Klimapolitik:Umweltschützer kritisieren Ergebnisse des Petersberger Klimadialogs

Lesezeit: 2 min

Klimapolitik: Außenministerin Annalena Baerbock und ihr ägyptischer Kollege Samih Schukri bei der Pressekonferenz zum Abschluss des "Petersberger Klimadialogs".

Außenministerin Annalena Baerbock und ihr ägyptischer Kollege Samih Schukri bei der Pressekonferenz zum Abschluss des "Petersberger Klimadialogs".

(Foto: Christophe Gateau/AFP)

Gastgeberin und Außenministerin Baerbock verspricht in Berlin, den Klimaschutz nicht zu vernachlässigen. Konkrete finanzielle Zusagen gibt es aber nicht. Die Kritik daran ist deutlich.

Von Kassian Stroh

Die Gespräche in Berlin liefen noch, da reagierten Umweltschützer bereits enttäuscht und mit deutlicher Kritik. "Der Petersberger Klimadialog bleibt hinter den Erwartungen zurück, jetzt schon Meilensteine für die Klimaverhandlungen im November zu setzen", bemängelte Olaf Bandt, der Vorsitzende der Umweltschutzorganisation BUND. Mit konkreten finanziellen Zusagen hätte die Bundesregierung zeigen können, dass sie es ernst meine mit dem Kampf gegen die Klimakrise und mit der Verantwortung gegenüber besonders betroffenen Ländern, sagte Bandt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Und auch Greenpeace ließ wissen, man habe sich mehr Initiative von Deutschland erhofft: Der Kampf gegen die Klimakrise dürfe nicht hinter anderen Krisen zurückfallen.

Damit sind die zwei zentralen Konfliktpunkte des "Petersberger Klimadialogs" benannt, in dessen Rahmen Vertreter von etwa drei Dutzend Staaten zwei Tage lang über den Kampf gegen die Klimakrise redeten. Ein Treffen, das auch die im November in Ägypten geplante Weltklimakonferenz COP27 vorbereiten sollte. Zumindest beim zweiten Punkt versprach die Gastgeberin, die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, im Sinne von Greenpeace: "Einen weiteren Aufschub und Kompromisse können wir uns als Welt insgesamt einfach nicht leisten." Und auch wenn Deutschland nun wegen der womöglich drohenden Energiekrise wieder Kohlekraftwerke hochfahre: "Wir werden keinen Zentimeter von unseren Klimazielen abweichen", sagte Baerbock zum Abschluss des Treffens. "Im Gegenteil: Wir werden noch schneller aus den Fossilen aussteigen." Deutschland stehe "felsenfest" zum Ziel, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein.

Weniger konkret wurde sie beim anderen großen Debattenthema, der Frage, wie man jenen Weltregionen hilft, welche die Klimaerwärmung am stärksten trifft. Das sprach dafür der zweite Gastgeber des Treffens an, der ägyptische Außenminister, der auch die Weltklimakonferenz im November leiten wird. "Wir müssen eine Lösung für Schäden und Verluste finden", verlangte Samih Schukri. Also für die Frage, wer für Schäden etwa von Dürren oder extremen Wetterereignissen aufkommt. "Mehr Geld" forderte Schukri schlicht.

Baerbock: Deutschland soll vorangehen

Diese Forderung wird bis zu und auf dem Weltklimagipfel von den Ländern des sogenannten globalen Südens vermutlich immer lauter erhoben werden. Von konkreten Zusagen beim "Petersberger Klimadialog" sprach Baerbock nicht und wies darauf hin, dass dieser ja keine der offiziellen Vorbereitungskonferenzen der COP27 sei. Gleichwohl präsentierte die Bundesregierung bei dem Treffen ein Konzept für einen Schutzschirm für Entwicklungsländer; er beinhaltet Regelungen für Frühwarn-Systeme in besonders anfälligen Ländern, Vorsorgepläne und schnelle Hilfen bei Katastrophen. Ansonsten versprach Baerbock, die in der Bundesregierung die Zuständigkeit für die globale Klimapolitik vom Umweltministerium übernommen hat, lediglich, dass Deutschland beim Umstieg auf erneuerbare Energien "als reiches Land vorangehen" wolle. Das sei die Zukunft, die "alte fossile Welt" hingegen gehe unaufhaltsam unter. "Jeder kann sich jetzt entscheiden, ob er bei dieser Welle des Fortschritts mitmacht oder ob er von ihr überrollt wird."

Zur SZ-Startseite

Petersberger Klimadialog
:Scholz warnt vor neuem Zeitalter der fossilen Energie

Der Krieg in der Ukraine dürfe nicht dazu führen, den Klimaschutz aus den Augen zu verlieren, betont der Bundeskanzler. Außenministerin Baerbock sagt, man habe die Konsequenzen des Nichthandelns bereits vor Augen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB