Anti-Terror-Einsatz Trump preist getöteten Soldaten - doch Fragen zum Jemen-Einsatz bleiben

  • Bei seiner Rede vor dem Kongress hatte der US-Präsident die Witwe eines Soldaten adressiert, der beim ersten von Trump angeordneten Anti-Terror-Einsatz in Jemen getötet worden war.
  • Recherchen von NBC nähren nun Zweifel an Trumps Behauptung, bei dem Einsatz seien Geheimdienstinformationen gewonnen worden.
  • Der Vater des getöteten Soldaten verlangt von Trumps Regierung, den Tod seines Sohnes nicht zu instrumentalisieren.
Von Barbara Galaktionow

Es war ein sehr emotionaler Moment in der ersten Rede Donald Trumps vor dem Kongress. Der US-Präsident wandte sich an die eigens eingeladene Witwe des US-Soldaten William "Ryan" Owens. Der Elitekämpfer der Navy Seals war Ende Januar bei einem Einsatz seiner Einheit gegen al-Qaida in Jemen getötet worden, den Trump angeordnet hatte.

"Ryan starb, wie er lebte, ein Kämpfer und ein Held", sagte Trump am Dienstag zur sichtlich bewegten Witwe Carryn Owens, die mit den Tränen kämpfte, während sie von den Anwesenden mit Standing Ovations bedacht wurde. Verteidigungsminister James Mattis habe ihm gerade noch einmal bestätigt, fuhr Trump fort, dass Ryan "Teil eines äußerst erfolgreichen Einsatzes" gewesen sei, der "große Mengen entscheidender Geheimdienstinformationen hervorgebracht" habe, die auch in der Zukunft zu "vielen weiteren Siegen über unsere Feinde führen werden".

Die Reaktionen auf Trumps Auftritt waren gespalten. Medienvertreter rühmten den "herausragend präsidentiellen" und "reaganesken Moment". Andere Beobachter, darunter auch US-Veteranen, warfen Trump hingegen vor, die Witwe und die Trauer der Familie für seine eigenen politischen Zwecke "ausgebeutet" zu haben (hier eine Zusammenstellung von Tweets dazu). Doch beim Blick auf den Jemen-Einsatz und den Tod des Soldaten Owens geht es um mehr als um politisches Kalkül und Emotionen. Es geht vielmehr um die Frage, was dabei möglicherweise schiefgelaufen und wer dafür verantwortlich ist. Und die Fragen danach werden lauter.

Bei dieser ersten von Trump als Oberbefehlshaber autorisierten Anti-Terror-Aktion war nicht nur Owens ums Leben gekommen, etwa 30 weitere Menschen waren getötet worden. Nur die Hälfte von ihnen sollen Kämpfer gewesen sein, die anderen Zivilisten. Unter den Opfern waren auch Kinder.

Die Aktion in Jemen war bereits unter der Regierung des früheren Präsidenten Barack Obama geplant, aber nicht in Gang gesetzt worden. In US-Medien wurden Vorwürfe laut, Trump habe den Einsatz nur kurz nach seiner Amtsübernahme zu unbedenklich in Gang gesetzt.

Zu den Kritikern des umstrittenen Einsatzes gehört auch John McCain. Der bekannte republikanische Senator aus Arizona und Vietnam-Veteran sprach im Zusammenhang mit der Mission zunächst von einem "Scheitern". Später relativierte er seine Aussage, indem er sagte, wenn ein Soldat sterbe, könne man nicht von einem "Erfolg" sprechen.

"Verstecken Sie sich nicht hinter dem Tod meines Sohnes"

Die Möglichkeit einer unabhängigen Untersuchung des Vorfalls hat die Regierung bislang von sich gewiesen - und dabei die Ehre des getöteten Owens vorgeschoben. "Der Einsatz war ein grandioser Erfolg", sagte Trump-Sprecher Sean Spicer Anfang Februar, "und jeder, der behauptet, es war kein Erfolg, erweist dem Leben von Ryan Owens einen schlechten Dienst." Ob die Aktion tatsächlich ein Erfolg war, wie Spicer und nun auch Trump so lautstark verkündeten, dafür gibt es bislang keine Beweise. Eher scheinen Zweifel angebracht.

NBC News meldete am Mittwochabend, dass der Einsatz bislang keinerlei bedeutende Informationen hervorgebracht habe. Auf den bei der Aktion sichergestellten Computern, Handys und Festplatten fanden sich demnach zunächst keine bedeutenden oder verwertbaren Daten. Der US-Sender berief sich dabei unter anderem auf zehn Behördenmitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Regierung, die mit dem Fall vertraut seien und ungenannt bleiben wollen.

Doch selbst wenn die Aktion noch brauchbare Ergebnisse bringen sollte, bleiben Fragen. Sie treiben auch den Vater des toten Soldaten um. "Warum musste genau zu dieser Zeit diese törichte Mission stattfinden, als die Regierung kaum eine Woche im Amt war? Warum?", fragte William "Bill" Owens, selbst Veteran, in einem Artikel des Miami Herald, der am Wochenende veröffentlicht wurde.

Als der Leichnam seines Sohnes in die USA gebracht wurde, hatte er sich geweigert, Trump am Flughafen zu treffen. Er ist nicht der Ansicht, dass das Andenken an seinen Sohn durch eine Untersuchung beschmutzt würde. Im Gegenteil. Er fordert vehement, dass der Einsatz beleuchtet wird und richtet deutliche Worte an die Trump-Regierung: "Verstecken Sie sich nicht hinter dem Tod meines Sohnes, um eine Untersuchung zu verhindern."

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