Bürgerkrieg in Syrien:USA weisen russische Pläne zurück, mehrere Tote in Aleppo

Wladimir Putin

Wladimir Putin hatte die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Assad in dessen Kampf gegen den IS zu unterstützen.

(Foto: dpa)
  • Die USA weisen russische Pläne einer neuen Koalition im Kampf gegen die IS-Terrormiliz in Syrien zurück.
  • Frankreich erwägt, ein Eingreifen von Truppen der Nachbarstaaten gegen den IS in Syrien zu unterstützen.
  • Bei einem Rebellenangriff auf Aleppo kommen mindestens 38 Menschen ums Leben.
  • Syriens Machthaber Assad macht den Westen für den Flüchtlingsandrang nach Europa mitverantwortlich.

USA: Keine Unterstützung für Assad

Die USA weisen das russische Ansinnen einer neuen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurück. Das Weiße Haus wertete die russische Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad als kontraproduktiv und als eine Destabilisierung der Region. Washington reagierte auf Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser hatte die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Assad in dessen Kampf gegen den IS zu unterstützen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sagte, die USA würden es begrüßen, wenn Russland stattdessen konstruktiver mit der US-geführten Anti-IS-Koalition zusammenarbeite.

Das US-Außenministerium reagierte ebenfalls skeptisch. Eine weitere internationale Koalition neben der bestehenden sei nicht nötig. Außenminister John Kerry rief am Dienstag seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zum dritten Mal binnen zehn Tagen an, um Klarheit über die russische Unterstützung für Assad zu gewinnen. Earnest und der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, unterstrichen die Position der USA, wonach Assad jede Legitimität verloren habe und dass es einen politischen Wechsel ohne Assad geben müsse.

Frankreich stellte unterdessen in Aussicht, ein Eingreifen von Bodentruppen der Nachbarstaaten gegen die IS-Terrormiliz in Syrien zu unterstützen.

Fast 40 Tote bei Angriff auf Aleppo

Bei einem Rebellenangriff auf unter Kontrolle des syrischen Regimes stehende Stadtteile von Aleppo sind mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen seien 14 Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. 150 Menschen seien verletzt worden. Das Staatsfernsehen hatte zuvor von 20 Opfern berichtet. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Während das Regime den Westen und Süden Aleppos beherrscht, halten die Rebellen den Osten der Stadt unter Kontrolle. Bei einem erneuten Anschlag in der Stadt Hasaka im Nordosten des Landes riss ein Selbstmordattentäter derweil sieben Menschen mit in den Tod. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, als eine Autobombe explodierte, wie die Menschenrechtsbeobachter mitteilten. Unter den Toten waren demnach fünf Zivilisten und zwei kurdische Sicherheitskräfte. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag. Erst am Dienstag waren in Hasaka bei einem Doppelanschlag von IS-Selbstmordattentätern 34 Menschen ums Leben gekommen. Die überwiegend von Kurden kontrollierte Stadt ist seit Monaten schwer umkämpft.

Assad äußert sich in russischen Medien

Millionen Syrer sind vor der seit Jahren andauernden Gewalt auf der Flucht. Machthaber Baschar al-Assad machte den Westen für den Zustrom der Menschen nach Europa mitverantwortlich. "Falls das Schicksal der Flüchtlinge die Europäer beunruhigt, sollten sie ihre Unterstützung von Terroristen (in Syrien) einstellen", sagte Assad dem russischen Fernsehsender Erster Kanal zufolge in einem Interview mehrerer Moskauer Medien. Der Westen ernte nun die Früchte, dass er Extremisten in gut und böse einteile, wurde der umstrittene Präsident in dem am Dienstag veröffentlichten Gespräch zitiert.

Der britische Guardian berichtete unter Bezug auf den früheren finnischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari, dass der Westen bereits vor drei Jahren ein russisches Angebot ausgeschlagen habe, Assad im Zuge eines Friedensplans für Syrien abzusetzen. Die westlichen Mächte seien davon ausgegangen, dass Assad sich ohnehin nicht mehr lange würde halten können, so Ahtisaari, der damals zu den Unterhändlern zählte.

© Süddeutsche.de/dpa/AP/fued
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