Drohnenangriff USA zahlen eine Million Dollar an Familie von Drohnenopfer

Der italienische Entwicklungshelfer Giovanni Lo Porto, hier auf einem Foto der Welthungerhilfe. Er verschwand 2012 in Pakistan. Er wurde 37 Jahre alt.

(Foto: AP)

Der italienische Entwicklungshelfer Giovanni Lo Porto war als Geisel auf einem Al-Qaida-Stützpunkt in Pakistan gehalten worden, als das Gelände bombardiert wurde. Er starb versehentlich.

Bei Luftangriffen und Drohnenattacken sind seit der Präsidentschaft von Barack Obama zwischen 64 und 116 Zivilisten ums Leben gekommen. Das hat die US-Regierung in einem Bericht im Juli veröffentlicht. Für eines der Opfer sollen die Vereinigten Staaten nun etwas mehr als eine Million Dollar Entschädigung gezahlt haben.

Wie der britische Guardian und die italienische Zeitung La Repubblica aus Dokumenten der US-Botschaft in Rom erfahren haben, geht es um eine Zahlung an die Familie von Giovanni Lo Porto. Der 37-jährige Mitarbeiter der Welthungerhilfe war gemeinsam mit dem US-Amerikaner Warren Weinstein auf einem Stützpunkt des Terrorornetzwerks al-Qaida an der afghanisch-pakistanischen Grenze als Geisel gehalten worden. Bei einem Drohnenangriff, ausgeführt durch die USA im Januar 2015, wurden neben vier Terrorverdächtigen auch die beiden Verschleppten getötet

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Geld ist offiziell eine Spende, keine Entschädigung

Die Familie des Italieners soll dem Bericht zufolge eine Summe von 1 185 000 Dollar erhalten haben, als Spende in Gedenken an den Toten. Das bestätigte sowohl die amerikanische Botschaft in Rom als auch Giovanni Lo Portos Bruder. Der Repubblica zufolge soll es sich bei der Zahlung nicht um eine "Entschädigung", sondern vielmehr um ein "Zugeständnis". Für Opfer des Krieges im Irak oder Syrien haben die USA einen Hilfsfonds eingerichtet. Demnach ist es die erste Zahlung der US-Regierung an ein ziviles Opfer, das in Pakistan getötet wurde. Ob die Hinterbliebenen des 73-jährigen Warren Weinstein ebenfalls eine Überweisung erhalten haben, ist nicht bekannt.

Das Geld soll an die Eltern von Giovanni Lo Portos Eltern überwiesen worden sein. Die beiden leben auf Sizilien. "Sie haben mein Leben zerstört, sie haben mir den Glanz aus den Augen genommen. Sie haben ihn mir in Stücken zurückgebracht, in einem Sarg und ich warte noch immer darauf, die Wahrheit über seinen Tod zu erfahren", sagte Lo Portos Mutter in einer Erklärung im März dieses Jahres. Nach der öffentlichen Entschuldigung des US-Präsidenten habe sich die Familie von den Behörden im Stich gelassen gefühlt.

Die USA hatten im April 2015 ihr Bedauern über den Tod der Zivilisten zum Ausdruck gebracht. "Worte können unser Bedauern über diese schreckliche Tragödie nicht beschreiben", hieß es in einer Presserklärung des Weißen Hauses. US-Präsident Barack Obama sagte damals, er übernehme "die volle Verantwortung" für die Angriffe.

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