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Kundus-Affäre:Aussage gegen Aussage

Staatssekretär Wichert und Generalinspekteur Schneiderhan wurden wegen der Kundus-Affäre entlassen. Nun widersprechen sie Verteidigungsminister Guttenbergs Darstellung.

S. Kornelius und P. Blechschmidt

Die Entlassung und der Rücktritt des höchsten Beamten im Verteidigungsministerium und des obersten Soldaten, Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, haben ein dramatisches Nachspiel. Schneiderhan und auch Wichert widersprechen der Darstellung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über die Gründe für die Trennung; Wichert forderte vom Minister sogar eine öffentliche Richtigstellung.

Staatssekretär Peter Wichert (links) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan (rechts) bei ihrer feierlichen Verabschiedung mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Anfang Dezember.

(Foto: Archivfoto: Getty)

Nach übereinstimmenden Informationen hatte der Minister den Staatssekretär und den General am 25. November um 14.20 Uhr einbestellt und befragt, ob es über den Isaf-Bericht zu den Vorgängen von Kundus hinaus weitere Dokumente gebe. Zu diesem Zeitpunkt wusste Guttenberg bereits von der bevorstehenden Veröffentlichung eines Berichts der deutschen Militärpolizei in der Bild-Zeitung am nächsten Tag. Die Darstellungen über den Verlauf des zehnminütigen Gesprächs gehen allerdings auseinander.

In Guttenbergs Umgebung heißt es, Wichert und Schneiderhan hätten ihn trotz vier- bis fünfmaligen Nachfragens nicht über die Existenz der weiteren Berichte informiert. Erst als er sie auf den Feldjäger-Bericht konkret angesprochen habe, hätten die beiden zugegeben, dass es dieses Dokument gebe. Nach Guttenbergs Darstellung gab es zwei Zeugen der Auseinandersetzung, eine davon die Büroleiterin des Ministers, Sabine Bastek.

Ganz anders die Darstellung, die nun Schneiderhan gibt. Danach hat der Generalinspekteur auf die Frage nach weiteren Dokumenten den Feldjäger-Bericht, den eigenen Report von Oberst Georg Klein und das Papier eines Rechtsberaters genannt, der an den Ermittlungen in Kundus beteiligt war.

Wichert verwies auf einen Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, der dem Minister aber schon seit dem 6.November bekannt war, wie Guttenberg kürzlich selbst einräumte. Daraufhin erhielten die beiden, so Schneiderhans Version, von Guttenberg den Auftrag, die Papiere zusammenzustellen und ihm vorzulegen. Schneiderhan und Wichert verließen das Ministerbüro und gaben den Auftrag an ihre Mitarbeiter weiter.

Die Frage nach dem Informationsweg

Nach zwei Stunden meldeten Wichert und Schneiderhan dem Ministerbüro Vollzug. Gegen 17 Uhr erhielt Schneiderhan einen Anruf, der ihn zum Minister beorderte.Auch Wichert wurde zu einem getrennten Gespräch einbestellt. Bei den Treffen eröffnete Guttenberg ihnen, dass er sich schlecht beraten fühle und das Vertrauen in sie verloren habe.

Bei Guttenberg heißt es, dass selbst der Isaf-Bericht, der in seinen ersten Amtstagen zugestellt wurde, von Staatssekretär Wichert am 29. Oktober lediglich mündlich vorgestellt wurde. Der Minister habe den Bericht erst bekommen, nachdem er ausdrücklich um eine vollständige schriftliche Fassung gebeten habe.

Was in den zweieinhalb Stunden zwischen den Terminen im Ministerbüro Guttenberg zu dem Rausschmiss der beiden veranlasste, bleibt vorerst offen. Schneiderhans Rolle ist von zentraler Bedeutung: Da er über das eigentliche Ziel des Angriffs frühzeitig Bescheid wusste, stellt sich die Frage nach dem weiteren Informationsweg - ins Ministerium und in das Kanzleramt. Aus Guttenbergs Umgebung heißt es geheimnisvoll, die Berichtswege seien verschlungen gewesen, Ermittlungsverfahren gestoppt, Berichte möglicherweise gefälscht worden. Der Untersuchungsausschuss werde das ans Licht bringen.eli, ble

© SZ vom 14.12.2009/jab
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