FDP-Generalsekretär Lindner tritt zurück:"Wenn einer die Zukunft ist, dann Lindner"

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In seiner Erklärung vor der Presse bleibt Lindner eine Erklärung schuldig. Er sagt jedoch, die Ereignisse "der letzten Tage und Wochen" hätten ihn bestärkt. Das entscheidende Thema war für die Liberalen in diesem Zeitraum der Mitgliederentscheid zur Euro-Rettung. Aus der Partei wurde Kritik an Lindner laut, er habe die Auswirkungen der Abstimmung unterschätzt. Erst als der Entscheid nicht mehr zu verhindern war, reagierte die Parteispitze und veränderte die Tonlage gegenüber den Initiatoren.

Christian Lindner

Abgang eines Hoffnungsträgers: Christian Lindner ist nicht länger Generalsekretär der FDP.

(Foto: AP)

Lindner begegnete dem Euro-Skeptiker Frank Schäffler in Diskussionen über die künftige Europapolitik. Jedoch hieß es bald, der Generalsekretär tue nicht genug für die Mobilisierung der Partei. Als Parteichef Rösler andeutete, dass Schäffler das nötige Quorum für einen gültigen Entscheid verpassen würde, kommentierte Lindner das angebliche Scheitern süffisant.

Protest gegen "unfaire" Methoden

Er spöttelte, wenn die Hürde von einem Drittel der Parteimitglieder nicht erreicht werden würde, sähen viele FDP-Mitglieder "offenbar gar keinen Veränderungsbedarf an unserem europapolitischen Kurs". Offenbar sei der Euro-Rettungsschirm für weniger FDP-Mitglieder ein Aufreger, als Schäffler gedacht habe. Einer der Initiatoren des Entscheids, der Euro-Skeptiker Burkhard Hirsch, beklagte daraufhin die "unfairen" Methoden der Parteispitze und regte an, den Entscheid juristisch prüfen zu lassen.

Ob Lindner das zum Anlass nahm, von seinem Amt zurückzutreten? Womöglich sah der Generalsekretär einfach keine Chance mehr, seiner Partei aus der Krise zu helfen. Zuletzt gab es Gerüchte, wonach der wirtschaftsliberale Flügel der Partei Rainer Brüderle zum neuen Parteichef machen würde. Lindner wird eher dem sozialliberalen Flügel der Partei zugerechnet. In Interviews musste er Röslers Entscheidung rechtfertigen, Brüderle beim Dreikönigstreffen der Partei im Januar nicht reden zu lassen.

"Ich bedauere das menschlich und politisch"

Wie schwer der Verlust Lindners die Partei treffen dürfte, zeigen erste Reaktionen. Während Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, von einem "Bauernopfer" spricht, äußern zahlreiche Politiker der Union bei Twitter ihr Bedauern über den Rücktritt. "Ich habe den Eindruck, da ist der Falsche zurückgetreten. Wenn einer die Zukunft der FDP ist, dann Lindner", schreibt Thomas Jarzombek, ein CDU-Abgeordneter aus Düsseldorf.

Auch bei den Liberalen herrscht Trauer und Enttäuschung. "Ich bedaure diesen Schritt menschlich und politisch", wird Gesundheitsminister Bahr zitiert. Der Altliberale Gerhart Baum fordert eine Neuwahl der gesamten FDP-Spitze. "Ich bin wirklich betrübt, dass einer der wichtigsten Hoffnungsträger in der Führung der FDP resigniert", sagte der frühere Innenminister. Er werte Lindners Schritt auch als Misstrauensvotum gegen Parteichef Philipp Rösler. Selbst der Euro-Skeptiker Hirsch sagt, er halte die "Entscheidung für nicht richtig." Er "wünsche und hoffe", dass Lindner der Partei weiter zur Verfügung stehe.

Lindner trägt nur seine Erklärung vor, weitere Aussagen trifft er nicht. Um 11:04 sagt der Ex-Generalsekretär "Auf Wiedersehen" und verlässt die Bühne.

Linktipp: Die Abschiedserklärung von Christian Lindner im Wortlaut - auf der Webseite des FDP-Politikers.

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