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Gewehr G 36:Eine Affäre, die vielleicht nie eine hätte werden müssen

Amtseinführung Kramp-Karrenbauer

Ursula von der Leyen (links) und ihre Nachfolgerin als Verteidigungsministerin, Annegret Kramp-Karrenbauer, bei deren Amtseinführung 2019.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Die Bundeswehr hätte besser am Sturmgewehr G 36 festgehalten - ihr wäre viel Geld und Ärger erspart geblieben.

Kommentar von Joachim Käppner

So wie man im Handel gern sagt, die Klage sei der Gruß des Kaufmanns, so heißt es von den Soldaten, solche müssten noch gefunden werden, die je zufrieden wären mit ihrer Ausrüstung. Um so verwunderlicher war es von Beginn an, dass zwar die Öffentlichkeit, die Parteien und Waffenhersteller jahrelang von Skandal und Affäre sprachen, wenn es um das Standardgewehr G 36 der Bundeswehr ging, dieses in der Truppe aber eher gelobt wurde.

Ja, es gab Fachleute dort, die warnten, das Schnellfeuergewehr halte extremen Belastungen nicht stand. Verbreiteter war und ist die Gegenmeinung: Das G 36 sei eine gute Waffe, die sich zum Beispiel in den Händen der kurdischen Peshmergakämpfer bewährte, als diese ab 2014 mit deutschem Militärgerät ihre autonome Region im Irak erfolgreich gegen die Horrormilizen des IS verteidigten.

Die Endlos-Affäre um das G 36 begann mit einem Akt der Hast. Nach Hinweisen, das G 36 habe in Afghanistan Mängel gezeigt, verkündete die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen jäh das Aus für die Waffe und ließ eine neue ausschreiben.

Den Zuschlag erhielt die Firma C. G. Haenel, die jetzt aber im Verdacht möglicher Patentverletzungen steht. So geht eine Affäre weiter, die möglicherweise nie eine hätte werden müssen. Manches spricht dafür, dass mehr Sorgfalt statt einer arg demonstrativen Bekundung von Führungsstärke durch von der Leyen der Bundeswehr viel Geld und Ärger erspart hätte.

© SZ vom 10.10.2020/ihe
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