Drohnenangriff:Luftwaffe in Nigeria hat bei Anti-Terror-Einsatz offenbar zahlreiche Zivilisten getötet

Drohnenangriff: Bola Tinubu, Staatspräsident von Nigeria, äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.

Bola Tinubu, Staatspräsident von Nigeria, äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Mindestens 85 Menschen sollen bei dem Vorfall ums Leben gekommen sein, Amnesty International spricht sogar von 120 Opfern. Die Armee bezeichnet den Vorfall als Versehen.

Bei einem Drohnenangriff im Norden Nigerias sind am Sonntagabend zahlreiche Menschen getötet worden. Die nigerianische Katastrophenschutzbehörde NEMA teilte am Dienstag mit, bisher seien 85 Tote begraben worden, doch die Suche nach weiteren Opfern dauere an. Außerdem gebe es Dutzende Verletzte. Das Büro von Amnesty International in Nigeria spricht sogar von 120 Todesopfern. Ein Vertreter des Ministeriums für innere Sicherheit im nördlichen Bundesstaat Kaduna machte das Militär für den Angriff verantwortlich.

Nach seinen Angaben war der Angriff Teil einer "Routinemission gegen Terroristen". Dabei sei versehentlich eine Gruppe Muslime bei einer Feier im Dorf Tudun Biri angegriffen worden. Das Militär wies die Verantwortung für das Unglück zunächst zurück und behauptete, die Luftwaffe habe zum Zeitpunkt des Angriffs keine Flugoperationen im Bundesstaat Kaduna und Umgebung unternommen. Später verbreitete die Armee dann eine andere Version: Bei einem Einsatz gegen Terroristen seien "ungewollt Mitglieder der Allgemeinheit in Mitleidenschaft gezogen" worden.

Der Präsident ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an

Präsident Bola Tinubu sprach von einem unglücklichen Zwischenfall und ordnete am Dienstag eine Untersuchung des Vorfalls an. Zuvor hatte der Gouverneur des Bundesstaates Kaduna, Uba Sani, bereits angekündigt, den Vorfall untersuchen zu lassen.

Nigerias Armee bekämpft in der Region aktiv die islamistische Terrorgruppe Boko Haram sowie gewalttätige, kriminelle Banden. Dabei kommen häufig militärische Drohnen zum Einsatz. In der Vergangenheit ist dem Militär bereits mehrfach vorgeworfen worden, im Zuge von Militäroperationen versehentlich Zivilisten getötet zu haben. In der Kleinstadt Rann im nordöstlichen Bundesstaat Borno bombardierte die Luftwaffe 2017 ein Lager für Binnenvertriebene und tötete mehr als 100 Menschen.

Nigeria ist mit etwa 225 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas und in naher Zukunft wohl das drittbevölkerungsreichste Land der Welt. Es ist geprägt durch Korruption, Arbeitslosigkeit, Inflation, Hunger und die Gefahr durch Terroristen und Gangster.

Zur SZ-Startseite
ACHTUNG TOD - ACHTUNG SENSIBLE DATEN - VOR VERWENDUNG AN FRIEDRICH BUNGERT WENDEN  Saporischschja Front

SZ PlusUkraine
:In der Hölle von Robotyne

Es ist noch pechschwarze Nacht, als die ukrainischen Soldaten in den Einsatz ziehen. Hier steht kein Baum mehr, kein Haus, am Weg liegen gefrorene Leichen. Unterwegs an vorderster Front, wo für ein paar Meter gekämpft und gestorben wird.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: