Krisen vor dem Ersten Weltkrieg Bosnische Annexionskrise, 1908-1909

Erster Weltkrieg Als Südosteuropa zum Pulverfass wurde Bilder

Balkankriege 1912 und 1913

Als Südosteuropa zum Pulverfass wurde

Die Balkankriege 1912/1913 machten Südosteuropa zum Schlachtfeld. Sie ermunterten die Großmächte zur Rüstung - und zündeten die Lunte für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Historische Bilder.

Nach dem Skandal um seinen Freund Philipp zu Eulenburg baute Willhelm II. ein enges Verhältnis zum Fürsten Max Egon II. zu Fürstenberg und dem österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand auf. Doch die Freundschaft hatte schwerwiegende politische Folgen.

Im Oktober 1908 annektierte Österreich-Ungarn formal die Provinzen Bosnien und Herzegowina. Schon drei Jahrzehnte lang wurde das eigentlich zum Osmanischen Reich gehörende Bosnien-Herzegowina von Wien aus verwaltet. Auch wenn sich mit der Annexion lediglich einige Formalia änderten, sah sich der deutsche Kaiser dadurch bedrängt - er verstand sein Verhältnis zum Osmanischen Reich als ein besonderes und fürchtete, seine Türkei-Politik würde durch Österreich-Ungarn unterwandert.

Erster Weltkrieg Grausame Ouvertüre des Ersten Weltkriegs Bilder
Balkankriege 1912 und 1913

Grausame Ouvertüre des Ersten Weltkriegs

In den beiden Balkankriegen 1912 und 1913 zeigte sich die monströse Wirkung moderner Waffen, dem Kriegswillen tat dies keinen Abbruch. Die Feindschaften auf dem Balkan, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden, reichen bis in die jüngste Zeit.

Innenpolitisch und wirtschaftlich wurde Österreich-Ungarn durch die Annexion jedoch geschwächt, die annektierten Provinzen waren arm. Zudem erkannte in Europa kein Staat die Annexion an. Das Habsburger Reich lief damit Gefahr, im Falle eines Angriffs auf Bosnien-Herzegowina keine Hilfe der Verbündeten zu bekommen.

Kaiser Wilhelm II. war enttäuscht, auch weil er nicht vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. vor der Einverleibung der Provinzen ins Vertrauen gezogen wurde. Trotzdem machte er im Oktober 1908 ein Allianzversprechen. Bereits 1879 hatte Wilhelm I. mit Österreich-Ungarn einen Zweibund geschlossen, der gegenseitige Unterstützung bei einem Angriff vorsah.

"Wundervolle Probe für den Ernstfall"

Als sich eine Möglichkeit des Krieges zwischen Österreich-Ungarn und Serbien abzeichnete, bestand die Gefahr, dass Deutschland durch den Balkankonflikt in den Krieg gegen Russland und Frankreich hineingezogen werden könnte. Die Annexion Bosnien-Herzegowinas hatte Österreich-Ungarn mit Russland abgesprochen, als Ausgleich sollte Russland die Kontrolle über die Dardanellen bekommen. Doch Großbritannien legte ein Veto ein und Russland ging leer aus - damit stieg die Kriegsgefahr.

Diese Aussage war bedenklich, weil ein mögliches Einschreiten Österreichs in Serbien wiederum einen Angriff der Schutzmacht Russlands hätte auslösen können.

Geschichte "Wilhelm II. sah in Hitler seinen Vollstrecker"
Der letzte deutsche Kaiser

"Wilhelm II. sah in Hitler seinen Vollstrecker"

1941 starb Wilhelm II. im niederländischen Exil, gut bewacht von Soldaten der Wehrmacht. Biograph John Röhl erklärt, inwieweit Deutschlands letzter Kaiser in den Nazis seine politischen Erben sah.   Oliver Das Gupta

1909 wurde ein großer Krieg nur vermieden, weil das Zarenreich im letzten Moment einlenkte. Dabei waren der Zar und Wilhelm II. Cousins, die sich in Briefen "Nicky" und "Willy" nannten. An der Kriegsbereitschaft Wilhelms II. zweifelte niemand. Bis zuletzt war er für ein Durchgreifen Österreichs. Aus dem Rückzug Russlands zog er den Schluss, alles richtig gemacht zu haben. Er nannte den Zusammenhalt Deutschlands und Österreich-Ungarns eine "wundervolle Probe für den Ernstfall".

Mit seiner Loyalität nahm Wilhelm II. den berüchtigten "Blankoscheck" vorweg, den er nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers am 5. Juli 1914 erteilen würde. Damit sicherte der Kaiser den Österreichern Rückendeckung zu für ein gewaltsames Vorgehen gegen Serbien, das am 28. Juli 1914 folgen sollte - dem Beginn des Ersten Weltkrieges.