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Rechtsterrorismus in den USA:Weiß, männlich, hasserfüllt - und nicht allein

Demonstration von Rechtsextremisten in USA

Rechtsextreme demonstrieren im August 2017 in Charlottesville, USA. Ein Neonazi tötet bei dem Aufmarsch eine Gegendemonstrantin.

(Foto: Steve Helber/dpa)
  • In den USA wurden seit den islamistischen Anschlägen vom 11. September 2001 mehr Menschen Opfer rechtsextremistischer Morde als von jeder anderen Art politisch motivierter Gewalt.
  • Die Zunahme der rechten Gewalt korrespondiert mit zwei Ereignissen, die das Land grundlegend veränderten: Zum einen die Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen US-Präsidenten.
  • Zum anderen mit dem Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus. Seitdem schnellte die Zahl der hate crimes förmlich in die Höhe.

Die USA kennen das Phänomen schon länger. Ein Einzeltäter, mal mehr, mal weniger verwirrt, aber immer von weißer Hautfarbe und voll rassistischer Wut auf vermeintlich Fremde oder Fremdaussehende, schwer bewaffnet und hemmungslos. Erst im vergangenen August mähte ein solcher Mann 22 Menschen im texanischen El Paso nieder. In einem im Internet veröffentlichten Manifest schwadronierte er über eine "Invasion" Amerikas durch Immigranten, die es zu stoppen gelte. Tatsächlich kennen die USA noch ein weiteres Phänomen: Der Mann mag ein sogenannter lone wolf, ein Einzelgänger sein. Aber er ist nicht allein. Denn Taten wie diese werden mehr. Deutlich mehr.

In den Vereinigten Staaten wurden in der Zeit seit den islamistischen Anschlägen vom 11. September 2001 mehr Menschen Opfer rechtsextremistischer Morde als von jeder anderen Art politisch motivierter Gewalt. Allein 2018 (dem letzten Jahr, für das es bislang verlässliche Studien gibt) kamen 50 Menschen bei rechtsextremistisch motivierten Mordanschlägen ums Leben. Die allermeisten wurden von rechtsextremen, xenophoben Tätern verübt, schreibt die Anti-Defamation League, eine Bürgerrechtsorganisation. Im Jahr zuvor waren es sogar 65 Tote, auch sie meist Opfer derselben Tätergruppe.

Tatsächlich ist die Zahl bewaffneter Attacken durch rechtsextreme Täter im vergangenen Jahrzehnt in den USA kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2007 und 2011 zählten Forscher des Washingtoner Center for Strategic and International Studies höchstens fünf solcher Anschläge pro Jahr. Danach erhöhte sich die Zahl auf 13 oder 14 Attacken im Jahr. 2017 verdoppelte sie sich auf bereits 31. In den allermeisten Fällen, so die Studie, handelte es sich um Einzeltäter oder nur lose verabredete Tätergruppen. Und die meisten von ihnen waren, zumindest äußerlich, bis zur Tat nicht auffällig. Sie trugen weder Springerstiefel noch Glatzen und hielten sich mit Äußerungen zurück, die als eindeutig fremdenfeindlich oder rechtsextrem zu verstehen waren.

Umfrage: Rechte Extremisten fühlen sich durch Trump ermutigt

Die Zunahme der rechten Gewalt korrespondiert mit zwei Ereignissen, die das Land grundlegend veränderten. Es war im April 2009, als das Heimatschutzministerium erstmals vor einem Anstieg des gewaltbereiten Rechtsextremismus warnte. Den hatte es in den USA immer gegeben. Doch jetzt hatte er neuen Auftrieb gewonnen nach der Wahl Barack Obamas, des ersten schwarzen US-Präsidenten. Die Zahl der Gewalttaten rechtsextremistischer weißer Einzelgänger nahm, von der Öffentlichkeit kaum beachtet, erkennbar zu.

Förmlich in die Höhe aber schnellten sie nach dem Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus. Die Zahl sogenannter hate crimes, also Straftaten aus rassistischen, antisemitischen, ausländerfeindlichen oder sexistischen Motiven, nahm 2017, in Trumps erstem Amtsjahr, um 17 Prozent zu. Nach einem Zwischenfall in Charlottesville in Virginia, bei dem ein Neonazi in jenem Jahr eine Gegendemonstrantin getötet hatte, sagte der Präsident lapidar, dass Gewalt schließlich von beiden Seiten ausgegangen sei.

Eine Mehrheit der Amerikaner glaubt, so das Ergebnis einer Umfrage des angesehenen Public Religion Research Institute, dass sich rechte Extremisten durch Trump ermutigt fühlen. Tatsächlich hat die Regierung das Geld für Programme zusammengestrichen, mit denen die politische Gewalt in Amerika bekämpft werden sollte.

© SZ vom 21.02.2020/dayk
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