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Wiederwahl von Merkel:Gerade heute darf es keinen Zweifel an der Wahl geben

Und so liegt von Anfang an mehr Spannung als Leichtigkeit über der Abstimmung. 25 Minuten lang werden die Namen aller Abgeordneten einzeln aufgerufen, damit sie anschließend in den nur für diesen Tag aufgestellten Wahlkabinen ihre Stimme abgeben. Saaldiener wachen darüber, dass die Vorhänge auch wirklich zugezogen werden. Geschieht das nicht, übernehmen sie das, manchmal heftig, herrisch, streng. Die geheime Wahl muss geheim bleiben. Daran darf es gerade heute nicht einen Hauch des Zweifels geben.

Dann vermeldet Wolfgang Schäuble nach gut zwanzig Minuten Auszählung das Ergebnis. Und wo sonst in den letzten Jahren sofort Beifall aufbrandete, herrscht dieses Mal Stille. Es sind nur ein paar Sekunden, aber sie fühlen sich an wie Stunden. Stunden, in denen alle den Atem anhalten. 364 Abgeordnete haben für Merkel gestimmt. Das bedeutet: mindestens 35 Abgeordnete der neuen Koalition haben ihr die Stimme verweigert. Die sogenannte Groko startet mit genau neun Stimmen über der absoluten Mehrheit. Das ist alles andere als ein schwungvoller Aufbruch.

Die AfD gratuliert nur zögerlich

Immerhin, im Anschluss an den kleinen Schrecken retten Rituale die Stimmung. Fast alle Fraktionen stehen auf, aus fast allen Fraktionen gibt es Blumen und Gratulationen. Ob Claudia Roth von den Grünen oder Dietmar Bartsch von den Linken, ob Andrea Nahles von der SPD oder Wolfgang Kubicki von den Liberalen, alle reichen der alten neuen Kanzlerin die Hand. Selbst ein etwas gebückter, politisch irgendwie halt auch geschlagener Martin Schulz will sich diesen Moment nicht nehmen lassen.

Nur die AfD zögert. Lange sieht es sogar so aus, als würden Alice Weidel und Alexander Gauland nachgerade trotzig auf ihren Stühlen bleiben. Dann aber schaut FDP-Mann Kubicki bei ihnen vorbei, redet auf sie ein, erklärt ihnen womöglich, wie albern und kleingeistig sie in diesem Moment wirken. Und so stehen sie doch auf, reihen sich ein in die Gratulanten. Es folgen zwei Handschläge, die kälter nicht ausfallen könnten. Und Bilder, die eine große Ausnahme bleiben werden.

Danach geht es für Merkel ab zum Bundespräsidenten. Der Zeitplan ist straff durchstrukturiert an einem Tag wie diesem. Eine gute Stunde später ist sie zurück und steht vor Wolfgang Schäuble, um ihren Eid auf die Verfassung zu leisten. Danach ist sie zum vierten Mal das, was sie sich nach dem Sturz von Helmut Kohl vor bald zwanzig Jahren vorgenommen hatte: Sie ist noch einmal die Kanzlerin Deutschlands.

Dass das kein einfaches Vergnügen mehr sein wird, deutet ausgerechnet der Bundestagspräsident an. Bei seiner Gratulation sagt Schäuble: "Ich wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem schweren Weg." Deutlicher kann man kaum mehr werden.

Und dann verkündet der Bundestagspräsident auch noch, dass er eine Ordnungsstrafe gegen einen AfD-Abgeordneten Petr Bystron verhängt hat. Dieser hatte in der Wahlkabine seinen Wahlzettel fotografiert, das Ergebnis anschließend in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und damit gegen eines der elementarsten Rechte verstoßen: das geheime Wahlrecht.

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