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Coronavirus weltweit:Englands Chefmediziner warnt vor "sehr herausforderndem Winter"

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Chris Whitty sieht Großbritannien an einem "kritischen Punkt". Dänemark, Litauen und die Slowakei melden Rekordzahlen bei den Neuinfektionen.

Englands Chefmediziner Chris Whitty warnt vor einem "sehr herausfordernden Winter". Die Pandemie entwickle sich in Großbritannien in die falsche Richtung, zitieren britische Medien vorab aus einer Rede, die Whitty im Laufe des Tages halten soll. "Wir schauen uns die Daten an um zu sehen, wie wir die Ausbreitung des Virus vor einer sehr herausfordernden Winterperiode handhaben können." Das Land sei an einem "kritischen Punkt".

Aufgrund der sich dramatisch verschlimmernden Corona-Lage, erwägt die britische Regierung einen erneuten landesweiten Lockdown, wie am Wochenende bekannt geworden war. Einem Bericht der Financial Times zufolge haben Wissenschaftler der Regierung diese Maßnahme empfohlen, um den stark ansteigenden Infektionszahlen entgegenzuwirken. Als Zeitpunkt empfiehlt das Beratergremium demnach die Schulferien im Oktober. Der BBC zufolge könnte die Maßnahme nächste Woche verkündet werden.

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"Wir möchten einen nationalen Lockdown vermeiden, aber wir sind darauf vorbereitet", räumte Gesundheitsminister Matt Hancock im BBC-Interview ein. Es sei das "letzte Mittel der Verteidigung". Man versuche zunächst die Verbreitung des Virus durch lokale Beschränkungen aufzuhalten. In einigen Regionen, wie Teilen von Schottland, im Süden von Wales und im nördlichen England habe man die Maßnahmen zum Schutz bereits verstärkt. Mehr als zehn Millionen Menschen sind von den Einschränkungen betroffen.

Hancock ging nicht konkret auf den Bericht der Financial Times ein. Auch eine Regierungssprecherin wollte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Erst vor wenigen Tagen hatte Premierminister Boris Johnson erklärt, dass ein zweiter landesweiter Lockdown für die Wirtschaft "desaströs" wäre.

Hancock sprach nicht nur von einer steigenden Zahl an Infektionen. Auch nehme die Zahl der Covid-19 Patienten in Kliniken zu. Die Zahl der Infizierten in Großbritannien, die stationär behandelt werden, verdoppelt sich alle acht Tage.

Innerhalb Europas ist Großbritannien mit Blick auf die Todesfälle das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land. Bereits fast 42 000 Menschen, die positiv auf das Virus getestet worden waren, sind dem britischen Gesundheitsministerium zufolge gestorben. Nach Angaben der Statistikbehörde ONS starben 57 500 Menschen, auf deren Sterbedokumenten eine Corona-Infektion vermerkt war. Die Statistiken gehen unterschiedlich mit Verdachtsfällen und Zeiträumen um. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Rekord bei Neuinfektionen in Dänemark, Litauen und der Slowakei

Dänemark hat den höchsten Tageswert an Corona-Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie registriert. Wie am Samstag aus Zahlen des dänischen Gesundheitsinstituts SSI hervorging, wurden seit dem Vortag 589 neue Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt - das ist der höchste Wert, seit das Virus Ende Februar erstmals in dem Nachbarland Deutschlands nachgewiesen worden war.

Die heutigen Zahlen lassen sich allerdings nur schwer mit denjenigen der ersten Hochphase der Corona-Krise im Frühjahr vergleichen, weil in Dänemark wie in zahlreichen anderen Ländern heute viel mehr auf Corona getestet wird. Dennoch sind die dänischen Behörden und die Regierung in Kopenhagen besorgt über den Anstieg der vergangenen Wochen, der vor allem mit einigen lokalen Ausbrüchen, etwa in der Hauptstadtregion, zusammenhängt.

Die Regierung versucht gegenzusteuern, indem seit Samstag landesweit eine Reihe von Beschränkungen gelten: Unter anderem müssen Restaurants und Kneipen nun bereits um 22 Uhr schließen, in den Lokalen muss zudem ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die maximale Teilnehmerzahl bei Versammlungen wurde wieder auf 50 herabgesetzt. Insgesamt sind rund 22 000 Corona-Fälle in Dänemark bestätigt worden, 635 infizierte Personen starben.

Auch in Litauen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen Rekordwert erreicht. Nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde in Vilnius vom Samstag wurden in dem baltischen EU-Land in den vergangenen 24 Stunden 99 positive Tests verzeichnet - und damit der höchste Anstieg von neuen Fällen binnen eines Tages seit Ausbruch der Pandemie. Die bisherigen Höchstwerte innerhalb von 24 Stunden hatten nach Angaben der Agentur BNS bei knapp über 60 gelegen. Litauen mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern verzeichnete insgesamt bislang 3664 bestätigte Infektionen und 87 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus.

Die Slowakei hat bereits zum zweiten Mal in zwei Tagen einen Rekord bei den Corona-Neuinfektionen gemeldet. Der Tageswert lag bei 290, teilte das Nationale Gesundheits-Informationszentrum am Samstag mit. Auch dies ist der höchste Wert sei dem Ausbruch der Pandemie. Der bisherige Höchstwert wurde einen Tag zuvor erfasst, er betrug 235 Fälle. In der Slowakei, in der rund 5,5 Millionen Menschen leben, haben sich nach offiziellen Angaben bislang 6546 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. 39 Menschen starben demnach im Zusammenhang mit dem Virus.

Trotz hoher Infektionszahlen will Brasilien Fans ins Stadion lassen

Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro will trotz hoher Corona-Infektionszahlen die Fans zurück in die Stadien holen. Nach Angaben des Bürgermeisters Marcelo Crivella sollen am 4. Oktober bis zu 20 000 Zuschauer das Ligaspiel zwischen Flamengo und Athletico Paranaense im Maracanã-Stadion verfolgen können. Crivella wolle den brasilianischen Fußballverband CBF auffordern, "das Maracanã-Stadion zu einer Alternative zum Strand zu machen. Das vielleicht größte Problem, mit dem Rio heute konfrontiert ist, sind die großen Menschenmassen ohne Masken am Strand", sagte der Bürgermeister. Für die Umsetzung der Pläne ist die Zustimmung des CBF nötig.

Mit 20 000 Zuschauern wäre das Maracanã zu einem Drittel ausgelastet. Andere Länder setzen bei der Rückkehr der Fans auf geringere Auslastungen der Arenen. So einigten sich die Bundesländer in Deutschland beispielsweise zunächst auf eine 20-prozentige Ausschöpfung der Stadionkapazitäten - allerdings nur, wenn das Infektionsgeschehen vor Ort es zulässt.

Die Behörden in Rio hatten bereits im Juni angekündigt, den Fans ab dem 10. Juli wieder Zutritt zu den Stadien zu gestatten. Als die Infektionszahlen jedoch stark anstiegen, nahmen sie von dieser Idee wieder Abstand. Brasilien hat mit fast 136 000 Toten nach den USA die zweithöchste Zahl an Todesopfern infolge der Pandemie zu beklagen. Der Bundesstaat Rio de Janeiro zählt dabei zu den am stärksten betroffenen Gebieten des Landes.

Überraschende Wende: Italien erlaubt doch Zuschauer in Stadien

Die italienische Regierung erlaubt schon von diesem Wochenende an wieder bis zu 1000 Zuschauer bei Sportveranstaltungen im Freien. Dies gelte bereits für die am Sonntag und Montag stattfindenden Halbfinals und Finals des Tennisturniers in Rom. Die Abstands- und Hygieneregeln müssen dabei aber eingehalten werden, erklärte Sportminister Vincenzo Spadafora. Zuvor hatte die Regierung eine schnelle Rückkehr der Zuschauer noch ausgeschlossen.

Was genau der Beschluss für die italienische Fußball-Meisterschaft bedeutet, ließ Spadafora zunächst offen. Die Serie A startet am Wochenende mit sieben Partien in die neue Saison. Die Vereine fordern seit Wochen eine Rückkehr der Fans, die Politik hatte dies jedoch zuletzt für frühestens Mitte Oktober in Aussicht gestellt.

Die Entscheidung zur Zuschauer-Rückkehr sollte laut Spadafora im Laufe des Freitags offiziell verkündet werden. "Es ist ein erster, aber bedeutsamer Schritt in Richtung der Rückkehr zur Normalität im Sport", sagte der Politiker der Fünf-Sterne-Bewegung. Neben der Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln gelten für die Zuschauer weitere Einschränkungen, etwa die feste Zuordnung von Sitzplätzen.

Israel verhängt zweiten Lockdown - und ist damit Vorreiter

Viele Länder haben mit lokalen Maßnahmen auf wieder gestiegene Corona-Zahlen reagiert. Israel ergreift nun aber wieder landesweite Maßnahmen und ist damit weltweit ein Vorreiter. Der zweite Lockdown gilt von Freitagmittag an für mindestens drei Wochen. Nur noch in Ausnahmefällen dürfen die Menschen sich weiter als 1000 Meter von ihrem Zuhause entfernen. Schulen und Kindergärten sollen geschlossen bleiben. Auch Hotels, Einkaufszentren sowie Freizeitstätten und Strände müssen schließen. Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen. Lebensmitteleinkäufe und Arztbesuche sind aber weiterhin erlaubt.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Donnerstagabend, angesichts der hohen Infektionszahlen der vergangenen Tage könnte sogar eine weitere Verschärfung der Maßnahmen notwendig werden: "Ich werde nicht zögern, zusätzliche Beschränkungen zu verhängen, falls die Notwendigkeit besteht."

Unklar ist, in welchem Umfang sich die Bevölkerung an die Regeln halten wird. Im neuen Lockdown-Zeitraum liegen mit Rosch Haschana und Jom Kippur wichtige jüdische Feiertage. Wöchentlich gab es zudem zuletzt Proteste gegen die Corona-Politik von Netanjahu. Verteidigungsminister Benny Gantz kündigte daher an, die Armee werde die Polizei mit 1000 Soldaten bei der Durchsetzung der Maßnahmen unterstützen.

Die Opposition kritisiert den Corona-Kurs der Regierung und den zweiten Lockdown scharf. Die Krise hat der Wirtschaft des Landes bereits schwer zugesetzt. Die Arbeitslosigkeit lag im Sommer bei mehr als 20 Prozent. Oppositionsführer Jair Lapid sagte zuletzt, die Bürger würden bestraft, weil die Regierung versagt habe. "Dieser Lockdown ist ein Fehler, er ist ein Desaster."

Der bisherige Höchststand an täglichen Neuinfektionen war mit 5523 für vergangenen Dienstag registriert worden. Diese Zahl lag in dem Land zuletzt deutlich höher als in Deutschland - und Deutschland hat neunmal so viele Einwohner wie Israel. Vom jüngsten Anstieg der Zahlen sind arabische und ultraorthodoxe jüdische Wohnviertel am stärksten betroffen. Dort leben häufig größere Familien auf engem Raum zusammen, so dass Infektionsketten nur schwer unterbrochen werden können.

Mehr als 3100 neue Fälle in Tschechien - auch Grenzregion bei Cheb stärker betroffen

Tschechien hat innerhalb eines Tages mehr Corona-Neuinfektionen verzeichnet als das viel größere Deutschland. Am Donnerstag wurde mit 3130 neuen Fällen erstmals die 3000er-Marke überschritten, wie aus den Daten des Gesundheitsministeriums in Prag hervorging. Die Gesamtzahl der Infizierten seit Beginn der Pandemie stieg damit auf knapp 44 200. Mit einer Covid-19-Erkrankung wurden 489 Todesfälle in Verbindung gebracht. Tschechien hat knapp 10,7 Millionen Einwohner und damit etwas mehr als ein Achtel der Bundesrepublik.

Unterdessen treten schärfere Regeln in Kraft. Schüler müssen seit Freitag im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen - ausgenommen sind Erstklässler. Restaurants, Bars und Clubs müssen künftig nachts zwischen Mitternacht und sechs Uhr schließen. Zudem muss jeder Gast einen Sitzplatz haben. Seit mehr als einer Woche gilt landesweit in allen Innenräumen eine Maskenpflicht.

Auf der regionalen "Corona-Ampel" wurden weitere Bezirke auf die Warnstufe Gelb geschaltet. Das bedeutet eine "beginnende Übertragung innerhalb der Gemeinschaft". Betroffen ist nach Angaben der Agentur ČTK auch der Bezirk Cheb (Eger) im äußersten Westen Tschechiens an der Grenze zu Bayern. Deutschland hat bereits eine Reisewarnung für die Hauptstadt Prag und die angrenzende Mittelböhmische Region ausgesprochen.

Mehr als 30 Millionen Corona-Infektionen weltweit

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind nach Angaben von US-Wissenschaftlern weltweit mehr als 30 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Das geht aus Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervor. Die Zahl der Toten liegt demnach bei mehr als 943 000. Weltweit entfallen die meisten Infektionen und Todesfälle auf die USA, ein Land mit etwa 330 Millionen Einwohnern.

In den USA gibt es Johns Hopkins zufolge bislang mehr als 6,6 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und mehr als 197 000 Todesfälle. An zweiter Stelle steht - gemessen an den Ansteckungen - Indien mit 5,1 Millionen Infektionen und mehr als 83 000 Toten. An dritter Stelle folgt Brasilien mit mehr als 4,4 Millionen Infektionen und circa 134 000 Todesfällen.

Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Toten allerdings in sechs Ländern höher als in den USA. An erster Stelle steht nach den Statistiken der Johns-Hopkins-Universität Peru mit knapp 97 Todesopfern pro 100 000 Einwohner. Mit deutlichem Abstand folgen Bolivien, Spanien, Chile, Ecuador, Brasilien und die USA - dort starben etwa 60 Menschen pro 100 000 Einwohner.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden die Zahlen zuletzt aber auch wieder nach unten korrigiert. Experten gehen in jedem Fall von einer höheren Dunkelziffer aus.

Erneuter Rekord an Neuinfektionen in Frankreich

Frankreich verzeichnet erneut einen Rekord bei Corona-Neuinfektionen. Binnen eines Tages seien 10 593 weitere Fälle bestätigt worden, teilt das französische Gesundheitsministerium in Paris mit. Der bisherige Höchststand war am 12. September mit 10 561 Neuinfektionen registriert worden.

Insgesamt wurden bislang in Frankreich 415 481 Corona-Fälle registriert. Die Zahl der Toten kletterte den Angaben zufolge um 50 auf nunmehr 31 095. Das ist der zweithöchste Tagesanstieg binnen zwei Monaten.

© SZ.de/dpa/Reuters/Bloomberg/jael/gal/odg/mpu/hij/aner
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