bedeckt München 11°
vgwortpixel

"Guardian"-Bericht:Saudischer Kronprinz soll Jeff Bezos per Whatsapp-Nachricht gehackt haben

Amazon-Gründer Jeff Bezos 2018 in Washington

Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon.

(Foto: dpa)

Der "Guardian" schreibt, dass Schadcode in einem Video versteckt gewesen sein soll, das Mohammed bin Salman an Amazon-Chef Jeff Bezos schickte.

Das Mobiltelefon von Amazon-Gründer Jeff Bezos wurde Mitte 2018 gehackt. Ein Jahr später wehrte sich Bezos öffentlich gegen einen Erpressungsversuch des National Enquirer. Das Boulevardblatt behauptete, im Besitz intimer Fotos von Bezos und seiner damaligen Affäre und heutigen Lebensgefährtin Lauren Sanchez zu sein. Bezos gab nicht nach, sondern machte den Vorgang öffentlich.

Unbekannt war jedoch bislang, wer das Telefon des reichsten Mannes der Welt gehackt haben könnte. Der Guardian berichtet jetzt, dass es der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich gewesen sein soll, der die Nachricht schickte, die Bezos' Telefon mit "hoher Wahrscheinlichkeit" kompromittierte.

Schadcode in Whatsapp-Video

Die Zeitung beruft sich auf Zeugen, die mit der Untersuchung von Bezos' Telefon vertraut sind, ohne jedoch deren Namen zu nennen. Demnach habe ein Whatsapp-Account, der mit dem saudischen Kronprinz assoziiert wird, zwei Nachrichten an Bezos geschickt. Eine sei harmlos gewesen, die zweite jedoch sei eine Videodatei gewesen, in der Code versteckt war, der schließlich zum Hack des Telefons führte. Danach seien innerhalb von Stunden große Mengen Daten von Bezos' Telefon abgeflossen.

Bezos' Sicherheitschef hatte nach seiner eigenen Untersuchung bereits bei der News-Webseite Daily Beast geschrieben, dass es deutliche Hinweise auf eine Verstrickung der Saudis in den Hack gebe. Der National Enquirer hatte das stets zurückgewiesen und behauptet, der Bruder von Bezos' Geliebter habe ihnen die Fotos und Textnachrichten verkauft.

Vom Guardian um eine Stellungnahme gebeten, antwortete Bezos lediglich, er kooperiere mit laufenden Untersuchungen der Behörden. Die saudische Botschaft nannte den Bericht in einem Tweet "absurd" und forderte eine Untersuchung, um alle "Fakten zu klären".

Sollten die Informationen der Zeitung zutreffen, deutet es zumindest auf einen anspruchsvollen Angriff hin. In der Regel gibt es nur wenige private Firmen oder Staaten, die zu solchen Aktionen in der Lage sind. Denn die Herausforderung ist, die Schadsoftware unbemerkt auf die Geräte einer Zielperson zu schleusen. Dafür sind meist bisher unbekannte Sicherheitslücken in Apps oder Betriebssystemen notwendig, die dann ausgenutzt werden.

Grundsätzlich ist seit Längerem bekannt, dass Telefone zwischenzeitlich auch über Whatsapp gezielt und heimlich infiltriert werden konnten. Viel Aufsehen erregte die israelische IT-Firma NSO Group: Sie hatte vermutlich Informationen über eine Whatsapp-Sicherheitslücke auf dem Schwarzmarkt aufgekauft, um sie für Spionage auszunutzen. Mit einem verdeckten Sprachanruf soll es möglich gewesen sein, unbemerkt eine Schadsoftware auf Smartphones zu spielen. Whatsapp ging deshalb gerichtlich gegen das Unternehmen vor.

Die israelische Regierung hatte Geschäfte von NSO mit diversen arabischen Staaten erlaubt. Weil sie die Software als Waffe einstuft, muss die Regierung Exportlizenzen ausstellen. Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete, es habe zwischen NSO und Saudi-Arabien Verträge über Spionagesoftware im Gesamtwert von 55 Milllionen US-Dollar gegeben. NSO bestritt damals, solche Geschäfte eingegangen zu sein.

Doch saudische Dissidenten und die Menschenrechts-Organisation Amnesty International kritisierten das Unternehmen heftig. Ihr Vorwurf: Die Firma habe Saudi-Arabien mit ihrer Software geholfen, Kritiker auszuspionieren. Der Aktivist Omar Abdulaziz warf der NSO Group konkret vor, dank ihrer Software habe das saudische Königshaus Informationen über Jamal Khashoggi sammeln können. Der Journalist war einer der prominentesten Kritiker des Regimes und im Oktober 2018 in der saudischen Botschaft in Istanbul getötet worden. Khashoggi war Kolumnist bei der Washington Post gewesen, einer Zeitung, die Amazon-Chef Jeff Bezos gehört.

© SZ.de/bloom/mxm/vd
Journalismus Scham beiseite

Berichterstattung über Ehe-Aus

Scham beiseite

Der Amazon-Chef Jeff Bezos wirft dem "National Enquirer" Erpressung vor. Das Blatt ist wohl im Besitz privater Details. Zieht auch der US-Präsident die Strippen? Über einen schmutzigen Medienkrieg.   Von Jürgen Schmieder und Christian Zaschke

Zur SZ-Startseite