Kür von Hillary Clinton:Der Wahlkampfchef wird in einer E-Mail als "verdammter Lügner" bezeichnet

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Dieses Argument überzeugt Ryan und Brandy nicht. Das Ehepaar ist aus Baltimore nach Philadelphia gereist, und beide wollen am 8. November für die Grünen-Kandidatin Jill Stein stimmen - sollte Sanders nicht irgendwie selbst antreten. Auch sie zucken eher resigniert mit den Schultern, als es um die E-Mail-Leaks geht: Sie hielten die Funktionäre um DWS nie für unabhängig.

Der Wunsch, dass der selbsternannte "demokratische Sozialist" als Unabhängiger ins Rennen geht, wird sich nicht erfüllen. Sanders nennt den Rücktritt von DWS per Statement "richtig" und fordert, dass die Parteiführung im Vorwahlkampf künftig unparteiisch bleibe, "was 2016 nicht geschah". Dass es für Sanders nicht gereicht hat, frustriert viele seiner Anhänger, aber die meisten wissen, was Wahlkampfchef Jeff Weaver (er wird in den E-Mails als "verdammter Lügner" bezeichnet) sagt: "Das hat uns nicht die Nominierung gekostet."

Bernie Sanders gehört neben First Lady Michelle und der linkspopulistischen Senatorin Elizabeth Warren zu den Hauptrednern des ersten Abends. Der Fokus seiner Rede und die Reaktion des Publikums wird Aufschluss geben, wie tief die Gräben bei den Demokraten sind. Sie wollen dem düsteren Cleveland-Parteitag der Republikaner eine deutlich optimistischere Antwort geben - und Geschlossenheit wäre dafür sehr sehr wichtig.

Für den Republikaner Donald Trump, der die freihandelskritischen Sanders-Wähler sehr offen umwirbt, kommen die DNC-Leaks wie gerufen. Die E-Mails passen zu seinem "Gaunerin Hillary"-Narrativ, und so spottet er via Twitter über das Chaos bei der politischen Konkurrenz.

Aus dem Lager von Hillary Clinton war zunächst wenig in Sachen #DNCLeaks zu hören - sie kündigt per Mitteilung nach dem Rücktritt ihrer "langjährigen Freundin" an, dass sie Wasserman Schultz helfen wolle, wiedergewählt zu werden (Sanders sammelt hingegen Spenden für den DWS-Herausforderer).

In den Augen von Robby Mook, Clintons Wahlkampfmanager, ist es jedoch kein Zufall, dass die geleakten Nachrichten direkt vor Beginn des Parteitags publik werden. Wie die Washington Post im Juni berichtet hatte, haben russische Hacker das Netzwerk des DNC geknackt und unter anderem alle über Trump gesammelten Informationen ("opposition research") kopiert.

Russlands Präsident Wladimir Putin, so Mooks Vermutung, wolle dem Republikaner so einen Gefallen tun und Clinton schaden. Diese Darstellung wies Paul Manafort, Trumps Wahlkampfchef, umgehend zurück.

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