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Chancengleichheit in der Politik:Was Finnland vielen Staaten voraushat

In Helsinki haben nun politisch vor allem Frauen das Sagen.

(Foto: Vesa Moilanen/AFP)

In Finnland dominieren nun Frauen die Politik. Das ist längst nicht selbstverständlich - erst recht nicht in Deutschland, wie diese Grafiken zeigen.

In Helsinki haben nun politisch vor allem Frauen das Sagen: Das finnische Parlament hat Sanna Marin zur neuen Ministerpräsidentin gewählt. Die 34-Jährige Sozialdemokratin wird eine Fünf-Parteien-Koalition leiten, die dem Mitte-links-Spektrum zuzuordnen ist. Die vier anderen Koalitionsparteien werden von Frauen angeführt - und das ist heutzutage noch so ungewöhnlich, dass es erwähnt werden muss. Denn immer noch sind Frauen in der Politik unterrepräsentiert - weltweit, aber auch in Europa.

Obwohl Deutschland als eines von wenigen Ländern seit langer Zeit von einer Frau regiert wird, kann sich die Bundesrepublik von Finnland so manche Scheibe abschneiden in Sachen Gleichstellung: Im Oktober 2019 betrug der Frauenanteil im deutschen Bundestag nur knapp 31 Prozent. Deutschland liegt mit diesem Wert weltweit auf dem 44. Platz von 188 Ländern. Finnland hingegen liegt auf Platz 8.

Weltweit sind in lediglich drei Ländern die Hälfte oder mehr als die Hälfte der Abgeordneten Frauen. Auf Platz eins bis drei liegen Ruanda, Kuba und Bolivien. Europäische Länder sucht man da mit der Lupe. Auf den unteren Rängen finden sich viele afrikanische und muslimisch geprägte Länder, aber beispielsweise auch Japan, dort beträgt der Frauenanteil im Parlament gerade einmal um die zehn Prozent.

Bei Kabinettsposten sieht es in Deutschland dagegen etwas besser aus. Sechs von 15 Ministerposten sind mit Frauen besetzt, das ergibt eine Quote von 40 Prozent. Deutschland teilt sich mit Island und Liechtenstein im weltweiten Vergleich Platz 15. Kein Vergleich jedoch zu Finnland. Bevor Sanna Marin das Zepter in die Hand nahm, waren sechs von 16 Ministerposten mit Frauen besetzt. Im neuen Kabinett Marin werden von 18 Ministerien elf mit Frauen an der Spitze besetzt, das entspricht einem Anteil von 63,6 Prozent. Damit arbeitet sich Finnland auf einen Schlag auf Platz zwei in der Welt hoch. Nur Spanien steht derzeit noch fortschrittlicher da als Finnland.

Mit der neuen finnischen Regierung kommen nur zehn Länder der Welt überhaupt auf einen Frauenanteil von 50 oder mehr Prozent in den Kabinetten. Über die Zahl der Menschen in der Politik , die nicht ins traditionelle Geschlechterbild eingeordnet werden, gibt es keine Daten.

Dass so wenige Frauen mitgestalten, weist auf fehlende Chancengleichheit hin - auch und gerade in Ländern, deren Gesellschaften als progressiv gelten. Richtet man noch einmal den Blick nach Finnland, fällt etwas auf: Das Land ist nicht nur im Bereich der politischen Partizipation von Frauen führend, sondern auch, was deren Repräsentation auf dem Arbeitsmarkt angeht. Die Weltbank etwa liefert Zahlen zum Anteil weiblicher Erwerbstätiger: Weltweit liegt hier der Durchschnitt bei 39 Prozent, in der Europäischen Union bei 46 Prozent. In Finnland liegt der Anteil weiblicher Erwerbstätiger bei 48 Prozent. Deutschland liegt mit 46,5 Prozent knapp über dem EU-Durchschnitt.

Wichtig ist es hier allerdings, sich anzuschauen, welcher Art von Erwerbstätigkeit die Frauen nachgehen. So ist der Anteil erwerbstätiger Frauen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zwar stark angestiegen. Viele dieser Frauen, die nun auf dem Arbeitsmarkt tätig sind, arbeiten jedoch in schlecht bezahlten Bereichen und/oder in Teilzeit. In Finnland arbeiten hingegen relativ viele Frauen in leitenden Positionen, nämlich mehr als 35 Prozent: Die gläserne Decke zeigt also nicht nur in der Politik Sprünge.

© SZ.de/gal
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