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Finnland:Im Norden sind die Frauen an der Macht

In Island führt Katrín Jakobsdóttir die Regierung an. In Dänemark Mette Frederiksen. Neuerdings Sanna Marin in Finnland und Erna Solberg in Norwegen.

(Foto: Getty, Reuters, AFP, Reuters)

Eine 34-Jährige als Premierministerin - das ist kein Zufall. Skandinavien steht in Sachen Gleichberechtigung viel besser da als der Rest Europas.

Finnland hat vom heutigen Dienstag an die jüngste Premierministerin der Welt, die 34-jährige Sanna Marin. Die Sozialdemokratin ist nun Chefin einer Koalition aus fünf Parteien, die alle von Frauen geführt werden, vier davon jünger als 35.

In Island führt Katrín Jakobsdóttir die Regierung an. In Dänemark Mette Frederiksen. In Norwegen Erna Solberg. Und Schweden ist stolz darauf, schon seit ein paar Jahren die weltweit einzige Regierung zu haben, die sich offiziell "feministisch" nennt. Ironischerweise sind ausgerechnet die auf ihren Feminismus so stolzen Schweden die einzigen unter den nordischen Staaten, in denen der Regierungschef noch immer Stefan heißt. (Und seine Herausforderer Ulf und Jimmie.) Ansonsten gilt: Im Norden sind die Frauen an der Macht.

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Ein Zufall ist das nicht. Sanna Marin stammt aus einer Arbeiterfamilie, sie selbst sagt, sie verdanke dem Wohlfahrtsstaat ihre Karriere: Finnlands soziales Netz sorgte dafür, dass sie, obwohl Tochter einer lange alleinerziehenden und mittellosen Mutter, gute Schulen mit motivierenden Lehrern besuchen konnte. Das Rezept ist in allen nordischen Staaten ähnlich: Sie haben die Kinderbetreuung stark subventioniert, schon früh lange Elternzeiten eingeführt, und es gilt als selbstverständlich, dass Frauen genauso am Arbeitsmarkt teilhaben wie Männer. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Ziel, das in Gesellschaft, Politik und Gesetzgebung höhere Priorität genießt als anderswo. Finnland war weltweit das zweite Land, in dem es allen Frauen offiziell erlaubt wurde zu wählen, und 1906 wurde es das erste Land, in dem Frauen die vollen politischen Rechte erhielten. Im letzten globalen "Gender Gap"-Bericht des Weltwirtschaftsforums, der die Gleichstellung der Frauen analysiert, steht Finnland auf Platz vier. Die ersten drei Plätze gingen an: Island, Norwegen und Schweden.

Wahrscheinlich ist es also auch kein Zufall, dass die meisten der mächtigen Frauen in diesen Ländern politisch eher links stehen und den Wohlfahrtsstaat verteidigen. Ein Muss ist es nicht: Was Finnland nun geschafft hat - eine Koalition mit ausschließlich Frauen an der Spitze -, hat Norwegen längst vorgemacht: In Oslo regiert Erna Solberg schon seit Anfang des Jahres mit drei Parteiführerinnen als Regierungspartnerinnen - und macht dort eine rechtsliberale Politik.

So erfolgreich die Frauen in Politik und Verwaltung sind, so schlecht allerdings sind die Zahlen noch immer in der Privatwirtschaft. Eine Studie von 2018 fand heraus, dass in Dänemark gerade mal ein Viertel der Managementpositionen mit Frauen besetzt ist, in Finnland und Schweden sind es wenig mehr, bei Spitzenreiter Island 40 Prozent. Und auch im Norden verdienen die Frauen noch immer weniger als die Männer; die Kluft bei den Gehältern liegt nur knapp unterm EU-Durchschnitt. Am Ziel sind die Frauen also auch im Norden noch lange nicht. Aber schon ein ganzes Stück weiter als der Rest Europas.

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