Religion:EKD-Synode wegen Bahnstreik abgebrochen

Religion: Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus auf der am Mittwoch zu Ende gegangenen evangelischen Synode in Ulm.

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus auf der am Mittwoch zu Ende gegangenen evangelischen Synode in Ulm.

(Foto: Stefan Puchner/DPA)

Die evangelische Kirche debattiert über das schwindende Interesse am christlichen Glauben - und muss ihre Synode vorzeitig beenden.

Als hätte noch einmal gezeigt werden sollen, wie schwer es die evangelischen Christen in dieser Welt haben, ist die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Ulm am Mittwoch vorzeitig abgebrochen worden. Der Grund dafür war höhere Gewalt: Wegen des bevorstehenden Warnstreiks bei der Deutschen Bahn, der viele Delegierte zur früheren Abreise zwang, stand die Beschlussfähigkeit des Kirchenparlaments infrage. Da aber über den Haushalt der EKD, über Kirchengesetze und Anträge rechtssicher abgestimmt werden muss, wurde beschlossen, die Tagung der Synode in den "kommenden Wochen zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt digital fortzusetzen".

Die Religiosität sinkt, sagt eine Studie

In den vergangenen Tagen hatte die Synode, die 19,2 Millionen evangelische Christinnen und Christen in Deutschland vertritt, über organisatorische und politische Fragen beraten. Nicht zuletzt beschäftigte man sich mit der Vermittlung der Glaubensinhalte unter schwierigeren gesellschaftlichen Bedingungen. Denn auf der Synode wurde auch eine umfassende ökumenische Studie zur Kirchenmitgliedschaft vorgestellt, die ein Schwinden nicht nur der kirchlichen Bindungen in Deutschland, sondern der Religiosität überhaupt festgestellt hat. Beide christlichen Konfessionen leiden unter Austritten und Mitgliederschwund, schon im kommenden Jahr könnte der Anteil von Kirchenmitgliedern an der Bevölkerung unter fünfzig Prozent sinken.

Neben Debatten darüber, wie man mit Neuanfängen und Verjüngungen dem Desinteresse an der Kirche abhelfen könnte, stand auch die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen auf dem Programm. Dazu soll Anfang des kommenden Jahres eine große Studie vorliegen. Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus beteuerte, von einem länger zurückliegenden Missbrauchsfall in Siegen, wo sie einst Pfarrerin war, erst in diesem Jahr erfahren zu haben. Die Synode verurteilte außerdem einhellig Antisemitismus, stritt aber über die Beurteilung des Krieges im Gazastreifen.

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