Krisen vor dem Ersten Weltkrieg Krüger-Depesche, 1896

Ein 15-cm-Belagerungsgeschütz der Buren (Marke Creuzot), beim Beschuss von Mafeking, der Hauptstadt von Britisch-Betschuanaland, während des Burenkrieges am Ende des 19. Jahrhunderts.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Manchmal genügen wenige Zeilen, um das Verhältnis zwischen zwei Ländern schwer zu belasten. Im Falle Deutschlands und Großbritanniens führte die sogenannte Krüger-Depesche im Januar 1896 dazu, dass sich das Klima zwischen Berlin und London mit einem Mal spürbar abkühlte.

Kaiser Wilhelm II. schickte am 3. Januar ein Glückwunschschreiben an Paulus "Ohm" Krüger, den Präsidenten der südafrikanischen Burenrepublik Transvaal. Zuvor hatten die Südafrikaner den Angriff einer Privatarmee abgewehrt. Diese stand unter der Führung des Briten Leander Starr Jameson, darüber hinaus dienten mehrere britische Offiziere in ihr. Für Berlin stand es außer Zweifel, dass eigentlich das britische Empire hinter dem Einfall der sogenannten Privatarmee stand - auch wenn sich London nach Kräften bemühte, diesen Eindruck zu zerstreuen.

"Als Friedensstörer in Ihr Land eingebrochen"

"Ich spreche Ihnen meinen aufrichtigen Glückwunsch aus, dass es Ihnen, ohne an die Hilfe befreundeter Mächte zu appellieren, mit Ihrem Volke gelungen ist, in eigener Tatkraft gegenüber den bewaffneten Scharen, welche als Friedensstörer in Ihr Land eingebrochen sind, den Frieden wiederherzustellen und die Unabhängigkeit des Landes gegen Angriffe von außen zu wahren", ließ Berlin den Südafrikanern nach der gescheiterten Invasion mitteilen. Dabei hat Wilhelm II. selbst britische Wurzeln. Königin Victoria war seine Großmutter.

In London wurde die Depesche als Affront wahrgenommen. Dort sah man die Burenrepublik Transvaal ohnehin als Teil des britischen Empires an und verbat sich daher eine Einmischung des Deutschen Reichs.

"Haut doch die Polen"

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Als Reaktion kündigten die Briten das Mittelmeerabkommen von 1887 auf. Darin hatten sich auf Vermittlung des früheren Reichskanzlers Otto von Bismarck hin mehrere Staaten dazu verpflichtet, die Machtverteilung im Mittelmeer anzuerkennen. Bismarck hatte mit seinem Geflecht von Verträgen den Erbfeind Frankreich diplomatisch isolieren und Deutschland nach den übrigen Seiten absichern wollen. Doch der junge Kaiser feuerte Bismarck zwei Jahre nach der Thonbesteigung - und ließ Bündnisse auslaufen.

Der Ausstieg des Empires aus dem Mittelmeerabkommen schwächte das Deutsche Reich und führte dazu, dass sich London und Moskau diplomatisch einander annäherten.Bis zum nächsten Zwischenfall.