bedeckt München 24°

CDU/CSU und Atomkraft:Die Kernspaltung der Union

Parteikollegen im Süden machen mobil gegen Röttgen, Zustimmung für seine Atomausstiegspläne erhält der Bundesumweltminister aus Düsseldorf.

M. Bauchmüller und S. Braun

Die Veranstaltung allein schon ist bemerkenswert. An diesem Freitag, Punkt elf, laden drei Landesminister zur gemeinsamen Pressekonferenz. Alle drei sind Mitglieder der Union, alle drei sind für Umwelt zuständig. Und alle drei zielen auf dieselbe Person: ihren Parteifreund Norbert Röttgen.

Norbert Röttgen, ddp

Hat mit seinen Äußerungen zum zukünftigen Stellenwert der Kernenergie für Zündstoff in den eigenen Reihen gesorgt: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

(Foto: Foto: ddp)

Die Äußerungen des Bundesumweltministers "zum künftigen Stellenwert der Kernenergie" seien "auf teilweisen Widerspruch gestoßen", heißt es in der Einladung. Weshalb die Minister Tanja Gönner (Baden-Württemberg), Markus Söder (Bayern) und Silke Lautenschläger (Hessen) nun einmal ihre Sicht der Dinge vortragen wollten.

Unionsminister gegen Unionsminister

Anders als Röttgen, der in der Süddeutschen Zeitung eine möglichst rasche Ablösung der Atomkraftwerke durch erneuerbare Energien gefordert hatte, werden sie wohl eine längere Lebensdauer ihrer Meiler einfordern - und eine schnelle Entscheidung darüber.

Schon Anfang Januar hatten drei Minister in einem Brief an Röttgen "dringenden Handlungsbedarf" konstatiert. Es sei "erforderlich, das weitere Vorgehen möglichst rasch mit Ihnen zu erörtern". Statt Söder hatte damals noch der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander mit unterschrieben, ein FDP-Mann. Doch nichts geschah.

Dass Unionsminister gegen einen Unionsminister opponieren - das hat dann doch Seltenheitswert. Zumal sie es nicht hinter den Kulissen, sondern auf einer Pressekonferenz versuchen. Es zeigt, wie tief der Riss in Sachen Kernkraft bei der Union geht; besonders in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Alle drei beziehen wesentliche Teile ihres Stroms aus Kernkraft, alle drei wären bald von Abschaltungen betroffen, bliebe es beim geltenden Atomausstieg.

In Baden-Württemberg stünde Neckarwestheim 1 zur Disposition; die Reststrommengen reichen nur noch wenige Monate. In Hessen steht der Reaktor Biblis A seit Monaten still, damit er die Aufhebung des Atomausstiegs überhaupt noch miterleben kann. Und in Bayern wäre das Kraftwerk Isar 1 rein rechnerisch 2011 reif.

Zwar können sich die Unternehmen noch durch die Übertragung von Reststrommengen aus älteren Anlagen Luft verschaffen. Aber das wäre nur ein Aufschub - und rechtlich bei Biblis A und Isar 1 noch nicht einmal so einfach.

Ersatz für die Kernkraftwerke aber wird absehbar nicht im Süden der Republik gebaut werden, sondern eher im Norden - die Kohle lässt sich dort leichter anlanden, und der Wind bläst stärker.

Lesen Sie auf Seite 2, wie seit Monaten in der CDU um die Meinungshoheit in der Atomfrage gerungen wird.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB