Fakten über VatikanstaatOh mein Gott, was für ein Staat

Sein Wort ist Gesetz, eine Opposition gibt es nicht: Benedikt XVI. vertritt mehr als eine Milliarde Katholiken - und er ist Oberhaupt der Vatikanstadt. Ein Porträt des kleinsten Staats der Welt, dessen Bürger allesamt Katholiken sind und in dem bis 2008 Drogenhandel nicht verboten war.

Sein Wort ist Gesetz, eine Opposition gibt es nicht: Benedikt XVI. vertritt mehr als eine Milliarde Katholiken - und er ist Oberhaupt der Vatikanstadt. Ein Porträt des kleinsten Staats der Welt, dessen Bürger allesamt Katholiken sind und in dem bis 2008 Drogenhandel nicht verboten war.

Vatikanstadt und der Heilige Stuhl

Es schwingt ein gewisser Stolz mit, wenn sich der "Staat der Vatikanstadt" auf seiner Website als "kleinster unabhängiger Staat auf der Welt" präsentiert. Nur etwa 750 Personen leben auf 44 Hektar Fläche im Herzen Roms. Die Grenzen sind genau definiert: Sie "werden von den Mauern festgesetzt und auf dem Petersplatz von dem Travertinsteinband, das die zwei Flügel der Kolonnade verbindet."

Der Vatikanstaat entstand durch einen Lateranvertrag, den der Heilige Stuhl und Italien am 11. Februar 1929 unterschrieben. Bis 1870 erstreckte sich der Kirchenstaat quer durch Mittelitalien bis nach Ravenna. Dem deutschen Auswärtigen Amt zufolge besteht der Zweck des Vatikanstaates darin, "die Unabhängigkeit und Souveränität des Heiligen Stuhles sichtbar zu machen und im internationalen Bereich zu gewährleisten". Das Konkordat von 1929, das Mussolini unterzeichnete, ist auch deswegen wichtig, weil es das Verhältnis der Vatikanstadt (Stato della Città del Vaticano) zum Heiligen Stuhl (santa sede) regelt.

Unter dem Heiligen Stuhl versteht man den Papst sowie die Kurie, also das Kirchenoberhaupt mitsamt der Verwaltungs- und Leitungsebene. Der Heilige Stuhl hat seinen physischen Sitz in der Vatikanstadt, aber geht nicht in diesem Staat auf. Die Botschafter aus aller Welt sind folglich beim Heiligen Stuhl akkreditiert und nicht im Staat Vatikanstadt.

Alexander Smoltczyk, der ein erhellendes Buch über "Vatikanistan" geschrieben hat, bringt das Verhältnis auf den Punkt: "Der Heilige Stuhl, als Leitung der römisch-katholischen Kirche, ist ein souveränes, nicht staatliches Völkerrechtssubjekt, im Gegensatz zum Staat Vatikanstadt, obwohl der über Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt verfügt."

Doch eines haben beide gemeinsam: An der Spitze steht mit dem Papst der gleiche Mann.

Bild: dpa 22. September 2011, 16:532011-09-22 16:53:07 © sueddeutsche.de/mit Material von dpa/mcs