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Jugend und Corona:"Nicht verloren"

Erster Schultag in Bayern

"Ganz andere Zeitachse": Manche Kinder haben den Großteil ihrer Schulzeit während der Pandemie absolviert.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Auf den Jugendpolitiktagen versuchen Kanzlerin Merkel und Bundesministerin Giffey, der jungen Generation Mut zu machen. Passend dazu hat Kabinettskollege Spahn gute Nachrichten in Sachen Impfstoff.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Bevor es losgeht, gibt's erst mal Gymnastik. Arme hoch, einatmen, Oberkörper fallen lassen, ausatmen. Kann ja nicht schaden, ein paar Lockerungsübungen vor einer Diskussionsrunde zwischen Kanzlerin, Jugendministerin und mehreren Jugendlichen. Nach Monaten des Verzichts auf alles, was das Jungsein schön macht, könnte sich durchaus was angestaut haben. Um "die großen Herausforderungen unserer Zeit" soll es an diesem Freitagvormittag bei den Jugendpolitiktagen gehen, zunächst aber sind die Moderatoren noch beim Schulterkreisen. "Ich hoffe, ihr habt alle mitgemacht?"

So genau kann man das nicht wissen, denn die Jugendpolitiktage finden dieses Jahr pandemiebedingt nur online statt, ohne Publikum vor Ort. Auch Angela Merkel (CDU) wird später nur zugeschaltet aus dem Kanzleramt. Die Bundesjugendministerin allerdings ist live dabei. Ob Franziska Giffey (SPD) im Hintergrund mitgeturnt hat, ist nicht überliefert. Wer allerdings schon mal miterlebt hat, wie sie sich beim Besenstil-Turnen mit einer Seniorengruppe reinhängt, hält das zumindest nicht für ausgeschlossen.

Vermutlich dürften es die meisten Jugendlichen angemessen bis überfällig finden, dass die Kanzlerin und die zuständige Fachministerin sich bei ihnen mal direkt erkundigen, wie es ihnen so geht. Schließlich verlangt die Corona-Pandemie gerade den Kindern und Jugendlichen seit mehr als einem Jahr Enormes ab.

"Manche reden über eine verlorene Generation", sagt Giffey gleich zu Beginn. "Das sollten wir nicht tun." Sie betont, dass "die jungen Leute", sich hervorragend angepasst hätten, dass sie auch stolz sein könnten auf alles, was sie geschafft hätten. "Es ist wichtig, dass wir Erwachsene Zuversicht geben. Auch wenn viel verloren ist und nicht nachgeholt werden kann, ist die Generation nicht verloren." Und dann sei da ja noch der Impfstoff, der bald auch für Jüngere zugelassen werden solle. "Dann muss es sehr sehr schnell darum gehen, dass die junge Generation geimpft wird."

Die Jugendlichen bewegt nicht nur Corona

Zuständig dafür wäre Giffeys Kabinettskollege Jens Spahn (CDU). Und wie es der Zufall so will, spricht auch der, während bei den Jugendpolitiktagen gerade die Kanzlerin zugeschaltet wird, an diesem Freitagmorgen über die Jugend und übers Impfen. Falls das Biontech-Vakzin wie erwartet bald für alle ab zwölf zugelassen wird, sollen laut Spahn im Sommer alle Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot bekommen; im Impfzentrum, beim Kinderarzt oder sogar direkt in der Schule.

Im Gespräch mit den Jugendlichen erinnert Merkel zwar schon noch daran, dass auch in der Gruppe der über 70-Jährigen noch nicht alle geimpft seien. Doch auch sie sagt, dass gerade die Jungen eine hohe Mobilität hätten und einen berechtigten Anspruch, sicher zu sein. "Wir werden alles daransetzen, diese Gruppe nicht aus den Augen zu nehmen." Und dann will sie "schon noch mal Danke sagen". Das sei für junge Menschen "schon eine sehr schwere Zeit", und ein junger Mensch habe ja "eine ganz andere Zeitachse". Wer etwa in die dritte Klasse gehe, habe ein Schuljahr normal erlebt und zwei nicht.

Auch wenn die Pandemie der Fixpunkt der Debatte bleibt: In den Video-Wortmeldungen der Jugendlichen zeigt sich, dass Corona bei Weitem nicht das einzige Thema ist, das sie bewegt. Es geht ihnen um Diversität und Repräsentanz, um psychische Erkrankungen, um die Kopftuchdebatte, um das Verhältnis von Politik und Religion, ums Klima und, zumindest kurz, ums Flüchtlingslager Moria.

Und dann will eine junge Frau von der Kanzlerin noch wissen, wie sie es denn geschafft habe, in der Männerbranche Politik Fuß zu fassen. "Naja", sagt Merkel. "Wenn ich meinen Punkt hatte, habe ich mich schon bemerkbar gemacht, auf eine beständige Art." Das würden vermutlich nicht nur die Ministerpräsidenten bestätigen, die Merkels "beständige Art" in den vergangenen Monaten immer wieder erleben durften. Außerdem, fügt die Kanzlerin noch hinzu, sei sie ja "auch immer so was wie eine Quotenfrau" gewesen. "Ich war jung, war Frau und kam aus dem Osten. Das war Dreifachquote. Ich war gut verwendbar, sagen wir mal so."

© SZ/bepe
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