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Nach Gewaltausbrüchen:Sudanesische Regierung schickt neue Truppen nach Darfur

In dem seit 2003 andauernden Konflikt sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 300 000 Menschen getötet.

(Foto: AFP)

In der Krisenregion waren in den vergangenen Tagen mindestens 80 Menschen getötet worden.

Die sudanesische Armee verstärkt angesichts der aufflammenden Gewalt in der Krisenregion Darfur ihre Truppen. Ministerpräsident Abdalla Hamdok erklärte einem Bericht des britischen Senders BBC zufolge, die zusätzlichen Streitkräfte würden die Bevölkerung während der bevorstehenden Erntesaison schützen.

In den vergangenen Tagen waren bei neuer Gewalt in Darfur mindestens 80 Menschen getötet worden. Die Vereinten Nationen teilten mit, rund 500 bewaffnete Männer hätten in der vergangenen Woche das Dorf Masteri im Westen des zentralafrikanischen Landes angegriffen und dabei mindestens 60 Menschen getötet und 60 verletzt. Bei einem weiteren Massaker wurden Medienberichten zufolge im Süden Darfurs mindestens 20 Menschen getötet.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtete über eine massive Zunahme von Menschenrechtsverletzungen und Gewalt im westlichen Sudan. "Wir verfolgen mit großer Sorge, dass im Juli 2020 Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Rechtsberatungsteams in Darfur deutlich zugenommen haben," sagte der GfbV-Direktor Ulrich Delius.

Die Lebensmittelversorgung für Millionen ist unsicher

Derzeit ist landwirtschaftliche Hochsaison. Etwa 2,8 Millionen Menschen in Darfur leiden Schätzungen des UN-Nothilfebüros (OCHA) zufolge zwischen Juni und September unter Lebensmittelunsicherheit, davon allein 545 000 im Westen Darfurs.

Um wie viele Soldaten der Einsatz des sudanesischen Militärs verstärkt werden soll, war zunächst nicht bekannt. Anfang Juni entschied der UN-Sicherheitsrat, die Friedensmission Unamid ab dem nächsten Jahr aus Darfur abzuziehen.

In dem seit 2003 andauernden Konflikt sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 300 000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen vertrieben worden. Bis heute herrscht kein Frieden in der Region. Der damalige sudanesische Präsident Omar al-Baschir, den das Militär im vergangenen Jahr auf öffentlichen Druck hin gestürzt hatte, ist deshalb vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeklagt. Seit seinem Sturz sitzt er in Haft im Sudan.

© SZ.de/dpa/KNA/odg/dit/hij/cat

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Von Anna Reuß

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