Es ist noch nicht so lang her, da haben die Grünen der schwarz-roten Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel "Feigheit" im Fall Assange vorgeworfen. Das Wort fällt jetzt auf sie zurück. Am 14. September 2021, kurz vor der Bundestagswahl, hat sich die damalige grüne Spitzenkandidatin Annalena Baerbock noch vehement für die Freilassung des Whistleblowers und Enthüllungsjournalisten ausgesprochen. Jetzt ist sie Außenministerin; jetzt ist Schweigen im grünen Wald. Baerbock hat zum Amtsantritt eine deutlich hörbare und wertebasierte Außenpolitik angekündigt; aber davon ist bisher im Fall Assange nichts zu hören. Die deutsche Sektion der Schriftstellervereinigung PEN hat daher soeben einen offenen Brief an Baerbock publiziert und sie aufgefordert, den Worten Taten folgen zu lassen.
Prantls Blick:Eiertanzschule Baerbock
Lesezeit: 5 min
Die US-Justiz will dem 50-Jährigen Julian Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Nun ist die Überstellung in die USA einen Schritt näher gerückt.
(Foto: Matt Dunham/dpa)Wo bleibt der Einsatz der Außenministerin für Julian Assange? Diesen Einsatz hat sie vor Monaten noch selbst gefordert. Jetzt ist sie still geworden.
Von Heribert Prantl, Berlin
SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Leben und Gesellschaft
»Nur darauf zu warten, selbst zu erzählen, tötet jede Kommunikation«
Gesundheit
"Lungenkrebs könnten wir zu 90 Prozent vermeiden"
Mode
Feministin versus Sexbiest
Energie
Wie ein Milliardenplan den Gas-Kollaps verhindern soll
Emily Nagoski im Interview
"Sex kann sich auch nach langer Zeit noch abenteuerlich anfühlen"