Kongo - der vergessene Krieg:Blamage für die UN-Blauhelme

Im November vergangenen Jahres fielen Horden von Soldaten über mehrere Dörfer her, plünderten Häuser und vergewaltigten binnen zweier Tage mehr als 100 Frauen, unter ihnen sechs Jahre alte Mädchen. Das systematische Vorgehen in Kleingruppen schildert ein UN-Bericht: "Einer oder zwei der Soldaten verschwanden mit der Beute, mindestens ein weiterer stand Wache, während die übrigen Soldaten die Frauen und Mädchen im Haus vergewaltigten."

Seit Gründung von M23 im April 2012 (deren Anführer waren zeitweise in die kongolesische Armee integriert, ehe sie im Streit mit der Regierung desertierten) haben die Kämpfe schätzungsweise 800.000 Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Im November vergangenen Jahres, drei Monate nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens, nahm die M23 vorübergehend Goma ein, die größte Stadt der Region, und blamierte so abermals die UN-Blauhelme der Kongo-Mission "Monusco", denen seit Jahren immer wieder Untätigkeit vorgeworfen wird. Das soll nun auf keinen Fall wieder passieren; ein Monusco-Sprecher drohte deshalb vergangene Woche, die neue Truppe werde die Rebellen "mit den notwendigen Mitteln, einschließlich tödlicher Gewalt", aufhalten, sollten diese auf die Stadt vorrücken.

Unterstützung durch ruandische Regierung

Was den Konflikt zusätzlich verkompliziert, ist die Rolle der ruandischen Regierung: UN und Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch haben in den vergangenen Jahren immer neue Indizien dafür vorgebracht, dass die Rebellentruppe M23 von der ruandischen Regierung unterstützt wird. Die bestreitet das kategorisch und wirft ihrerseits der kongolesischen Armee vor, mit Tätern des Völkermords von 1994 gemeinsame Sache zu machen. In dieses Chaos hinein platzte vergangene Woche unerwartet ein weiterer Akteur: Die "Allied Democratic Forces" (ADF) attackierten eine Kleinstadt nahe der ugandischen Grenze.

Die Rebellentruppe hatte in den Neunzigerjahren mit Bombenanschlägen in Uganda Terror verbreitet, erregte in den vergangenen Jahren jedoch nur noch wenig Aufsehen. Inzwischen jedoch soll sie laut UN-Informationen mit der islamistischen Al-Shabaab-Miliz in Somalia in Verbindung stehen und von dort auch Waffen beziehen - wohl um Racheakte dafür zu verüben, dass ugandische Truppen im Rahmen einer Mission der Afrikanischen Union in Somalia gegen die Islamisten kämpfen.

Entbindung während der Flucht

Der jüngste Angriff der ADF löste eine weitere, gewaltige Flüchtlingswelle in der Region aus: Im Laufe der Woche registrierte das Rote Kreuz in Uganda mehr als 66.000 Menschen, die auf der Flucht vor den Rebellen die Grenze überquert hatten; viele von ihnen versteckten sich in den Wäldern, unter ihnen Schwangere und kranke Kinder.

Eine ugandische Zeitung berichtete, mindestens fünf Frauen hätten während der Flucht entbunden. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen warnt vor zunehmender Seuchengefahr. Und das ugandische Militär versucht, durch Kontrollen zu verhindern, dass inmitten der Flüchtlingstrecks Kämpfer der ADF die Grenze überqueren, um ihr Land zu infiltrieren.

Nun also auch noch die somalische al-Shabaab als Akteur im Ostkongo: Hoffnung auf ein baldiges Ende von Afrikas Weltkrieg weckt das nicht gerade.

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