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Anti-Terror-Krieg:Die Iraker bestreiten, gezielte Tötungen zu vollziehen

Die Vorgehensweise bei einer "opération homo" (homo für homocide, Tötung) hat im Sommer 2015 General Christophe Gomart erläutert, damals Chef des Militärgeheimdienstes DRM. Bei einem Lehrgang beschrieb er, wie seine Spezialisten "Ziele von Interesse" ( cibles d'intérêt) - also Anführer von Terrorgruppen - elektronisch erst identifizieren, dann lokalisieren, schließlich attackieren. Wieder gehorchen Frankreichs Operationen einer englischen Formel: "Find, fix, finish, exploit" (finden, festsetzen, erledigen, auswerten). Die meisten dieser "hochwertigen Zielpersonen" wurden bisher im Sahel, am Hindukusch oder am Horn von Afrika getötet. Syrien und Irak sind dagegen vergleichsweise neues Terrain für Frankreichs Sonderkommandos.

Südlich von Mossul feuern französische CAESAR-Haubitzen 155-Millimeter-Artilleriegranaten auf Ziele im teils noch vom IS kontrollierten Westen der Stadt, von einer Zufahrtsstraße gut sichtbar. Ein Sprecher des Generalstabs bestätigt, dass "französische Spezialkräfte in Mossul die Mission haben, irakische Streitkräfte zu beraten und zu unterstützen". Dabei, so erläutert Colonel Patrick Steiger, leisteten sie vor allem "Aufklärungsarbeit". Ein Team des Senders France 2 durfte sie begleiten. Zu sehen in dem Film ist moderne Aufklärungsausrüstung: taktische Drohnen mit hochauflösenden Kameras, Nachtsichtgeräte. Die Mission der 200 Mann: Informationen beschaffen, auswerten und bei der Identifizierung von Zielen zu helfen.

Laut Wall Street Journal übergaben die Franzosen aber auch eine regelmäßig aktualisierte Liste mit Namen und Bildern französischer Dschihadisten an die Iraker. Abgefangene Kommunikation und andere Informationen helfen, sie zu lokalisieren und den Irakern Tipps zu geben; nach den Angriffen würden Fingerabdrücke und DNA mit Datenbanken abgeglichen. Die Iraker bestreiten, gezielte Tötungen zu vollziehen. Die IS-Kämpfer sind auf dem Schlachtfeld Kombattanten und damit legitime militärische Ziele. Die ausländischen Dschihadisten kämpfen ohnehin bis zum Tod, wenn sie gestellt werden. Denn sie wissen, dass eine Gefangennahme dasselbe Schicksal bedeutet: Auf die Mitgliedschaft beim IS steht im Irak die Todesstrafe.

Das Außenministerium erklärt, alles geschehe im "Respekt für internationales Recht"

Zu Details des Einsatzes gibt der Sprecher von Verteidigungsministerin Sylvie Goulard "keinen spezifischen Kommentar", auch wenn das Wall Street Journal schreibt, die Franzosen unternähmen in Mossul eigene Suchaktionen und seien teils - illegal - in irakischen Uniformen und Fahrzeugen unterwegs. Immerhin, die Ministerin räumte vorige Woche ein, was jeder weiß: Dass Spezialtruppen in Syrien und im Irak sind und "punktuelle Operationen" durchführen. Nicht bestätigen wollte Paris, dass die Elitesoldaten bevorzugt eigene Landsleute jagen. "Die irakischen Kräfte bekämpfen dschihadistische Gruppen verschiedenster Nationalitäten", so Colonel Steiger, "die stehen unter Feuer - dabei die eine Gruppe von der anderen zu unterscheiden, das ist doch einfach unmöglich."

Das Außenministerium ergänzt, Frankreichs Anti-Terror-Krieg vollziehe sich "im Respekt für das internationale Recht". Unter Hollande hatte Paris stets auf das in Artikel 51 der UN-Charta verbriefte "Recht zu Selbstverteidigung" gepocht. Es war Macrons früherer Dienstherr, der Frankreichs geheimen Krieg nach Syrien und in den Irak trug. Allem voran der gescheiterte Anschlag am 21. August 2015 schreckte Hollande auf: Der Attentäter Ayoub el-Khazzani, der im Hochgeschwindigkeitszug TGV von Brüssel nach Paris ein Blutbad anrichten wollte, war von IS-Hintermännern aus Syrien gesteuert worden. Sechs Tage später offenbarte Hollande zwei Journalisten von Le Monde einen Sinneswandel: Falls sich beweisen lasse, dass ein schwerer Terroranschlag aus dem Ausland gesteuert worden sei, so sinnierte er, dann genügten keine Luftschläge mehr: "Dann heißt es: 'Jetzt müssen wir uns rächen.' Mit Bodentruppen, mit allen Konsequenzen".

Frankreichs Geheimdienste hatten damals Alarm geschlagen: Ein IS-Kämpfer belgischer Herkunft wolle aus Syrien zurückkehren und plane Anschläge in Europa, mutmaßlich in Frankreich. Hollande genehmigte Anfang September 2015 Erkundungsflüge über dem Land, ließ heimlich Marineverbände in der Region auffahren. Doch Geheimdienste und Spezialkräfte spürten den Terror-Drahtzieher nicht auf.

Am 13. November fielen in Paris 130 Menschen dem Terror zum Opfer. Der Chef des Kommandos, inzwischen als Abdelhamid Abaooud identifiziert, hatte es aus Syrien bis in die Hauptstadt geschafft. Er starb am 18. November im Vorort Saint-Denis im Kugelhagel der Polizei. So weit, das haben sich Frankreichs Generäle geschworen, soll niemand wieder kommen. Niemals.

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