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Atomkatastrophe in Japan:Die IAEA - mehr als hilflos

Keine Experten im Krisengebiet, groteske Pressekonferenzen, Beschwichtigungstaktik: Die Rolle der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bei der Atomkatastrophe in Japan sorgt für großen Unmut bei einigen westlichen Staaten.

Grotesk mutete die Pressekonferenz an, zu der die Internationale Atomenergiebehörde IAEA am Montagabend in Wien geladen hatte. Während der Sprecher der japanischen Regierung, Yukio Edano, am Nachmittag in Tokio wie zuvor schon der Kraftwerksbetreiber Tepco eingestanden hatte, dass Brennelemente in den drei havarierten Blöcken des Kernkraftwerks Fukushima-1 "sehr wahrscheinlich" zumindest teilweise schmelzen, sagte James Lyon, der für Nuklearsicherheit zuständige Direktor der IAEA Stunden später, seiner Behörde lägen "keine Informationen vor", dass nuklearer Brennstoff schmelze.

IAEA's Director General Yukiya Amano briefs the media at the United Nations headquarters in Vienna

IAEA-Chef Yukiya Amano: Die Rolle der IAEA beschränke sich darauf, "bestätigte und offizielle Informationen" über den Stand des Reaktorunfalls aus Japan weiterzugeben.

(Foto: REUTERS)

Wie IAEA-Chef Yukiya Amano, früher Japans Botschafter bei der Atombehörde, zuvor mehrmals betont hatte, beschränkt sich die Rolle der Wiener Atomwächter darauf, "bestätigte und offizielle Informationen" über den Stand des Reaktorunfalls aus Japan an die anderen Mitgliedstaaten der Organisation weiterzugeben.

Die IAEA ist also von den Informationen abhängig, die sie selbst aus Japan erhält. Bestätigte Informationen, wie es in den Druckgefäßen der drei Reaktoren aussieht, hat natürlich auch dort niemand. Es wird Monate oder gar Jahre dauern, bis man weiß, welche Schäden an dem nuklearen Inventar entstanden sind. Zu einem gewissen Maß sind also alle dahingehenden Aussagen Spekulation - und daran könne sich die IAEA nicht beteiligen, wie Amano erklärte.

Es ist möglich, dass etwa die aus einer Zirkon-Legierung bestehenden Hüllrohre der Brennelemente geschmolzen sind, nicht aber die darin enthaltenen Uran-Tabletten, der eigentliche nukleare Brennstoff. Die Freisetzung bestimmter radioaktiver Substanzen sowie die Berichte des Betreibers, der japanischen Atomaufsicht und die Aussagen der Regierung lassen aber nach einhelliger Auffassung von Experten darauf schließen, dass die Brennelemente zumindest teilweise geschmolzen sind und es in allen drei Reaktoren zu schweren Schäden am Reaktorkern gekommen ist.

Bilder aus Japan

Pure Verzweiflung