Geschichte - Nordhausen:Gedenkstättenleiter befürchtet Nachahmungstat in Nordhausen

Lesezeit: 1 min

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Nordhausen/Weimar (dpa/th) - Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sieht in einem weiteren abgesägten Gedenkbaum für KZ-Opfer einen Angriff auf die deutsche Erinnerungskultur. "Ich glaube nicht, dass das einfacher Vandalismus war", sagte Wagner am Montag auf Anfrage. Am Sonntag war im Gedenkhain für die Opfer des Naziterrors im Konzentrationslager Mittelbau-Dora in Nordhausen entdeckt worden, dass eine der dort gepflanzten Birken abgesägt wurde.

Vor einigen Tagen waren bereits Erinnungsbäume an KZ-Opfer in Buchenwald bei Weimar abgesägt worden. Das hatte bundesweit für Entrüstung gesorgt.

"Einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten sehe ich", sagte Wagner. Er befürchte eine mögliche Nachahmungstat. An den Bäumen in Nordhausen und Buchenwald ständen Gedenktafeln mit Informationen zu den Häftlingen, an die erinnert werde. "Wer diese Bäume absägt, weiß, was er tut."

Im Kurznachrichtendienst Twitter verwies Wagner auf weitere Vorfälle mit mutmaßlich rechtsextremem Hintergrund in den vergangenen Tagen in Thüringen. In seinem Tweet heißt es, "die Lehrerin einer Schule bei #Weimar schickt mir Fotos von Hakenkreuzen, die Jugendliche im Schulgarten hinterlassen haben, und die Tochter fotografiert #Nazi-Tattoo im Arzt-Wartezimmer". Er habe in diesen Fällen Anzeige erstattet. "So etwas passiert, wenn Menschen wegschauen", sagte der Gedenkstättenleiter zu den Beispielen, die auf Fotos festgehalten waren.

Im Gedenkhain für die KZ-Opfer in Mittelbau-Dora wurden 2011 insgesamt 53 Birken gepflanzt, um die Erinnerung an die Häftlinge wach zu halten. Das 1943 von den Nationalsozialisten eingerichtete KZ Mittelbau-Dora war berüchtigt für die Zwangsarbeit in Stollenanlagen, in denen die Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Raketen und andere Rüstungsgüter herstellen mussten. Jeder dritte der rund 60 000 Häftlinge überlebte das nicht.

Erst vor wenigen Tagen waren an der Gedenkstätte des KZ Buchenwald in Weimar sieben Erinnerungsbäume für KZ-Opfer von Unbekannten abgesägt worden. Kurz darauf waren bei Schöndorf, einem nahe dem Lager gelegenen Ortsteil von Weimar, zwei Bäume umgeknickt und bei drei weiteren Rindenteile entfernt worden.

© dpa-infocom, dpa:220808-99-318319/2

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB