Machtkampf im Indopazifik:Warum die USA und Großbritannien Australien mit Atom-U-Booten ausrüsten

Australiens Premier Scott Morrison begrüßt seine US-amerikanischen und britischen Partner im neuen Sicherheitspakt "Aukus".

Australiens Premier Scott Morrison begrüßt seine US-amerikanischen und britischen Partner im neuen Sicherheitspakt "Aukus".

(Foto: Mick Tsikas/dpa)

Die drei Länder gründen die wohl vor allem gegen China gerichtete Sicherheitsallianz "Aukus" - und drängen damit ganz nebenbei Frankreich an den Rand.

Von Fabian Fellmann, Washington

Mit keinem Wort erwähnten die drei Männer China. Dabei war die aufstrebende asiatische Großmacht der Treiber dafür, dass US-Präsident Joe Biden am Mittwoch mit den britischen und australischen Premierministern Boris Johnson und Scott Morrison einen "historischen Schritt" verkündete. Die USA und Großbritannien werden Australien mit amerikanischer Technologie für nuklear betriebene U-Boote ausstatten. Noch ist das erst eine Absichtserklärung, der in den kommenden 18 Monaten konkrete Planungen folgen. Doch ernst ist es den drei Ländern: Sie wollen gemeinsam China im indopazifischen Raum in die Schranken weisen.

Historisch ist der Schritt, weil die amerikanische U-Boot-Technologie eines der am besten gehüteten Staatsgeheimnisse ist. Bisher haben die USA nur Großbritannien daran teilhaben lassen, nach einem Vertrag aus dem Jahr 1958. Nun stößt Australien zu der Partnerschaft, welche die drei Länder auf den Namen "Aukus" tauften. Der Aufbau einer australischen U-Boot-Flotte ist zudem geeignet, das Gleichgewicht der militärischen Kräfte im Indopazifik zugunsten des Inselkontinents und seiner westlichen Verbündeten zu verändern.

Der Schritt ist daher für die USA von strategischer Wichtigkeit: Sie hoffen, mit der engeren Einbindung Australiens und Großbritanniens im Indopazifik die eigene Position zu stärken, ohne die volle Verantwortung oder die vollen Kosten dafür übernehmen zu müssen. Die Allianz "soll nicht nur unsere Fähigkeiten im Indopazifik verbessern, sondern Europa, vor allem Großbritannien, enger in unsere Strategie in der Region einbinden", erklärte ein hoher US-Beamter am Mittwoch. Aukus soll überdies die Zusammenarbeit in den Bereichen Cyber, künstliche Intelligenz und Quantentechnologie voranbringen.

Nuklear betriebene U-Boote ermöglichen längere Einsätze, ohne auftauchen zu müssen. Das steigert den Kampfwert gegenüber konventionell betriebenen Maschinen merklich. "Die Boote sind ruhiger. Sie sind stärker. Sie werden uns erlauben, die Abschreckung im Indopazifik zu erhalten und zu verbessern", sagte der US-Beamte. Auch er vermied es tunlichst, das Wort "China" in den Mund zu nehmen. Dabei ist für den Sicherheitsexperten Eric Sayers vom Thinktank American Enterprise Institute klar: "Das hier geht einzig und allein um China", wie er dem Sydney Morning Herald sagte.

Brisanter geopolitischer Deal

Der verbale Seiltanz der Amerikaner, Briten und Australier zeigt, dass sie die geopolitische Brisanz ihres Deals erkannt haben. Sie wollen China deshalb nicht zusätzlich erschrecken oder provozieren. Erst vor einer Woche hatte Biden mit Präsident Xi Jinping telefoniert, ihn dabei aber nicht konkret über den geplanten Pakt mit Australien informiert.

Biden, Morrison und Johnson beeilten sich nun zu versichern, Australien wolle nur nuklear betriebene U-Boote anschaffen, strebe aber keineswegs den Bau atomarer Bewaffnung an. Alle drei beteuerten, ihre Verpflichtungen gemäß dem Vertrag zur Nichtverbreitung von Kernwaffen einzuhalten und mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zusammenarbeiten zu wollen.

Argwohn löst das neue U-Boot-Programm in Frankreich aus. Nicht nur, weil Boris Johnson damit einen Erfolg verbuchen kann in seinem Streben, sein Land nach dem Bruch mit der Europäischen Union als "Global Britain" neu zu positionieren. Amerikanische Beamte priesen die neue Allianz am Mittwoch bereits als wichtigen Schritt auf diesem Weg. Schwerer noch wiegt für die Franzosen, dass Biden und Johnson ihnen ein Jahrhundertgeschäft vermasseln: 2016 hatte Australien bei der französischen Naval Group zwölf U-Boote für etwa 50 Milliarden Euro bestellt. Die Arbeiten haben sich dermaßen verzögert, dass noch keines der Boote für Australien produziert wurde und auch das erste Exemplar für die französische Marine erst gerade vom Stapel gelaufen ist.

Macron im Stich gelassen

Trotzdem hatte der australische Premier dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron noch vor zwei Monaten versichert, er halte an dem Auftrag fest - nur um ihn am Mittwoch doch abzublasen. Das ist umso ärgerlicher für die Franzosen, als sie 2016 nuklear betriebene Boote offerieren wollten, die Australier jedoch bewusst darauf verzichteten.

Inwiefern sich nach diesem Manöver nebst Großbritannien auch andere europäische Länder für die amerikanische Pazifik-Initiative motivieren lassen, ist offen. Weiterhin wollen sich die USA im indopazifischen Raum auf ihre Partner Japan, Südkorea und die Philippinen stützen. Neuerdings will Biden in engeren Kontakt mit Vietnam, Indonesien und Indien treten. Klargemacht haben die Amerikaner aber bereits: Ihre Nukleartechnologie für U-Boote werden sie mit keinem weiteren Land teilen.

© SZ/kler/cat
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