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Flug MH17:Wer ist schuld am Absturz von Flug MH17?

FROM THE FILES - FLIGHT MH17

Ein Wrackteil des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 in der Nähe von Hrabowe (Grabowo).

(Foto: REUTERS)

Im Juli 2014 kamen bei dem Unglück über der Ostukraine 298 Menschen ums Leben. Doch wer ist dafür verantwortlich? Niederländische Staatsanwälte präsentieren am Mittwoch ihre Ergebnisse. Was bislang über den Fall bekannt ist.

Am 17. Juli 2014 stürzt im Osten der Ukraine in der Nähe des Ortes Hrabowe (Grabowo) Flug MH17 von Malaysia Airlines ab. Alle 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder der Boeing 777 sterben. Das Flugzeug war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Die Reise-Route führte über umkämpftes Gebiet.

Wer sind die Opfer?

Bei dem Absturz starben vor allem Niederländer, nämlich 196, unter ihnen auch Wissenschaftler, die auf dem Weg zur Welt-Aids-Konferenz in Melbourne waren. Alle Besatzungsmitglieder kamen aus Malaysia. Die anderen Passagiere stammten aus Australien, Malaysia, Indonesien, Großbritannien, Belgien, Deutschland, den Philippinen, Kanada und Neuseeland (aufgrund mehrerer Doppelstaatler widersprechen sich hier die Statistiken).

Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich äußerst schwierig. Sterbliche Überreste der Passagiere fanden sich - wie auch die Trümmer des Flugzeugs - verstreut auf einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern. Sie wurden nach und nach geborgen und in Särgen in die Niederlande gebracht. Bis Ende Juni 2015 waren fast alle Opfer identifiziert - über Leichenteile, zum Teil auch nur über kleinste Knochenfragmente. Von zwei Passagieren fanden sich gar keine sterblichen Überreste.

Das Unglück löste vor allem in den Niederlanden große Betroffenheit aus. Wenige Tage nach dem Absturz hielt das Land erstmals seit 60 Jahren einen Volkstrauertag ab.

Wer untersucht offiziell den Absturz?

Da die meisten Todesopfer aus den Niederlanden stammen, wurde das Land von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation damit beauftragt, die Untersuchungen zu leiten. Beteiligt sind aber auch Experten aus der Ukraine, den USA, Großbritannien, Malaysia, Russland und Australien. Die Ukraine kam für die Leitung aufgrund des Krieges im Osten des Landes nicht infrage.

Zwei Teams kümmern sich vornehmlich um die Aufarbeitung des mutmaßlichen Abschusses. Der Onderzoeksraad voor Veiligheid (deutsch: Untersuchungsrat für Sicherheit, englisch: Dutch Safety Board) untersucht die Gründe für den Absturz der Maschine. Außerdem zieht es daraus Schlüsse für die Flugsicherheit, vor allem was das Überfliegen umkämpfter Gebiete angeht. Das Team besteht aus Flugunfallexperten aus den Niederlanden, Malaysia, der Ukraine, den USA, Großbritannien, Australien und Russland.

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In der Schuldfrage ermittelt hingegen ein internationales Ermittler-Team unter der Leitung des niederländischen Staatsanwalts Franz Westerbeke. Seinen Bericht will das Team am Mittwoch, den 28. September 2016 vorstellen. Außerdem sind Malaysia, Australien, Belgien und die Ukraine sowie die EU-Justizbehörde Eurojust an der Suche nach den Verantwortlichen für den Absturz beteiligt

Auch ein UN-Tribunal zu dem Fall sollte es ursprünglich geben. Australien, Malaysia und die Niederlande hatten ein solches Tribunal gefordert. Dies scheiterte jedoch am Einspruch Russlands.

Was ergab der Bericht der Untersuchungsbehörde?

Die niederländischen Ermittler gaben im Oktober 2015 einen offiziellen Bericht heraus. Demzufolge wurde Flug MH17 von einer Buk-Rakete abgeschossen, eine ursprünglich in der Sowjetunion entwickelte Flugabwehr-Waffe, die heute sowohl von russischen als auch von ukrainischen Streitkräften verwendet wird. Die Rakete soll in unmittelbarer Nähe zum Cockpit detoniert sein, das daraufhin vom Rest der Maschine wegbrach. Die Ermittler hatten dies aus gefundenen Wrackteilen rekonstruiert. Die sich im Cockpit befindliche dreiköpfige Flug-Besatzung war sofort tot, heißt es in dem Bericht. Zu dem Bericht gibt es außerdem ein animiertes Video, das den vom Untersuchungsrat angenommenen Ablauf des Abschusses zeigt.

Die Passagiere und anderen Crew-Mitglieder verloren vermutlich schnell das Bewusstsein. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Passagiere während des eineinhalb Minuten dauernden Absturzes für einige Zeit bei Bewusstsein blieben", heißt es im Bericht. Es sei jedoch höchst unwahrscheinlich, dass sie verstanden, was passierte. Es gebe keine Anzeichen für bewusste Handlungen, etwa unabgeschickte Nachrichten auf Mobiltelefonen.

Von wo aus genau die Rakete abgeschossen wurde, das kann der Bericht nicht klären. Die Ermittler grenzen den möglichen Abschussort aber auf eine Fläche von 320 Quadratkilometern ein, ein Gebiet, das zum Zeitpunkt der Katastrophe in der Hand prorussischer Rebellen gewesen sein soll. Eine klare Schuldzuweisung trifft die Untersuchungsbehörde nicht. Dies wäre nun die Aufgabe der niederländischen Staatsanwälte.