produzierende Goldalge festgestellt, darauf wurde auch vom Amt für Gewässeraufsicht auf die Salzwassereinleitungen aus Bergwerken hingewiesen, jedoch in Zusammenhang mit dem Gleiwitzer Kanal, der zur Oder fließt. Umweltministerin Anna Moskwa hatte angekündigt, die Abwassereinleitungen in den Fluss überprüfen zu lassen. Die Untersuchungsergebnisse aus dem Brandenburger Umweltministerium, die auf Pestizide hinweisen, bezeichnete Moskwa jedoch am Wochenende als "Fake News". Pestizide und Herbizide seien in Polen nicht festgestellt worden, es handele sich um einen "ungerechtfertigten Angriff auf die Landwirtschaft", twitterte sie.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki warf in einem Facebook-Eintrag vom Wochenende erneut und namentlich der Marschallin der westpolnischen Woiwodschaft Lubuskie vor, Falschnachrichten zu verbreiten. Sie hatte die ersten Informationen über einen einzelnen Quecksilberfund auf deutscher Seite weitergegeben. Die Quecksilbertheorie wurde bald offiziell verworfen, wird aber unter polnischen Politikern weiterhin als Beweis dafür verwendet, dass die Opposition, "aus dem Ausland getrieben", wie Morawiecki schreibt, Falschmeldungen verbreite.

Gefragt nach den Fake-News-Vorwürfen sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums, Lemke habe über diese Vorwürfe noch nicht mit ihrer polnischen Kollegin Anna Moskwa gesprochen. "Von keiner Seite und zu keiner Zeit wurde in Deutschland aber behauptet, dass die Pestizide allein ursächlich für das Fischsterben gewesen seien." Es sei bedauerlich, dass entsprechende Laborergebnisse vom polnischen Umweltministerium als Schuldzuweisung verstanden wurden.

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