Guttenberg stellt Bundeswehr-Buch vor:"Ich spreche seit geraumer Zeit von Krieg"

Das Buch passt sogar ganz gut in Guttenbergs Konzept, sich als Aufklärer und Frischen-Wind-Bringer im Verteidigungsministerium zu präsentieren. "Ob die Politik von Krieg spricht, weiß ich nicht", sagt er und betont dabei das Wort "die" besonders. "Aber ich spreche seit geraumer Zeit von Krieg." Das klingt, als wolle er Entschlossenheit demonstrieren. Allerdings haben ihm wohl Juristen geraten, den Airbag immer mit zu formulieren. Aus juristischer Sicht nämlich könne von Krieg nicht gesprochen werden, erklärt Guttenberg in einem Nebensatz.

Buchvorstellung mit Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg stellt im Café Einstein Unter den Linden ein Buch vor, das nicht gerade dazu dienen soll, das Ansehen der Politik und der Bundeswehr zu mehren.

(Foto: dpa)

Er wolle eine harte und ehrliche Debatte um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, sagt er, während sein blütenweißes Hemd unter dem sommerlich hellen Sakko zunehmend dunkle Flecken bekommt. Das Schöne an so einer Debatte ist: Mit der Heimlichtuerei und den Vertuschungsaktivitäten werden nur seine Vorgänger in Verbindung gebracht. Sein Hemd bleibt weiß.

Das Buch soll ja sogar helfen, die Akzeptanz der Truppe in der Bevölkerung zu stärken. Auch das wäre ganz nach Guttenbergs Geschmack. Die Autoren sagen selbst, dass das Buch in gewisser Weise den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz gewidmet sei. Sie bemängeln die fehlende Unterstützung der Soldaten in Politik und in der Öffentlichkeit. Keine "Support-our-Troops"-Aufkleber, kein öffentlicher Dank für den geleisteten Dienst, kein spontaner Beifall, wenn am Bahnhof ein Trupp Soldaten auftaucht.

In ihrem Buch bezeichnen die Autoren die Deutschen wegen ihrer Distanz zu den Soldaten als "nicht kriegsfähig". Irgendwie scheint es, als würden sie das bedauerlich finden.

Guttenberg kann das alles nur recht sein. Er kommt als ehrlicher Makler der Soldaten rüber, als einer, der sein Ohr am Soldaten hat. Dabei hat der Verehrungsgrad für den Verteidigungsminister in der Truppe ohnehin schon sektenhafte Ausmaße angenommen. Und im Volk ist er längst beliebter als die Kanzlerin.

Er scheint mehr zu wollen. Das Amt des Bundeskanzlers vielleicht? Guttenberg hat das bereits dementiert; die Nachfolgefrage stelle sich nicht. Allerdings stellt sich die Frage, warum er auf Fragen antwortet, die sich nicht stellen. Guttenberg, der nach der Buchpräsentation zurück ins Ministerium radelt, wird wissen warum.

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