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Deutsche Geschichte:Die überforderte Nation

Mitglieder des Bismarckbundes, der Parteijugend der DNVP, 1933

Mitglieder des Bismarckbundes, der Parteijugend der rechtsnationalen Partei DNVP, am 'Tag von Potsdam' , dem 21. März 1933, in Potsdam. Auf den schwarz-weiß-roten Fahne stehen monarchistische Sprüche wie 'Gott für Kaiser und Reich'. Wenige Monate zuvor hatte die DNVP der NSDAP zur Macht verholfen und Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Die Reichseinigung und der Aufstieg Deutschlands zur Großmacht brachten tiefe Verunsicherung mit sich. Das Gleiche geschah, wenn auch aus anderen Gründen, nach 1989. Warum? Das erklärt der Historiker Ulrich Herbert in seinem neuen Buch. Auszüge aus einem SZ-Gespräch.

Der Freiburger Historiker Ulrich Herbert hat sich schon viele Meriten erworben. Sein Buch über deutsche Ausländerpolitik war ebenso erfolgreich wie seine diversen Studien über Themen des Nationalsozialismus. Demnächst erscheint im Verlag C. H. Beck sein 1500 Seite dickes Opus Magnum: "Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert".

Im Gespräch mit der SZ erläutert Ulrich Herbert Brüche und Konstanten in der deutschen Geschichte seit dem Kaiserreich. Kaum daß das Kaiserreich 1871 gegründet worden war, machte sich große Staatsgläubigkeit bei den Deutschen breit. Das lag laut Herbert vor allem daran, dass das neue Reich so erfolgreich war.

Otto von Bismarck "Für die Franzosen war Bismarck ein Hassobjekt" Bilder
Erster deutscher Kanzler

"Für die Franzosen war Bismarck ein Hassobjekt"

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Er besaß einen erstklassigen Verwaltungsapparat, eine für jene Zeit avancierte Sozialgesetzgebung, und ökonomisch standen nur die Vereinigten Staaten von Amerika besser da. Der Nachteil des neuen Zutrauens der Deutschen zu sich selbst habe indessen auch zu großer Verängstigung geführt: Insbesondere das Bürgertum erging sich in Zweifeln an der Moderne.

Fall aus großer Höhe

Nach dem Ersten Weltkrieg sei das unterlegene Deutschland dann aus großer Höhe sehr tief gefallen. Das bedeutet laut Herbert aber nicht, dass alles verloren gewesen wäre. In jener Zeit begannen die Staaten aller Welt "in wirtschaftlichen Großräumen" zu denken: "Japan hat sich ein ostasiatisches Reich aufgebaut. Italien versucht das gleiche in Nordafrika. Und die Deutschen, nicht nur die Nazis dachten: wir brauchen ein blockadesicheres Hinterland."

In Gestalt der Balkanstaaten habe man das in den 30er Jahren auch gehabt. Die weitere Expansion nach Osten, bis in die Sowjetunion hinein, sei nur logisch gewesen. Und, so Herbert im SZ-Gespräch: "Mit friedlichen Mitteln betrieben, hätte das womöglich sogar funktionieren können."

Erster Weltkrieg

Wahnsinn Westfront

Stattdessen habe das Dritte Reich die Aufrüstung auf Pump betrieben. Statt die Staatsfinanzen zu konsolidieren, habe Adolf Hitler die Aufrüstung aber noch forciert. Nach dem gelungenen Sieg, so die Idee, hätten die unterworfenen Staaten für die deutschen Schulden aufkommen sollen.