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Nach den Landtagswahlen:Die Unverzichtbare: Julia Klöckner (CDU)

Was macht man, wenn man sich schon als neue Regierungschefin ausgerufen hatte und dann die Wahl verliert, das zweite Mal in Folge? Mag sein, dass Julia Klöckner am Abend des für sie demütigenden 13. März überlegte, ob ein Rücktritt als rheinland-pfälzische CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende fällig wäre. Schließlich war die Kampagne ihr Werk, ganz auf sie zugeschnitten. Sollte sie Abgangsgedanken gehegt haben, bemerkten selbst enge Mitarbeiter davon nichts. Ihre vom Wahlergebnis ohnehin schwer enttäuschte Partei hätte ein Abschied in tiefste Verzweiflung gestürzt.

Denn außer der 43-Jährigen gibt es in der heimischen Union weder einen starken Mann noch eine starke Frau. Noch am Wahlabend sagten die Leute aus der zweiten und dritten Reihe, dass man auf sie nicht verzichten könne. Nach einer kurzen Nacht erklärte Klöckner, dass sie an der Parteispitze bleibe. Tags darauf wurde sie einstimmig als Fraktionschefin wiedergewählt.

Chancellor Angela Merkel Speaks At CDU Party Headquarters As Political Opponents Gain Ground In Regional Elections

Julia Klöckner, 43, seit 2010 CDU-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz, ist auch stellvertretende Bundesparteichefin. Von 2009 bis 2011 war sie parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Aufatmen in der Landes-CDU. Und auch mancher in der Bundespartei war erleichtert. "Sie ist und bleibt ein Glücksfall für uns. So viele Frauen - und übrigens auch Männer - dieses Formats haben wir nicht", sagt ein Vorstandsmitglied. Ohne Klöckner, so die Sorge, wäre die CDU in Mainz wieder zerbröselt. Jahrzehntelang hatte sie sich in Affären und Kämpfe verstrickt - bis Klöckner für Frieden sorgte.

Wer die Verantwortung für den verpassten Wahlsieg trägt - Kanzlerin Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik oder Klöckner mit ihren recht komplizierten Absatzbewegungen - ist in der Partei noch zu diskutieren. Falls es in Mainz eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen gibt, wird Klöckner Oppositionschefin und muss zugleich der Regierung und der rechtspopulistischen AfD Paroli bieten. Falls es keine Ampel gibt, müsste die CDU in eine große Koalition mit den Sozialdemokraten und Ministerpräsidentin Malu Dreyer gehen - und die Chefin neu nachdenken.