Vatikan:Zwei neue Erzbischöfe für Paderborn und Bamberg

Vatikan: Udo Bentz, seit 2015 Weihbischof in Mainz, leitet künftig das große westfälische Erzbistum Paderborn mit 1,4 Millionen Katholiken.

Udo Bentz, seit 2015 Weihbischof in Mainz, leitet künftig das große westfälische Erzbistum Paderborn mit 1,4 Millionen Katholiken.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Für die deutsche katholische Kirche sind die jüngsten Ernennungen eine gute Nachricht. Aber das Ringen mit Rom um den richtigen Weg ist trotzdem noch nicht entschieden.

Von Marc Beise, Vatikanstadt

In der deutschen katholischen Kirche, die wie kaum eine andere Gemeinschaft mit der Zentrale im Vatikan um den richtigen Weg in die Zukunft ringt, war schon seit einigen Tagen vermutet worden, dass die Besetzung der vakanten Stelle des Erzbischofs von Paderborn nun unmittelbar bevorstehe. Dass zeitgleich am Samstag auch in Bamberg nachbesetzt wurde, kam für viele dann doch überraschend. Zwei Entscheidungen für ein Land an einem Tag, das ist auch im Vatikan eher selten.

Der Auswahlprozess für beide wichtige Positionen hat sich lange hingezogen. Manch einer sah darin schon eine Strafe für die Reformfreudigkeit der Deutschen. Die sollte sogar soweit gehen, dass in Paderborn nicht nur das Domkapitel, sondern auch Laien den neuen Erzbischof aus jener Liste von drei Namen wählen sollten, die der Papst den Domherren zur Auswahl vorlegt. Doch dies wurde durch ein Veto aus Rom verhindert. In Bamberg dagegen hat Franziskus nahezu freie Hand.

Beide sind nicht gerade glühende Vorkämpfer für den Synodalen Weg

Das Kirchenvolk kann sich dann sortieren und sich dazu eine Meinung bilden. Die erste Reaktion ist: vorsichtiger Optimismus. Beide neuen Erzbischöfe haben in Deutschland einen guten Ruf, sie sind erfahren und moderationsfähig. Udo Bentz, seit 2015 Weihbischof in Mainz, leitet künftig das große westfälische Erzbistum Paderborn mit 1,4 Millionen Katholiken. Herwig Gössl, der bisher schon übergangsweise die Geschäfte in Bamberg geführt hat, ist dort seit 2014 Weihbischof für die 600 000 Katholiken. Beide sind mit 56 Jahren vergleichsweise jung und können die Kirche auf einige Jahrzehnte mitprägen. Von den zwischenzeitlich vier offenen Bischofsstühlen sind damit nur noch zwei unbesetzt: Osnabrück und Stuttgart.

Beide Neue sind nicht gerade als glühende Vorkämpfer für den deutschen Synodalen Weg hervorgetreten, der sehr viel mehr Offenheit bei kritischen Themen wie der Rolle der Frauen in der Kirche und unterschiedlicher sexueller Orientierung fordert und vor allem eine größere Mitsprache des Kirchenvolks zulasten der Hierarchen vorsieht, als man sich das im Vatikan vorzustellen vermag. Aber sie sind auch keine Gegner der deutschen Reformbewegung und haben in bisherigen Äußerungen zu erkennen gegeben, dass sie Veränderungen grundsätzlich für notwendig halten.

Namentlich Gössl macht aus seiner konservativen Grundhaltung kein Geheimnis, er war bei den Debatten um den Synodalen Weg das ein oder andere Mal auf der Seite der Minderheit zu finden. Er hätte aber in den vergangenen Monaten, als er interimistisch das Zepter in Bamberg in Händen hielt, manches aufhalten können, sagen Vertreter des Reformlagers - was er nicht getan habe. Gössl selbst bekennt, er habe im Laufe der Debatten dazugelernt und persönlich eine Entwicklung durchgemacht.

Der deutsche Weg hat nicht nur im Vatikan Gegner

Ähnlich äußert sich Bentz. Auf eine Frage am Samstag, ob er als Paderborner Erzbischof beim Gremium des Synodalen Ausschusses mitmachen werde, sagte er laut der Katholischen Nachrichtenagentur KNA, das wolle er mit der übrigen Bistumsleitung beraten und klären. Schließlich vertrete er dort das ganze Erzbistum. Synodalität müsse auf verschiedene Weise gelebt werden. Allerdings brauche die Kirche bei aller Unterschiedlichkeit auch gemeinsame Wege. Maßstab sei es, den christlichen Glauben im jeweiligen Umfeld überzeugend zu leben. Was Bentz mit Papst Franziskus verbindet, ist seine Wertschätzung für Ignatius von Loyola. Der Gründer des Jesuitenordens sei seine geistliche Heimat, so Bentz im Paderborner Dom. Eine Leitfrage der Kirche sei heute: "Was muss ich lassen, um mehr und besser dem Evangelium zu dienen?"

Bentz ist der erste auswärtige Bischof seit gut 132 Jahren in Paderborn. Mit einem Video stellte er sich seinen neuen Gläubigen in Westfalen mit den Worten vor: "Ich komme aus der Pfalz", und sein Zungenschlag belegte das. Die Zusammenarbeit sei, räumte er ein, auch eine Frage von Mentalitäten. Als Pfälzer sei er aber zuversichtlich, dass er das hinbekomme.

Als Leiter von Erzbistümern bekleiden Bentz und Gössl künftig wichtige Posten in der Deutschen Bischofskonferenz, die über den weiteren Reformprozess notorisch zerstritten ist. Sie könnten dort in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Die deutschen Vertreter mit dem Vorsitzenden Bischof Georg Bätzing aus Limburg an der Spitze sind zwar im Oktober verhalten optimistisch von der ersten Runde der Weltsynode aus Rom zurückgekommen, sie haben aber auch erlebt, dass der deutsche Weg in der Weltkirche und im Vatikan entschiedene Gegner hat.

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